Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 28

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 28 - Mercedes-Benz L 6600 und L 315 (Baujahre 1950-1958)

Als erste Neukonstruktion eines schweren Lastwagens nach dem 2. Weltkrieg stellte die Daimler-Benz AG im Herbst 1950 den Mercedes-Benz L 6600 vor. Er rundete für mehrere Jahre das Produktprogramm nach oben ab. Mit seiner zeittypisch geschwungenen Motorhaube wirkte er sehr gefällig und verkaufte sich hervorragend. Die bei Feuerwehren genutzten Fahrzeuge gehörten mit zu den imposantesten Erscheinungen – auch heute noch.

Mit dem Inkrafttreten der Bestimmungen des Schell-Plans zum Jahresbeginn 1940 hätte die Daimler-Benz AG einen LKW mit 6 t Nutzlast produzieren dürfen, hatte aber offenbar nichts Passendes in der Hinterhand. Die Produktion der größeren Niederrahmen-Lastkraftwagen L 6500 und L 10000 wurde 1940 bzw. 1941 eingestellt.

Bei Kriegsende stand man daher im Werk Gaggenau – abgesehen vom weiterhin produzierten Mercedes-Benz L 4500 in zunächst „entfeinerter“ Ausführung – mit weitgehend leeren Händen da. Zusätzlich wurde die Arbeitskraft der Konstruktionsabteilung im Werk durch die französische Besatzungsmacht zeitweilig für eigene Zwecke zwangsverpflichtet. Die Startbedingungen waren daher deutlich schlechter als im Werk Mannheim, wo 1949 der Mercedes-Benz L 3250 vorgestellt wurde.

Erst im Oktober 1950 konnte in Gaggenau die Produktion einer Neukonstruktion beginnen – des Mercedes-Benz L 6600. Während der oben erwähnte L 4500 weiterhin die interne (Vor-) Kriegsbezeichnung L 303 führte, firmierte der L 6600 in den Werksbezeichnungen unter L 304.

Und so ganz neu war er dann doch wieder nicht. Das Fahrgestell aus U-Längsprofilen mit genieteten Querträgern war gegenüber dem L 6500 der 1930er Jahre (interne Werksbezeichnung L 54) nur leicht modifiziert worden, auch das Fahrerhaus entsprach weitgehend den Stahlkabinen der Vorkriegszeit. Ein sehr schnittiges Aussehen verliehen dem LKW aber die neu gestaltete Motorhaube mit deutlichen US-Einflüssen, die dem legendären Mercedes-Benz 300 entlehnte Kühlergrillverkleidung und die abgerundete Stoßstange. Die Scheinwerfer saßen wie beim kleinen Bruder L 3500 auf dem vorderen Ende der Kotflügel. Die früher (und auch beim jetzt zeitgleich gebauten L 5000) genutzten daumendicken Peilstangen waren zierlichen Metallstäben gewichen, die oben auf den Kotflügeln saßen. Das sah alles sehr schick aus!

Eine weitgehende Neukonstruktion war der Sechszylinder-Dieselmotor OM 315. Er arbeitete nach dem Vorkammer-Gleichstrom-Verfahren, hatte einen Hubraum von 8.276 cm³ und leistete 145 PS bei 2.100 U/min. Im Rahmen war er frei schwingend auf Gummipolstern gelagert, was bei Motoren dieser Größenordnung vorher nicht möglich war. Die Ansaugluft wurde nicht aus dem heißen Motorraum entnommen, sondern von außen her zugeführt. Wasserkühlung und damit kombinierter Ölwärmetauscher sorgten für optimale Öltemperatur, im Winter sorgte eine von Hand zu bedienende Kühlerjalousie für ein schnelles Erreichen der günstigsten Betriebstemperatur.

Der Kraftstoffverbrauch des maximal 12,5 t schweren Fahrzeugs wurde mit 20,2 Litern pro 100 km angegeben, die Höchstgeschwindigkeit betrug 70 km/h. Angeboten wurde das Pritschenfahrzeug L 6600 mit Radständen von 4.600 und 5.200 mm, der Kipper L 6600 K nur mit 4.600 mm. Für Sattelzugmaschinen gab es ein Fahrgestell L 6600 Sa mit 3.600 mm Achsabstand.

Im für drei Personen ausgelegten Führerhaus hatte der Fahrer einen Einzelsitz, von dem aus er das Lenkrad mit 55 cm Durchmesser betätigen konnte. Eine Heizungs- und Entfrostungsanlage war im Winter ebenso willkommen wie Ausstellscheiben, Kurbelfenster und Frischluftgebläse im Sommer.

