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Berufshaftpflicht für Mitarbeiter im Rettungsdienst

26.05.2017

Recht im Rettungsdienst ArbeitsrechtBremen (rd_de) „Wenn mal was schiefgeht – kein Problem, dafür sind Sie über uns versichert.“ Diese Worte hat schon mancher Rettungsdienst-Mitarbeiter gehört. Eine Berufshaftpflichtversicherung, wie sie beispielsweise Ärzte oder Anwälte nachweisen müssen, wäre sinnvoller. Aber nur eine Minderheit der Notfallsanitäter und Rettungsassistenten dürfte sie besitzen.

Das Schreiben der Versicherung lag unerwartet im Briefkasten von Rettungsassistentin Sarah B. (fiktiver Name). Als Betriebshaftpflichtversicherung von Sarahs Arbeitgeber habe man an einen Patienten 50.000 Euro Schmerzensgeld zahlen müssen. Sarah habe den Patienten durch unsachgemäßes Umlagern von der Trage fallen lassen. Dies stelle eine grob fahrlässige Pflichtverletzung dar. Deswegen müsse die Rettungsassistentin die 50.000 Euro im Wege des Regresses innerhalb von 14 Tagen an die Versicherung zahlen.

Kein Einzelfall. Eine Ärztin war bereits im Jahr 1997 vom Bundesarbeitsgericht in einem Fall falscher Blutkonservengabe zum Regress verurteilt worden.

Betriebshaftpflichtversicherung des Arbeitgebers

Richtig ist, dass Hilfsorganisationen sowie kommunale und private Rettungsdienste in der Regel eine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen haben. Eine solche Versicherung sichert das Unternehmen vor Vermögensschäden, die aufgrund von Personen- oder Sachschäden verursacht wurden. Darüber hinaus sind Schäden, die durch das alleinige Verschulden eines einzelnen Mitarbeiters entstehen, abgedeckt. Eine Betriebshaftpflichtversicherung bietet daher finanziellen Schutz sowohl vor Personen- und Sachschäden als auch vor Vermögensschäden.

Die Versicherung stellt den Versicherungsnehmer – also den Arbeitgeber des Rettungsdienst-Mitarbeiters – von begründeten Ansprüchen Dritter frei oder wehrt auf seine Kosten unbegründete Ansprüche ab. Aber Achtung, gleichzeitig beginnt bereits bei der Schadenmeldung immer auch die Prüfung der Versicherung, ob im Falle einer Zahlung ein Mitarbeiter, der den Schaden verursacht hat, voll oder teilweise in Regress genommen werden kann. Versicherungsunternehmen sind wirtschaftlich orientierte Firmen. Wohltaten gehören nicht zu ihrem Business.

Hintergrund für diese Recherchen gegen einen Rettungsdienst-Mitarbeiter ist der Grundsatz des Forderungsübergangs. So heißt es in Paragraph 86 des Versicherungsvertragsgesetzes: „Steht dem Versicherungsnehmer ein Ersatzanspruch gegen einen Dritten zu, geht dieser Anspruch auf den Versicherer über, soweit der Versicherer den Schaden ersetzt.“

Anders ausgedrückt: Steht dem Rettungsdienst als Arbeitgeber ein Regressanspruch gegen den Mitarbeiter zu, macht die Versicherung davon Gebrauch. Sie schont den Mitarbeiter nicht, wie dies vielleicht der Arbeitgeber noch täte.

Gerade junge Rettungsdienstmitarbeiter sollten sich über ausreichenden Verischerungsschutz informieren. Symbolfoto: Markus Brändli

Auch junge Rettungsdienstmitarbeiter sollten sich über ausreichenden Versicherungsschutz informieren. Symbolfoto: Markus Brändli

Dieser Regressanspruch steht den Versicherungen sicher bei grober Fahrlässigkeit und Vorsatz zu. Bei einigen Rettungsdienst-Anbietern sogar bereits ab mittlerer Fahrlässigkeit, je nachdem, welcher Tarif- oder Arbeitsvertrag Anwendung findet. Das ist gerade bei Betriebsübergängen nach Ausschreibungen ein Problem. Welcher Rettungsdienst-Mitarbeiter prüft schon, ob sich in diesem Punkt beim neuen Arbeitgeber sein persönliches Haftungsrisiko verändert?

Wer jetzt an seine Privathaftpflichtversicherung denkt und glaubt, damit fein raus zu sein, der irrt. Die Privathaftpflichtversicherung sichert den privaten Versicherungsnehmer und dessen Familie vor Forderungen Dritter bei privaten Angelegenheiten. Also beispielsweise, wenn beim Fußballspielen Nachbars Fensterscheibe zu Bruch geht.

Zahlt die Privathaftpflicht auch für Rettungsfachkräfte?

