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Intraossärer Zugang: Die EZ IO im Rettungseinsatz

17.10.2017

Intraossaerer_ZugangBremen (rd_de) – Ein intraossärer Zugang (i.o.) war lange Zeit eine Maßnahme, die in Deutschland nur bei pädiatrischen Notfällen zur Anwendung kam. Mehr als 400 wissenschaftliche Arbeiten haben sich in den letzten Jahrzehnten mit dem i.o.-Zugang beschäftigt. Erst die ERC-Guidelines von 2005 führten dazu, dass sich Notfallmediziner hierzulande stärker für diesen alternativen Zugangsweg zu interessieren begannen. Teilweise dürfen mittlerweile auch Rettungsassistenten den i.o.-Zugang nutzen. Am Beispiel der EZ IO erklären wir die korrekte Handhabung.

Und so wird’s gemacht:

Intraossärer Zugang, hier die EZ IO von Fa. Vidacare.

Intraossärer Zugang, hier die EZ IO von Teleflex.

 

Ertasten der Punktionsstelle an der proximalen Tibia.

Ertasten der Punktionsstelle an der proximalen Tibia.

 

Die Haut wird nach der Desinfektion an der Punktionsstelle durchstochen, bis der Widerstand des Knochens gespürt wird.

Die Haut wird nach der Desinfektion an der Punktionsstelle durchstochen, bis der Widerstand des Knochens gespürt wird.

 

Die EZ IO wird senkrecht nach oben entfernt und zur Seite gelegt.

Die EZ IO wird senkrecht nach oben entfernt und zur Seite gelegt.

 

Der Trokar wird mit 2 - 3 Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn aus der i.o.-Nadel gezogen.

Der Trokar wird mit 2 – 3 Umdrehungen gegen den Uhrzeigersinn aus der i.o.-Nadel gezogen.

 

Aufspülen des Intraossärraums mit 10 ml Kochsalzlösung.

Aufspülen des Intraossärraums mit 5 – 10 ml Kochsalzlösung.

 

Intraossärer Zugang: 10 Tipps für die Praxis

  1. Alle kritisch kranken oder verletzten Patienten, die innerhalb kürzester Zeit Flüssigkeiten und/oder Medikamente benötigen und bei denen das Legen eines peripher-venösen Zugangs sehr zeitaufwendig ist bzw. nicht gelingt, benötigen einen i.o.-Zugang.
  2. Die benötigte Zeit bis zum Erreichen notwendiger Plasmakonzentrationen ist vergleichbar mit einer Medikamentengabe über einen zentralvenösen Katheter. In dieser Hinsicht ist ein intraossärer Zugang dem peripher-venösen Zugang also deutlich überlegen.
  3. Insbesondere im Hinblick auf den i.o.-Zugang wird die Epiphysenfuge häufig als besondere Gefahrenstelle hervorgehoben. Auch wenn nicht bekannt ist, dass es nach einer versehentlichen Punktion dieser Fuge zu Wachstumsstörungen oder Knochendeformierungen gekommen ist, sollte dieser Bereich zur Punktion gemieden werden.
  4. Dislokationen und eine nachfolgende Extravasation können vermieden werden, wenn die Intraossär-Nadel nach der Platzierung umgehend manuell fixiert und direkte Manipulationen an der Nadel unterlassen werden.
  5. Schmerzen entstehen beim i.o.-Zugang kaum. Auf einer Skala von 0 bis 10 wird der Punktionsschmerz bei Patienten (GCS ≥ 13) mit 3,3 bzw. 3,4 angegeben.
  6. Ein intraossärer Zugang darf nicht verwendet werden, wenn der für die Punktion vorgesehene Knochen frakturiert ist. Insbesondere dann, wenn die Fraktur proximal des geplanten Punktionsortes liegt.
  7. Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielweise nach Punktion des proximalen Humerus höhere Infusionsraten, eine schnellere Wirksamkeit von Medikamenten und geringere Schmerzen bei der Applikation der Flüssigkeiten oder Medikamente erzielt werden konnten.
  8. Unabhängig, für welchen Punktionsort man sich entscheidet, direkt nach dem Aufsuchen muss der Punktionsort ausreichend desinfiziert werden. Es ist darauf zu achten, dass die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels eingehalten wird.
  9. Zuerst durch die Haut stechen, bis der Widerstand des Knochens spürbar ist. Erst jetzt wird bei der EZ IO der Bohrerschalter bedient und die Nadel in den Knochen gedreht. Hierbei ist es wichtig, dass ohne Kraftaufwand gebohrt wird. Die EZ IO allein verrichtet die Arbeit.
  10. Während der Infusionstherapie sollte die Punktionsstelle immer wieder kontrolliert werden. So lassen sich Probleme frühzeitig erkennen und rechtzeitig beheben.

Bericht auf rettungsmagazinTV zur EZ IO:

(Text und Fotos: Thomas Semmel, Notfallsanitäter, Dozent im Rettungsdienst, ERC Educator und ALS-Instruktor; zuletzt aktualisiert: 17.10.2017)[2671]

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Motorradfahrer stürzt 20 Meter Hang hinunter

17.10.2017

Wolfertschwenden (rd_de) – Ein 44-Jähriger ist am Sonntag (15.10.2017) mit seiner Motocross-Maschine in einem Kieswerk im Landkreis Unterallgäu gestürzt. Der Mann zog sich dabei schwere Verletzungen zu.