Der vermutlich erste Mercedes-Benz L 6600 für eine Feuerwehr in Deutschland war der Rüstkranwagen der BF Hamburg. Metz produzierte diese seit etwa 1936 übliche Kombination aus Kran- und Rüstwagen 1953 auf einem Fahrgestell mit langem Radstand. Neu an den Nachkriegs-Rüstkranwagen war, dass die Kräne nicht nur in Fahrzeuglängsrichtung tätig werden konnten, sondern jetzt drehbar waren.

Allmählich setzte sich jedoch in den späten 1960er Jahre die Erkenntnis durch, dass es einsatztaktisch günstiger und wirtschaftlich besser war, leichtere Rüstwagen in höherer Zahl und nur wenige größere Kräne für Großstadtfeuerwehren zu beschaffen. Erst in jüngster Zeit haben einige Rüstwagen wieder leichtere Zusatzkräne.


RKW 10, Mercedes-Benz L 6600/52, Metz, Baujahr 1953, von der BF Hamburg eingesetzt bis 1971, vermutlich in den 1980er Jahren verschrottet.


Mitte 1953 wurde die Nutzlast auf 7.200 kg erhöht, die Verkaufsbezeichnung aber beibehalten. Das lag vermutlich daran, dass der „Sechs-Sechser“ inzwischen zu einem festen Begriff in der Nutzfahrzeugbranche geworden war. Gleichzeitig erhöhte sich das zulässige Gesamtgewicht auf 13,25 Tonnen.

Ein TLF 30 in „amerikanischer Bauweise“ entstand 1953 auf dem Mercedes-Benz LF 6600/46. Das Führerhaus war offen, dahinter saß eine kräftige Mittelpumpe, an die sich der Tank anschloss. Darauf gelagert wurde das Schlauchmaterial in Buchten, um es während der Fahrt auslegen zu können. Ganz hinten stand auf einem Trittbrett die Mannschaft – ganz so, wie es bis in die 1980er Jahre hinein auch in den USA üblich war und zum Teil heute noch ist. Geliefert wurde das interessante Fahrzeug an eine nicht minder interessante Feuerwehr, die „2. Deutsche Feuerwehrkompagnie“ der Stadt Valparaiso, auf Spanisch „Segunda Compañía Bomba Germania." Sie wurde am 30. Juni 1851 von Deutschstämmigen gegründet, gemeinsam mit der 1. (amerikanischen) Kompanie. Ihre Internetseite hat den deutschen Namen als Überschrift, sie führt den Bundesadler im Wappen und hat immer noch beste Beziehungen nach Deutschland.

Im Oktober 1953 wurde ein Sonderlöschfahrzeug an den jugoslawischen Staat ausgeliefert, der genau Einsatzort ist nicht bekannt. Bezeichnet wurde das Fahrzeug als TLF 32. An Löschmitten waren eine unbekannte Menge Wasser, 300 Liter Schaummittel und 300 kg CO2 an Bord. Den formschönen Omnibusaufbau krönten zwei Dachwerfer, je einer für Wasser und einer für Schaummittel. Sie waren über dem Mannschaftsraum nebeneinander angeordnet, ließen sich aber nicht aus der Staffelkabine, sondern nur vom Dach aus bedienen. Zwei Schnellangriffe mit formstabilen Schläuchen vervollständigten die Ausrüstung.

Im August 1954 verkaufte Metz ein LF 30 in Omnibusform an die Feuerwehr Sao Paulo (Brasilien). Hierfür wurde ein Fahrgestell vom Typ Mercedes-Benz LF 6600/46 verwendet. Die verchromte Kühlergrillabdeckung trug zusätzlich zur Eleganz des Fahrzeugs bei.

Die Allradversion LA 6600 kam Ende 1953 auf den Markt, eine Sattelschlepperversion (z.B. für Tieflader im Baustellenbetrieb) wurde als LA 6600 Sa angeboten. Daneben entstand Anfang 1954 der Prototyp eines geländegängigen Lastwagens LG 6600 für die in Planung befindliche Bundeswehr. Von ihm ausgehend wurden ab 1956 Mercedes-Benz LG 315 in über 8.000 Exemplaren an das Militär ausgeliefert. Dieser Sonderbaureihe wird die nächste Folge der Artikelserie gewidmet sein.