Vor beruflichen Fehlern und der Inanspruchnahme durch den Arbeitgeber – oder dessen Versicherung – schützt die Privathaftpflicht nicht. Hier greift nur eine Berufshaftpflicht- oder Diensthaftpflichtversicherung. Sie ist für Berufe sinnvoll, die ein erhöhtes Risiko besitzen, also Ärzte und Anwälte, aber auch Feuerwehrmänner und Rettungsdienst-Mitarbeiter.

Aber selbst bei diesen Versicherungen gilt es, im Kleingedruckten genau nachzulesen. Wurde hier der Fall der groben Fahrlässigkeit ausgenommen, werden hohe Versicherungsbeiträge gezahlt, ohne für den Fall abgesichert zu sein, der relevant wird: den der groben Fahrlässigkeit.

Hier hat sich in den letzten Jahren viel getan. Diensthaftpflichtversicherungen schließen oftmals zu günstigen Konditionen den Rettungsdienst-Mitarbeiter ein. Außerhalb des öffentlichen Dienstes sind allerdings in der Regel nur Berufshaftpflichtversicherungen im Angebot, die für einen Notfallsanitäter, Rettungsassistenten oder -sanitäter kaum bezahlbar sein dürften. Die einschlägigen Berufsverbände und Gewerkschaften haben sich deshalb bemüht, für ihre Mitglieder entsprechende Versicherungspakete zusammenzustellen.

(Text: Bernd Spengler, Rettungssanitäter, Rechtsanwalt u.a. mit Schwerpunkt Rettungsdienst, Fachanwalt für Arbeitsrecht; Foto: Sebastian Duda/fotolia; zuletzt aktualisiert: 26.05.2017)

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Rettungsdienst sollte an Sepsis-Verdacht denken

26.05.2017

Sepsis RettungsdienstBremen (rd_de) – Dr. Ulf Harding und seine Kollegen aus dem Klinikum Wolfsburg weisen darauf hin, dass bereits der Rettungsdienst bei Notfallpatienten die Möglichkeit einer Sepsis ins Auge fassen sollte. Je früher das Krankheitsbild in Erwägung gezogen würde, desto größer seien die Heilungschancen, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Journals für Anästhesie und Intensivbehandlung.

Die Behandlungsergebnisse der Sepsis seien seit Jahren schlecht. Die Mediziner räumen ein, dass dies auch an der schwierigen Diagnose einer Sepsis liege. „So ist nicht immer ein Infektionsherd auszumachen; auch können die Symptome unspezifisch sein“, schreibt Dr. Ulf Harding.

 

Wie Patienten mit einer Sepsis zu behandeln sind, was es mit dem „Sepsis-Kit“ auf sich hat und welche Ziele die Surviving Sepsis Campaign verfolgt, können Sie unserem eDossier Sepsis: Symptome einer Blutvergiftung entnehmen.

 

Fieber könne ein wichtiger Hinweis auf ein Infektgeschehen sein, könne aber gerade bei älteren Patienten trotz einer Sepsis fehlen. Hinzu käme, dass die Temperaturmessung im Rettungsdienst immer noch zu häufig unterlassen würde oder aus technischen Gründen misslänge.

Die wichtigsten Hinweise auf eine mögliche Sepsis sind:

•    Verdacht auf Infektion
•    Fieber oder Hypothermie
•    Änderung des Bewusstseinszustandes
•    Tachypnoe
•    Hypotension
•    Exsikkose
•    Anurie
•    unspezifische Beschwerden
•    besorgte Angehörige

Besteht der Verdacht auf eine Infektion, sollte vom Rettungsdienst der qSOFA-Score angewandt werden. Dieser Wert lässt sich einfach, schnell und ohne Labordiagnostik erheben:

•    Atemfrequenz > 22/min
•    verändertes Bewusstsein
•    systolischer Blutdruck < 100 mmHg

Parallel ist zu prüfen, ob sich eine Organdysfunktion anbahnt.

„Patienten mit Sepsis-Verdacht sollten entsprechend im Zielkrankenhaus angemeldet werden. Dadurch kann der Patient ohne Zeitverlust in die klinische Diagnostik und Behandlung übernommen werden“, erläutert Dr. Harding. „Dem Rettungsdienst kommt bei bekanntem Infektionsherd mit der Auswahl einer geeigneten Klinik eine weitere Bedeutung zu. Neben einer frühen Antibiose ist die Sanierung des Infektionsfokus Ziel der Sepsistherapie. Bei der Auswahl der geeigneten Klinik sollte dies mit berücksichtigt werden.“

(26.05.2017; Symbolfoto: Techniker Krankenkasse)

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Putz fiel während Gottesdienst auf Kirchenbesucher

26.05.2017

Rettenberg (pol) – Im Landkreis Ostallgäu wurden am Donnerstag (25.05.2017) während eines Gottesdienstes mehrere Besucher einer Kirche von herabfallendem Verputz verletzt.

Wie die Polizei mitteilte, fiel gegen 10.30 Uhr in der Kirche St. Blasius in Vorderburg während einer Hl. Messe ein etwa 3 bis 5 Quadratmeter großes Stück Putz auf die darunter sitzenden Personen. Der Putz hatte sich in rund zehn Meter Höhe gelöst.