In Gaggenau fand der Wechsel in den Typbezeichnungen wie in der letzten Folge schon dargelegt bereits Mitte 1954 statt. Aus dem L 6600 wurde jetzt ganz konsequent wegen des verwendeten Motors der L 315, der Kipper hieß LK 315, der Sattelschlepper LS 315. War ein Allradantrieb vorhanden, wurde das A direkt hinter das L gesetzt. Zusätzlich zu den bereits oben genannten Radstandversionen gab es jetzt auch einen LK 315/42 und einen LS315/42, Neu entstanden also „kurze“ Kipper und „lange“ Sattelzugmaschinen mit 4.200 mm Radstand.

Nicht nur für Feuerwehren war die sogenannte Kommunalversion Mercedes-Benz LKo 315 mit Nebenabtrieb interessant, die es auch in der Allradausführung als LAKo 315 gab. Eine Sonderbauart, z.B. für Flugfeldtankwagen, waren Dreiachsfahrgestelle mit Schleppachse unter der Bezeichnung L 315 S (Radstände 4.600 und 1400 mm), also mit nachgestellten „S“ im Unterschied zur Sattelschlepperversion. Auch andere Sonderkonstruktionen wurden bei Bedarf gefertigt, z.B. Kipper auf dem LAS 315/36 für die britischen Streitkräfte in Deutschland.

Tatsächlich lassen sich bei genauem Hinsehen Unterscheidungsmerkmale zwischen L 6600 und L 315 finden: Die Peilstangen wanderten wieder vom Kotflügel auf das hintere Ende der Stoßstange, dort wo sie auch beim L 325 saßen. Auf den Kotflügeln hatten jetzt die Blinker Platz genommen, die anstelle der vorher üblichen Winker Pflicht geworden waren. Festzustellen ist jedoch, dass diese Änderungen offenbar nicht zeitgleich mit der Umbenennung stattfanden, sondern erst ein paar Monate später. Es wäre ja sonst auch zu einfach geworden …

Ein Feuerwehrfahrzeug dieser Übergangsbauart wurde als GW-Licht an die Feuerwehr Sao Paulo (Brasilien) verkauft. Der Aufbau wurde als Sattelauflieger konzipiert, gezogen wurde er von einem Mercedes-Benz LS 315/36.

Um die Zuordnung der verwendeten Fahrgestelle noch schwieriger zu machen, existiert im Oldtimerbestand des Daimler-Benz-Werks Sindelfingen ein Gerätewagen GW 3 auf einem Mercedes-Benz L 6600/46 von 1953, der eindeutig die Merkmale eines L 315 /46 trägt. Auf ein gebrauchtes Fahrgestell setzte die Werkfeuerwehr 1963 einen Aufbau mit integrierter Mannschaftskabine. Ob bei dieser Gelegenheit das „Outfit“ dem L 315 angepasst wurde, ist nicht bekannt. Möglich ist genauso, dass es sich um einen Prototypen für die Optik des L 315 gehandelt hat. Es kam offensichtlich häufiger vor, dass derartige Versuchsfahrzeuge in den Werksfuhrparks „aufgebraucht“ wurden, z.T. auch bei den Werkfeuerwehren. Bis 1975 blieb der GW im Dienst und wird seitdem museal erhalten.

Einige Drehleitern DL 30 wurden auf dem Mercedes-Benz LKo 315 hergestellt, und zwar sowohl 1954 für die BF Stuttgart als auch 1955 für die FF Esslingen am Neckar. Genutzt wurde beide Male ein Fahrgestell mit 4.600 mm Radstand. Die Drehleitern unterschieden sich in Details, vor allem im Bereich der Kabine. Darüber hinaus wies die Stuttgarter Leiter wieder die Peilstangenanordnung des älteren L 6600 auf, wirkte dadurch aber irgendwie moderner.


DL 30, Mercedes-Benz LKo 315/46, Metz, Baujahr 1955, bis 1971 im Dienst bei der FF Esslingen-Stadtmitte, dann umgesetzt zur Abteilung Sulzgries. Von 1988 bis 1999 gehörte die Drehleiter zum Bestand des Museums der Daimler-Benz AG. Seitdem wird sie von den Feuerwehroldtimerfreunden Esslingen a. N. gepflegt und allmählich wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt.


Die FF Pforzheim erhielt 1955 eine DL 37 auf Mercedes-Benz LKo 315/52. Mit ihrem fünfteiligen Leiterpark und dem langen Radstand wirkte sie sehr wuchtig. Sie steht seit 1991 im Auto- und Technik-Museum in Sinsheim.

Als zweite deutsche DL 37 ist die der BF Wolfsburg von 1957 zu nennen. Erneut basierte sie auf dem LKo 315/52. Von Wolfsburg aus wurde sie (vermutlich 1983 als kurzfristiger Ersatz für eine verunfallte DL 30) an die FF Bad Lauterberg am Harz verkauft. Als dort 1985 eine neue DLK 23/12 in Dienst gestellt wurde, erwarb ein Sammler die DL 37. Dem Feuerwehrfotografen Klaus Fischer gelang es kurz vorher noch, sie bei schlechtestem Fotowetter auf den Film zu bannen.


DL 37, Mercedes-Benz LKo 315/52, Metz, Baujahr 1957, geliefert an die BF Wolfsburg, vermutlich 1983 verkauft an die FF Bad Lauterberg, dort 1985 ausgemustert, seitdem in Sammlerhand.

Ein nahezu baugleiches Fahrzeug – mit verchromtem Kühlergrill und ebensolchen Radkappen – wurde ein Jahr später an die Feuerwehr Valparaiso (Chile) ausgeliefert. Auch diese DL 37 nutzte ein Fahrgestell vom Typ Mercedes-Benz LKo 315/52. Ähnliche Leitern verkaufte die sehr aktive Niederlassung der Daimler-Benz AG in Santiago de Chile an die Feuerwehren Valdivia und Santiago selber. Eine von ihnen gelangte später zur Feuerwehr Antofagasta.

Die längste jemals auf einem Mercedes-Langhauber gebaute Drehleiter orderte die Volksrepublik China 1954 bei Metz. Auf einem Mercedes-Benz LKo 315/52 mit 14 t zulässigem Gesamtgewicht entstand eine DL 52 mit einem Fahrstuhl an der Unterkante des Leiterstuhls. Ausgeliefert wurde das Fahrzeug 1955. Die chinesischen Auftraggeber waren offenbar mit der Arbeit von Metz zufrieden. Sie bestellten nämlich fünf weiter DL 52, jetzt auch mit Vorbaupumpe – aber nicht mehr auf einem Fahrgestell der Daimler-Benz AG! Gewählt wurden vier Krupp L 8 „Tiger“ und ein MAN 758 L1. Darüber in späteren Folgen dieser Serie vielleicht mehr.

Für brasilianische Flughäfen wurden 1957 gleich sechs schwere Flugfeld-Löschfahrzeuge bestellt. Auf das Allradfahrgestell Mercedes-Benz LAKo 315/52 setzte Metz Aufbauten mit Staffelkabine, Mittelpumpe FPM 30/8 sowie den Löschmitteln Wasser, Schaum und Pulver. Letzteres konnte über einen Werfer auf dem Kabinendach und je einen formstabilen Schlauch pro Fahrzeugseite abgegeben werden. Für Wasser bzw. Schaummittel standen ebenfalls zwei aufgerollte Hartgummischläuche zur Verfügung, dazu ein Schaum- / Wasserwerfer auf dem Aufbaudach.

Freiwillige Feuerwehren leisten sich nur in Ausnahmefällen eigene Kranwagen. Ein Beispiel dafür ist die FF Garmisch-Partenkirchen. Mehrere schwere Verkehrsunfälle im Einsatzgebiet führten 1955 zu der Entscheidung, einen Rüstkranwagen mit 10 Tonnen Hubkraft zu beschaffen. Gewählt wurde ein Allrad-Fahrgestell LAKo 315/52 mit Staffelkabine. Der RKW 10 wurde 1976 durch einen stärkeren und moderneren (gebrauchten) KW 25 ersetzt und ging an ein Autohaus im Ort. Dort erhielt er anstelle der Blaulichter Gelblichter sowie eine Beschriftung des Händlers. Ansonsten wurde er weiterhin zu Fahrzeugbergungen eingesetzt und soll auch heute noch dort anzutreffen sein.


RKW 10 Mercedes-Benz LAKo 315/52, Metz, 1955, von der FF Garmisch-Partenkirchen 1956 in Dienst genommen. Er wurde 1976 durch einen stärkeren und moderneren KW 25 ersetzt und ging an ein Autohaus im Ort.