In der vollbesetzten Kirche hielten sich zum Unfallzeitpunkt zirka 430 Personen auf. Fünf Menschen im Alter zwischen 60 und 85 Jahren wurden leicht bis mittelschwer verletzt. Laut Medienberichten zogen sich die Betroffenen Platzwunden und Abschürfungen sowie in einem Fall eine Fingerfraktur zu.

Der Rettungsdienst war mit einem Rettungshubschrauber und mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort. Vier Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht und stationär aufgenommen. Ein Patient konnte nach ambulanter Behandlung vor Ort entlassen werden.

(26.05.2017; Symbolfoto: Markus Brändli)

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DGU Fortbildung: Medizinische Versorgung im Terrorfall

24.05.2017

Frankfurt (DGU) – Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU) hat Mitte Mai 2017 ein neues Kursformat zur Behandlung von Schuss- und Explosionsverletzungen nach einem Terroranschlag gestartet.

Der neue Kurs mit dem Titel „Terror and Disaster Surgical Care“ (TDSC®) richtet sich an erfahrene Unfallchirurgen und Chirurgen an deutschen Kliniken, die mit der medizinischen Herausforderung bei Terrorlagen in Zukunft konfrontiert werden könnten.

„Unfallchirurgen müssen im Katastrophenfall andere Prioritäten als in der Regelversorgung setzen. Der Kurs übt das Umdenken in der Terrorlage“, sagte DGU-Präsident Professor Dr. Ingo Marzi.

Der zweieinhalbtägige Kurs vermittelt unter anderem Kenntnisse über den Einsatz auf gefährlichem Terrain, wesentliche Aspekte der Wundballistik, Besonderheiten zur Versorgung der speziellen Verletzungsmuster, wichtige Entscheidungsalgorithmen und Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und -regulierung (Damage Control).

Im Zentrum des Kurses steht eine Simulationsübung in Form eines Spiels. In verschiedenen Fallsimulationen werden die Teilnehmer mit einem Massenanfall von Verletzten infolge eines Terroranschlages (TerrorMANV) konfrontiert.

Unter möglichst realitätsnahen Bedingungen trainieren die Teilnehmer ihre Entscheidungskompetenz in einer Terrorlage: Welcher Patient bekommt in welcher Reihenfolge welche Operation mit welchem Material.

In dem Kurs thematisieren die Schulungsleiter zudem organisatorische Inhalte, wie beispielsweise den Krankenhaus-Alarmplan im Terrorfall.

Die Kursinhalte wurden von der DGU-AG Einsatz-, Katastrophen- und Taktische Chirurgie (AG EKTC) entwickelt. Die Experten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr haben die beiden AGs dabei unterstützt.

(24.05.2017; Symbolfoto: Niko Endres/Fotolia)

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Traumatologie: Amputationsverletzungen versorgen

24.05.2017

10/39 Replantatbeutel Replantatset Amputat AmputatversorgungBremen (rd_de) – Die Voraussetzungen für eine Replantation können bereits bei der Erstversorgung der Amputationsverletzung wesentlich beeinflusst werden. Entscheidend für das Ergebnis ist die korrekte Behandlung von Amputaten und Amputationsstümpfen am Einsatzort und während des Transportes.

Trotz Aufklärungskampagnen und guter Schulung des Rettungsfachpersonals gelangen immer wieder falsch behandelte Amputate in die Klinik. Eine Replantation kann dann trotz ansonsten möglicherweise günstiger Voraussetzungen nicht mehr vorgenommen werden.

Im Vordergrund der medizinischen Versorgung am Unfallort stehen Sicherung und Verbesserung der vitalen Funktionen des Verletzten. Das heißt: Kontrolle von Atmung und Kreislauf sowie Schockbekämpfung bei größerem Blutverlust. Über einen, besser zwei großlumige venöse Zugänge können 500 bis 1000 ml Ringer-Laktat-Lösung infundiert, über eine Maske bedarfsweise Sauerstoff verabreicht werden.

Bei den weitaus meisten Amputationsverletzungen handelt es sich jedoch um isolierte Wunden im Handbereich. Daher ist der Allgemeinzustand des Verletzten in der Regel gut. Indiziert ist bereits am Unfallort dennoch eine suffiziente Analgesie. Beispielsweise kann 0,125 – 0,25 mg/kg Körpergewicht Ketanest S eingesetzt werden, kombiniert mit einer adäquaten Sedierung, beispielsweise 2,5 – 5 mg Midazolam.

Den Amputationsstumpf versorgen

Der Amputationsstumpf wird trocken und sauber verbunden. Sämtliche Manipulationen, wie das Setzen von Klemmen oder Unterbindungen, Säuberungsmaßnahmen oder Desinfektion sind zu unterlassen. Auch bei stärkeren Blutungen reicht in den allermeisten Fällen eine Kompression des Stumpfes mittels sterilem Druckverband und Hochlagerung der Extremität aus.

Der Versuch, die Blutung durch Abbinden der Extremität zu stoppen, sollte unterbleiben. Auch die Verwendung einer Blutsperre für den Transport, beispielsweise durch Anlegen der Blutdruckmanschette und aufpumpen derselben, bis es aus dem Amputationsstumpf nicht mehr blutet, macht eine für die Operation notwendige Blutleere entweder unmöglich oder gefährdet die Extremität.

Die Versorgung des Amputats

Auch das Amputat muss unbehandelt bleiben. Alle aufgefundenen Teile müssen ins Replantationszentrum mitgegeben werden. Primär nutzlos erscheinende Teile können eventuell als Spender für Haut, Knochen, Sehnen, Nerven, Gefäßinterponate oder zur Überbrückung von Defekten verwendet werden.

Das Amputat wird in ein sauberes, trockenes, möglichst steriles Tuch eingewickelt. Amputat und Tuch werden gemeinsam in einen ersten Plastikbeutel gegeben. Dieser wird verschlossen und in einen zweiten Beutel gegeben, in dem sich Wasser und Eis befinden. Die ideale Transporttemperatur liegt bei vier Grad Celsius. Besser sind spezielle Amputat-Beutel. Auf keinen Fall darf das Amputat direkten Kontakt zu Wasser und/oder Eis haben. Dies würde durch Quellung der Strukturen oder Erfrierungen zu irreversiblen Gewebeschäden führen und eine Replantation unmöglich machen.

Anoxämie-Zeit
Ein besonders wichtiger Faktor im Zusammenhang mit Amputationsverletzungen ist die Anoxämie-Zeit. Diese beschreibt die Zeitspanne zwischen der vollständigen Unterbrechung der Blutzufuhr und der Wiederherstellung der ersten funktionstüchtigen arteriellen Gefäßverbindung. Während dieser Phase findet keine Durchblutung des abgetrennten Körperteils statt. Die Dauer der Anoxämie-Zeit beeinflusst sowohl die primäre Wiedereinheilung des Amputates als auch die später wiedergewonnene Funktionstüchtigkeit der replantierten Gliedmaße.

Durch optimale präoperative Kühlung kann die tolerable Anoxämie-Zeit – also die maximale Zeitspanne zwischen Amputation und Wiederherstellung der Blutzirkulation – erheblich verlängert werden. Für Makroreplantationen wird eine maximal tolerierte Anoxämie-Zeit von sechs Stunden angenommen. Für Mikroreplantationen liegt sie bei zirka 15 Stunden. Ohne Kühlung beträgt die tolerierte Anoxämie-Zeit jedoch drei Stunden (Makroreplantationen) bzw. sechs Stunden (Mikroreplantationen).

Bei inkompletten Amputationen ist eine präoperative Kühlung zu vermeiden. Dadurch würde eine möglicherweise noch bestehende Restdurchblutung eingeschränkt oder ganz aufgehoben. In diesen Fällen sollte lediglich ein steriler Verband angelegt werden. Eine Ruhigstellung durch Schienung ist sinnvoll. So wird verhindert, dass das Gewebestück versehentlich abknickt.

Makro- und Mikroreplantationen

Unterschieden werden muss bei der Replantation vor allem zwischen Makro- und Mikroreplantationen sowie zwischen oberer und unterer Extremität. Die Begriffe „mikro“ bzw. „makro“ beziehen sich hierbei nicht so sehr auf Gefäß- oder Nervendurchmesser. Vielmehr ist die Gesamtmasse des Amputates gemeint. Insbesondere ist die im Amputat enthaltene Muskelmasse entscheidend, die am empfindlichsten auf Anoxie reagiert.

 

Zu den Mikroreplantationen werden alle Replantationen im Hand- und Fußbereich bis unmittelbar proximal des Hand- bzw. Sprunggelenks gemeint. Hierbei muss wegen fehlender oder nur kleiner Muskelmasse durch einen eventuell Ischämie-Reperfusions-Schaden nicht mit der Möglichkeit vitaler Komplikationen gerechnet werden.

 

Bei den proximalen – auch „Makroreplantationen“ genannten – Formen können jedoch durch die entsprechend großen Muskelmassen Ischämie-Reperfusions-Schäden auftreten. Sie können für den Patienten lebensbedrohliche Ausmaße annehmen. Außerdem sind Verletzungsmechanismen, die zu proximalen Amputationen führen, durch große Gewalteinwirkungen charakterisiert.

(Text: Dr. Ingo Blank, Chirurg und Notarzt/LNA, Dozent, Symbolfoto: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 24.05.2017)

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Langwedel: Sechs Verletzte nach Gasexplosion

24.05.2017

Langwedel (ots) – Sechs Personen sind am Dienstag (23.05.2017) nach der Explosion eines Gastanks in Langwedel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) verletzt worden.

Dort war gegen 20 Uhr ein Großfeuer in einer Kfz-Werkstatt ausgebrochen. Durch die starke Hitze war ein angrenzender 3.000-Liter-Flüssiggastank explodiert. Dabei wurden sechs Personen leicht verletzt.