Die BF Offenbach entschied sich zwei Jahre später für die gleiche Hubkraft und die gleiche Tonnageklasse des Fahrgestells, aber gegen eine Geräteausstattung. Es wurde lediglich ein Kran beschafft (auch wenn Metz ihn trotzdem als Rüstkranwagen bezeichnete), so dass jetzt ein Radstand von 4.600 mm ausreichte. Nach 14 Einsatzjahre wurde der KW 10 an die FF Alsfeld verkauft, die ihn knapp 10 Jahre nutzte. Heute soll er im Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda stehen, nach anderen Angaben im Museum von Mercedes-Benz in Stuttgart.


KW 10, LAKo 315/46, Metz. 1957, geliefert an die BF Offenbach, 1971 verkauft an die FF Alsfeld, heute DFM oder DB-Museum Stuttgart.

Eines der imposantesten Feuerwehrfahrzeuge dieser Baureihe war der ehemalige Kranwagen der BF Ludwigshafen. Als Basis für den KW 15 diente ein Mercedes-Benz LA 315 S, also ein dreiachsiges Allradfahrgestell mit Schleppachse. Von Metz ausgeliefert wurde das Fahrzeug 1957. Verwirrend sind die Angaben zum Motor: 10.810 cm³ und 192 PS lassen auf den Sechszylinder-Dieselmotor OM 326 schließen, der ab November 1956 in Export-LKW vom Typ L 326 verbaut wurde und ab Frühjahr 1957 auch auf dem deutschen Markt erhältlich war. (Darüber in Folge 30 mehr.) Da beide Fahrgestelle von der Konstruktion her identisch waren, gab es offenbar keine Probleme den deutlich stärkeren Motor in dieses wuchtige Fahrzeug einzubauen.

Nach 16 Dienstjahren verkaufte die BF Ludwigshafen 1973 den KW 15 an die FF Montabaur, wo er wiederum 1980 ausgemustert wurde. Seitdem befindet sich der Kranwagen in Privatbesitz. Längere Zeit war er im Raum Oldenburg untergestellt und wurde in den späten 1980er Jahren gelegentlich auch noch zu Bergungseinsätzen genutzt. Ansonsten tauchte er häufiger auf Oldtimertreffen auf. Aktuell soll er wieder in Montabaur „stationiert“ sein.


KW 15, Mercedes-Benz LA 315 S 6x4, Metz, Baujahr 1957, geliefert an die BF Ludwigshafen, 1973 verkauft an die FF Montabaur, dort 1980 ausgemustert. Seitdem befindet sich er sich in Privatbesitz.

Bereits eingangs wurde erwähnt, dass die Fahrgestelle L 6600 bzw. L 315 sich sehr gut verkauften. Teilweise entfielen mehr als die Hälfte der deutschen Neuzulassungen in dieser Größenklasse auf den Mercedes-Benz-LKW, und das trotz der Konkurrenz durch Büssing, Faun, Henschel, Kaelble, Krupp, Magirus und MAN. Von der Straßenversion fanden 13.735 Exemplare einen Abnehmer, dazu kamen 1.264 Allradfahrzeuge.

Das Ende der 315er-Ära besiegelten die vom damaligen Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm zu verantwortenden Gesetze zur Stärkung der Konkurrenzfähigkeit der Deutschen Bundesbahn. Sie wurden am 21. März 1956 beschlossen und traten zum 1.1.1958 für Neufahrzeuge in Kraft.

Für den Güterfernverkehr zugelassene LKW mussten u.a. künftig 6 PS pro Tonne Lastzuggewicht vorweisen, also für Zugmaschine und Anhänger bzw. Auflieger zusammen. Damit war ein wirtschaftlich sinnvoller Anhängerbetrieb des mit 145 PS etwas untermotorisierten Mercedes-Benz L 315 nicht mehr möglich. Außerdem lag er mit 13,25 t zulässigem Gesamtgewicht über der Grenze von 12 t für zweiachsige LKW. Die Produktion der Allradfahrzeuge wurde Ende 1957 eingestellt, die der Straßenversion im Mai des Jahres 1958.


(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Klausmartin Friedrich, Archiv Hamburger Feuerwehr-Historiker e.V., Frank-Hartmut Jäger, Karl Müller, Jürgen Suchorski

 Literatur (u.a.):

Oswald, Werner: Mercedes-Benz – Lastwagen und Omnibusse 1896-1986. Stuttgart 2008.

Regenberg, Bernd: Die deutschen Lastwagen der Wirtschaftswunderzeit, Band 2 Mittlere und schwere Fahrzeuge. Brilon, 1986.


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