Die Leitstelle alarmierte ein Großaufgebot an Kräften von Rettungsdienst, Feuerwehr und THW. Auch ein Rettungshubschrauber war vor Ort, brauchte laut THW aber nicht eingesetzt werden.

Der Rettungsdienst übernahm die Erstversorgung. Drei Gebäude wurden durch die Explosion zerstört. Die Feuerwehr musste mehrere Brände löschen. Das THW unterstützte die Einsatzkräfte dabei, mehrere Gasflaschen zu bergen. Mehr als 100 Rettungskräfte waren im Einsatz.

(24.05.2017; Foto: THW Ortsverband Preetz)

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Kreis Borken: Rettungseinsätze in den Niederlanden

23.05.2017

Isselburg (rd_de) – Der Rettungsdienst des Kreises Borken kooperiert seit Anfang Mai 2017 mit dem niederländischen Rettungsdienst Witte Kruis. Die Zusammenarbeit der beiden Rettungsdienste war 2011 zum Erliegen gekommen.

Die Kooperation sieht vor, dass die niederländische Rettungsleitstelle bei Notfällen in Dinxperlo und Oos-Achterhoek einen deutschen Rettungswagen anfordern. Dazu nimmt sie Kontakt zur deutschen Leitstelle auf.

Grenzüberschreitender_Rettungsdienst_Kreis_Borken

„Das ist für uns eine selbstverständliche Nachbarschaftshilfe!“, begrüßt Borkens Landrat Dr. Kai Zwicker die Kooperation. Ziel sein es, die Anfahrtszeiten in dem überwiegend ländlichen Gebiet zu verbessern.

Um die deutschen Notfallsanitäter auf den grenzüberschreitenden Einsatz vorzubereiten, hatte die Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie Bocholt im Vorfeld eine entsprechende Schulung entwickelt. Außerdem wurden die deutschen Rettungswagen mit niederländischer Kommunikationstechnik ausgestattet.

Träger des Rettungsdienstes auf deutscher Seite ist der Kreis Borken. In seinem Auftrag betreibt das Deutsche Rote Kreuz die Rettungswache in Isselburg.

(23.05.2017; Foto: Kreis Borken)

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Implantierter Defibrillator: Gefahr für Ersthelfer?

23.05.2017

ICD, Defibrillator, HerzschrittmacherBremen (rd_de) – Geht von einem implantierten Defibrillator für Ersthelfer eine Gefahr aus? Nicht nur Laien fragen sich, ob sie während der Ersten Hilfe durch den ICD eines Patienten unfreiwillig selbst einen Stromstoß erhalten können.

In den ERC-Leitlinien 2015 wird im Kapitel zu den erweiterten lebensrettenden Maßnahmen darauf aufmerksam gemacht, dass die Schockabgabe eines ICD während der kardiopulmonalen Reanimation zu Kontraktionen der Brustmuskulatur führen kann. Zum Teil erhielten offenbar auch schon Helfer durch den ICD eines Patienten Elektroschocks. Das European Resuscitation Council (ERC) geht allerdings davon aus, dass ein Schaden für Helfer aufgrund der niedrigen Energiestufen eher unwahrscheinlich ist.

Dies bestätigen auch die ICD-Hersteller. Sie weisen in den Patienteninformationen darauf hin, dass Menschen mit einem ICD bei der Schockauslösung berührt werden können, ohne dass sich ein Helfer dadurch in Gefahr bringt. Gleiches gilt dementsprechend auch für die Notfallversorgung dieser Patienten durch den Rettungsdienst.  

Die Leitlinien beziehen sich in diesem Punkt auf einen Artikel aus Großbritannien, der 2009 in der Zeitschrift „Resuscitation“ publiziert wurde. In ihm werden mehrere Fallberichte zitiert, unter anderem ein Fall aus Deutschland, der sich 1995 ereignete.

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(Text: Thomas Semmel, Notfallsanitäter, Dozent im Rettungsdienst, ERC ALS Instruktor; Symbolfoto: Markus Brändli; 23.05.2017)

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Fallschirmspringer schwer verletzt

23.05.2017

Neustadt-Glewe (ots) – Auf dem Flugplatz Neustadt-Glewe (Mecklenburg-Vorpommern) hat sich am frühen Samstagabend (20.05.2017) ein Fallschirmspringer schwer verletzt.

Der 34-Jährige war gemeinsam mit neun weiteren Springern aus etwa 4.000 Meter Höhe abgesprungen. In Bodennähe bekam der 34-Jährige dann plötzlich laut Polizei mit seinem bereits entfalteten Fallschirm Probleme. Zeugenaussagen zufolge soll der Schirm in einer Höhe von rund 100 Metern teilweise in sich zusammengefallen sein.

Der Fallschirmspringer geriet daraufhin ins Trudeln; der Springer prallte harte auf den Boden. Der Mann war nach dem Unfall ansprechbar, zog sich aber offenbar schwere innere Verletzungen zu. Der Rettungsdienst übernahm seine Erstversorgung und brachte ihn anschließend in eine Klinik.

Nach bisherigen Erkenntnissen soll sich eine von acht Verbindungsschlaufen zwischen dem Schirm und den Haltegurten plötzlich gelöst haben, wodurch der Fallschirm instabil wurde.

(23.05.2017; Symbolfoto: Ellen26/pixabay.com)

 

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8 Tipps, damit Retter gesund bleiben

22.05.2017

Gesundheitsfoerderung im RettungsdienstBremen (rd_de) – Prävention und Gesundheitsförderung werden immer noch von vielen Rettungsdienst-Mitarbeitern vernachlässigt. Wir geben acht einfach umzusetzende Tipps, wie sich persönliche Fitness und Wohlbefinden auch im Rettungsdienst-Alltag erzielen lassen.

Selbstlos, Nichtraucher und durchtrainiert – so sieht er aus – der klassische „Retter“ im Film und Fernsehen. Egal ob Polizist, Feuerwehrmann oder Paramedic: In diversen TV-Serien aus dem US-amerikanischen Raum werden Einsatzkräfte gerne als Athleten dargestellt, die auch körperlich herausforderndste Situation meistern.

Wer in der präklinischen Notfallrettung tätig ist, dem wird jedoch bewusst sein, dass körperliche Grenzerfahrungen keine Seltenheit im Einsatzgeschehen sind. Zeit zum Zubereiten gesunder Mahlzeiten oder für das Ausüben von Dienstsport während des Schichtbetriebs ist für viele Kollegen eine reine Utopie. Negative gesundheitliche Folgen bleiben da nicht aus. So weisen Einsatzkräfte unter anderem ein deutlich erhöhtes Risiko für Übergewicht und kardiovaskuläre Erkrankungen auf.

Rettungsdienst-Mitarbeiter verbringen einen Großteil ihres Arbeitstages im Sitzen. Sei es beim Warten auf der Wache oder im RTW auf dem Weg zum Einsatz. Wird das Team zu einem Einsatz alarmiert, erfolgt nach der Anfahrt häufig eine Versorgung des Patienten in körperlich beanspruchenden Positionen, beispielsweise im Knien oder in gebückter Haltung. Der anschließende Transport des Patienten und der Ausrüstung durch ein enges Treppenhaus stellt eine weitere Belastung dar.

Rettungsdienst

Rettungsdienst-Mitarbeiter sind im Einsatz hohen physischen Belastungen ausgesetzt. Foto: AOK Mediendienst

Bereits hier zeigt sich, welchem Mix aus den Risikofaktoren Bewegungsmangel und hohen physischen Belastungen die Rettungsfachkräfte ausgesetzt sind. Unregelmäßige Mahlzeiten, der Griff in die Chips-Tüte als Zeitvertreib, Schlafunterbrechungen und die Konfrontation mit psychisch belastenden Situationen sind weitere Aspekte, die der Gesundheit zu schaffen machen. Es stellt sich die Frage: Wie kann man diesen Problemen begegnen?

Auch wenn einige der genannten Risikofaktoren – wie das Heben schwerer Lasten – an sich nicht beseitigt werden können, so lässt sich dennoch der Umgang mit diesen Faktoren positiv gestalten.

Die folgenden acht Tipps zum gesundheitsförderlichen Arbeiten im Rettungsdienst verfolgen zwei Ziele: 1. Zum einen sollen Ressourcen, mit denen die eigene Gesundheit gefördert werden kann, geschaffen und ausgebaut werden. Stichwort: Gesundheitsförderung. Dies ist beispielsweise dann gegeben, wenn die eigene physische Fitness durch regelmäßiges Sporttreiben verbessert wird. 2. Zum anderen sollen gesundheitlichen Risiken, die typischerweise im Rettungsdienst bestehen, vorgebeugt bzw. reduziert werden. Stichwort: Prävention. So kann beispielsweise starken körperlichen Belastungen vorgebeugt werden, indem zu tragende Lasten auf mehrere Personen verteilt werden.

In den folgenden Hinweisen werden Ansätze der Gesundheitsförderung mit Maßnahmen der Prävention kombiniert.

1. Warm-up zu Dienstbeginn

Dass vor sportlicher Aktivität der Körper aufgewärmt werden muss, ist allgemein bekannt. Verschiedene Tätigkeiten im Einsatzgeschehen sind nicht weniger körperlich anstrengend als Sporttreiben. Man denke nur an Thoraxkompressionen oder das Tragen von Patienten. Daher empfiehlt es sich, zu Dienstbeginn den eigenen Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Kreisende Armbewegungen, Kniebeugen und das leichte Dehnen der großen Muskeln kann hierzu als „Ritual“ ergänzt werden. Quasi als Ergänzung zum täglichen Fahrzeugcheck. Durch das Aufwärmen sollen bei der anschließenden Beanspruchung Verletzungen vorgebeugt und die Leistungsfähigkeit gesteigert werden.

2. Bewegungspausen

Um Bewegungsmangel vorzubeugen und einen gesundheitsförderlichen Anteil an körperlicher Aktivität zu erreichen, sollte sich jeder Rettungsdienst-Mitarbeiter täglich für mindestens 30 Minuten moderat bewegen. Mit moderat ist gemeint, dass man bei der Bewegungsausführung leicht ins Schwitzen gerät und das Atemzugvolumen zunimmt.

Zwischen den Einsätzen können Bewegungspausen etwa durch Tischtennis- oder Federballspielen eingeschoben werden. Die Anschaffung der nötigen Geräte ist meist leicht und kostengünstig zu organisieren. Alternativ kann auch der gemeinsame Spaziergang um das Wachgebäude das tägliche Bewegungspensum sicherstellen – wenn dies das Einsatzaufkommen zulässt.

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Joggen ist eine der beliebtesten Ausdauersportarten. Foto: AOK Mediendienst

3. Präventives Sporttreiben

Selbst ein etabliertes Gesundheitsmanagement wird einige gesundheitliche Risikofaktoren im Rettungsdienst nicht ausschalten können. So bleibt die körperliche Belastung durch das Tragen von Ausrüstung und Patienten unvermeidbar. Doch auch wenn die Last gleich bleibt, kann die körperliche Beanspruchung beeinflusst werden. Kräftigungsübungen für die Bein-, Rumpf- und Armmuskulatur können so beispielsweise dazu beitragen, dass Lasten einfacher gehoben werden können.

Neben dem Training im Fitnessstudio bieten Sportarten wie Volleyball, Schwimmen oder Judo einen förderlichen Effekt auf jene Muskulatur, die im rettungsdienstlichen Einsatzgeschehen besonders beansprucht wird.

Spezielle Rückenschul-Kurse bieten eine zusätzliche Möglichkeit, sich präventiv auf körperlich belastende Situationen vorzubereiten. Generell wird empfohlen einen wöchentlichen Trainingsaufwand von drei Ausdauertrainingseinheiten (20 – 60 Minuten) sowie zwei Kräftigungs- und Beweglichkeitstrainingseinheiten anzustreben.

4. Arbeitshilfen nutzen

Schnell mal eben den Patienten zu zweit umlagern – was häufig nur wenige Sekunden in Anspruch nimmt, kann in der Summe eine gravierende Belastung für Wirbelsäule und Gelenke von Rettungsdienst-Mitarbeitern darstellen. Es empfiehlt sich daher, vorhandene Hilfsutensilien zu nutzen.

Rollbretter ermöglichen beispielsweise ein weitgehend rückenschonendes Umlagern von Patienten im Krankenhaus. Die Indikation für Tragehilfe durch ein anderes Rettungsmittel sollte großzügig und frühzeitig gestellt werden.

An dieser Stelle sei neben dem Gesundheits- auch auf den Arbeitsschutz hingewiesen: Überschreitet das Gewicht des Patienten bei dessen Bergung mittels Tragetuch das Kraftvermögen der Rettungsdienst-Mitarbeiter, sind Stürze beim Tragen nicht unwahrscheinlich. Hierbei kann das Patientengewicht beim Anheben (Maximalkrafteinsatz) für das anschließende Tragen (Kraftausdauereinsatz) unterschätzt werden.

Das Transportieren von Notfallequipment sollte auf die zur Verfügung stehenden Personen aufgeteilt werden. Hierbei ist auf eine ausgeglichene Lastenverteilung zu achten. Beispielsweise sollten zwei ähnlich schwere Gerätschaften mit je einer Hand getragen werden.

5. Diensttaugliche Mahlzeiten

Um auch bei Diensten mit einer Dauer von bis zu 24 Stunden allzeit leistungsfähig zu sein, muss dem Körper in regelmäßigen Abständen Nahrung zugeführt werden. Dies steht im krassen Gegensatz zu der weit verbreiteten Praxis auf deutschen Rettungswachen. Da gibt es ein Frühstück zu Dienstbeginn und eine üppige Mahlzeit in den Abendstunden, die den angesammelten Hunger beseitigen und bis zum Dienstende fernhalten soll.

Fast Food. Pommes Frites mit Mayonnaise und Ketchup und Currywurst.

Klassiker im Einsatzalltag: Currywurst mit Pommes Frites. Foto: AOK Mediendienst

Bei der Auswahl der Mahlzeiten sollten die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung beachtet werden. So sollten die Mahlzeiten eine vollwertige, ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ermöglichen. Zugleich ist darauf zu achten, dass die Nahrungszunahme stets von Einsätzen unterbrochen werden könnte. Mahlzeiten, die sowohl kalt als auch warm eingenommen werden können, empfehlen sich daher besonders. Schwerverdauliche Nahrungsmittel und große Mengen sollten im Schichtdienst eher gemieden werden.

Es empfiehlt sich, die Nahrungsaufnahme auf mehrere kleine Mahlzeiten zu verteilen. Um den Blutzuckerspiegel stets auf einem leistungsfähigen Niveau zu halten, kann die Vorgabe, fünf Mal täglich Obst und Gemüse einzunehmen, eine sinnvolle Option darstellen. So können kleine Snacks aus Bananen, Äpfeln oder Gemüsestreifen dem Körper in regelmäßigen Abständen neue Energie liefern.

Wird der Lieferservice dem eigenen Zubereiten der Mahlzeiten vorgezogen, lassen sich auch dort meist gesunde Gerichte wie Putenbrustsalat oder gemüsehaltige Wraps finden. Die Faktoren „guter Geschmack“ und „gesund“ können hier leicht kombiniert werden.

6. Handlungssicherheit herstellen

Die Konfrontation mit Leid und Tod gehört für Rettungsdienst-Mitarbeiter zum Arbeitsalltag. Um die psychische Belastung möglichst gering zu halten, sollte für die eigene Tätigkeit ein maximales Maß an Handlungssicherheit hergestellt werden. Jede Rettungsfachkraft wird sich nach dem Einsatz schon gefragt haben, ob man wirklich alles getan hat, was möglich war, um den Patienten bestmöglich zu versorgen. Lautet die Antwort „Ja!“, beugt das Selbstzweifeln und Stress vor.

Algorithmen, Handgriffe und der Umgang mit Geräten sowie Technik sollten auch aus diesem Grund sicher beherrscht werden. Die Wahl der zu besuchenden Fortbildungsveranstaltungen orientiert sich daher am besten an den Fragen: „Wo habe ich Wissenslücken?“ und „Wo fühle ich mich unsicher?“

Wer sich beispielsweise im Umgang mit Medikamenten nicht vollständig sicher fühlt, sollte bei der Planung seiner Fortbildungen die Thematik Pharmakologie auf die erste Priorität stellen. Das ist sinnvoller, anstatt seine Zeit für ein Thema zu verwenden, in dem man sich fit fühlt. Was anfänglich mühsam erscheint, wird sich in einer höheren Handlungssicherheit im Einsatz und damit verbunden mit weniger Stress auszahlen.

7. Die Woche planen

Dienste in unregelmäßigen Abständen machen einen regelmäßigen Arbeitsrhythmus undenkbar. Damit die Vereinbarkeit von Freizeit bzw. Familie und Beruf, regelmäßiges Sporttreiben und Zeit zum Entspannen nicht zu kurz kommen, empfiehlt es sich, jede Arbeitswoche grob vorzuplanen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass die Tage nach 24-Stunden- oder Nachtdiensten zur Regeneration genutzt werden können. Fixe Termine wie Zahnarztbesuche sollten mit ausreichend Abstand zu den Dienstenden terminiert werden, um einen Puffer für Schlaf und Erholung zu gewährleisten.

Da sich nach einem anstrengenden Dienst gerne der altbekannte „Schweinehund“ bemerkbar macht, sollten im Wochenplan geplante Termine zum Sporttreiben niedergeschrieben und auch eingehalten werden.

8. Nachhaltigkeit schaffen

Es besteht die Gefahr, dass die genannten Tipps zur Gesundheitsförderung nur ein kurzes „Aufflammen“ bewirken. Damit sie nachhaltig Teil des täglichen Arbeitslebens werden, sollten im Rettungsdienst-Unternehmen die hierfür notwendigen Strukturen geschaffen werden.

Betriebliches Gesundheitsmanagement verbindet sämtliche Einzelmaßnahmen zur Förderung der Gesundheit. Es kann als Teil der Unternehmenskultur wesentlich dazu beitragen, dass Krankheitstage reduziert werden. Die Mitarbeiter im Rettungsdienst können auf gesunde Weise ihrer wichtigen Arbeit nachgehen.

Jedoch sind diese Aspekte nur ein Teil des Gewinns. Unternehmen, die sich um die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter kümmern, sind nachgewiesen erfolgreicher. Am ehesten ist dies an der steigenden Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter abzulesen. Das hat am Ende wiederum maßgeblichen Einfluss auf die Patientenzufriedenheit.

Aus diesen Gründen ist es auch aus ökonomischer Sicht nicht nachzuvollziehen, warum im Rettungsdienst nur wenige Unternehmen mit gutem Beispiel vorangehen. Insofern kann nur jedem Rettungsdienstbetreiber empfohlen werden, sich eingehend und professionell mit dem Thema Mitarbeitergesundheit zu beschäftigen. Hier liegt noch viel ungenutztes Potenzial – für Mitarbeiter und Arbeitgeber!

(Text: Johannes Schillings, Sport- und Gesundheitswissenschaftler, Rettungsassistent, sowie Christian Jager, Medizin- und Gesundheitsökonom, Rettungsassistent; Symbolfotos: AOK Mediendienst; zuletzt aktualisiert: 22.05.2017)

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