Laut Polizei fuhr der 44-Jährige am Nachmittag einen Kieshügel hinauf. Er plante, oben abzubremsen, da er nicht wusste, wie das Gelände hinter dem Kamm beschaffen war. Auf dem Hügel verlor er plötzlich die Kontrolle über sein Motorrad. Er konnte die Maschine nicht mehr halten und stürzte am steilen Hang etwa 20 Meter in die Tiefe.

Nach dem Aufprall blieb er bewusstlos liegen. Rettungsdienst, Notarzt, Rettungshubschrauber und ein First Responder wurden alarmiert. Nachdem die Rettungskräfte den Patienten stabilisiert hatten, brachte ihn die Besatzung von „Christoph 17“ in ein Krankenhaus.

(17.10.2017; Symbolfoto: 70154/pixabay.com)

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Rauchgasvergiftung: Symptome und Therapie

16.10.2017

Reanimation_580Bremen (rd_de) – Eine Rauchgasvergiftung ist die häufigste Todesursache bei Wohnhausbränden. Der Brandrauch ist toxisch, und die Zusammensetzung der Rauchgase kann ganz unterschiedlich sein. Sie hängt nicht zuletzt von den verbrannten Gegenständen ab. Kohlenstoffdioxid (CO2) kann bei Zimmerbränden eine Konzentration entwickeln, die innerhalb von einer Minute zum Tod führt. Nicht nur der Feuerwehr sollte das bekannt sein. Kohlenstoffdioxid kann bei Zimmerbränden eine Konzentration entwickeln, die innerhalb von einer Minute zum Tod führt.

Fast täglich erreichen uns Nachrichten, wonach Bewohner von Häusern zum Opfer von Brandrauch geworden sind. Die Ursachen sind sehr verschieden. In allen Fällen aber haben die Betroffenen die im Rauch enthaltenen Atemgifte aufgenommen. Diese Gifte können durch Veränderung der Durchlässigkeit des Lungengewebes zu einem toxischen Lungenödem führen.

Dies muss allerdings nicht zwangsläufig sofort entstehen. Je nach Konzentration der inhalierten toxischen Substanzen kann es auch erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung entstehen. Deswegen wird empfohlen, Patienten mit einer vermuteten Rauchvergiftung für 24 Stunden stationär zu überwachen. Dies gilt selbst dann, wenn zunächst kaum Symptome vorliegen. Zweifellos handelt es sich dabei aber um eine sehr individuelle Entscheidung. Wichtig ist im Falle einer ambulanten Behandlung aber, dass die Patienten eingehend aufgeklärt werden.

Rauchgasvergiftung: Therapie im Rettungsdienst

Die empfohlene Therapie besteht in der Akutphase vor allem in der Inhalation von Sauerstoff. Die früher standardmäßig applizierten kortisonhaltigen Inhalativa wie Auxiloson oder Ventolair verlieren zunehmend an Bedeutung. Der Nutzen scheint nicht eindeutig belegt zu sein. Allerdings schaden sie nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht.

Anders sieht es beim intravenös verabreichten Cortison aus. Davon wird mittlerweile auch bei bestehender Bronchospastik abgeraten. Es hat sich gezeigt, dass das Outcome von Patienten, die Kortisonpräparate bei einer schweren Rauchgasvergiftung erhalten haben, deutlich schlechter war als bei Patienten ohne diese Therapie. Einer der Gründe hierfür liegt in der immunsuppressiven Wirkung von Kortikoiden.

(Text: Dr. Philipp Prause, Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin und Chirotherapie; Symbolfoto: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 16.10.2017) [2644]

eDossier DyspnoeWelche Maßnahmen der Rettungsdienst ergreifen muss, sollte er Patienten mit akuter Atemnot antreffen, erfahren Sie in unserem eDossier „Leitsymptom Dyspnoe“, das Sie hier herunterladen können.

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Öffentliche Defibrillatoren: Dämpfer für die AED-Euphorie

16.10.2017

Berlin (idw) – Seit einigen Jahren werden weltweit automatisierte externe Defibrillatoren (AED) an öffentlichen Plätze wie U-Bahn-Stationen, Sportstadien und bei Behörden zur Verfügung gestellt. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung (DGK) ging jetzt der Frage nach, ob die große Zahl ausgegebener AED-Geräte den erhofften Erfolg gebracht hat.

Die Erfahrungen aus Deutschland zeigen laut DGK, dass AEDs nur sehr selten eingesetzt werden. So wurde etwa der Landtag von Nordrhein-Westfalen bereits 2003 mit automatisierten externen Defibrillatoren ausgestattet. Mehr als 50 Angestellte erhielten eine Unterweisung im Umgang mit diesen Geräten. Doch kam es bis heute unter mehr als einer Million Besuchern nicht zu einem einzigen AED-Einsatz.

Download AED: Defibrillator-Einsatz durch Laien. Alles, was man wissen muss, um als Ersthelfer einen Defibrillator einsetzen zu dürfen.

Auf dem Rhein-Main-Flughafen Frankfurt sind mittlerweile mehr als 80 Geräte verfügbar. In den Jahren 2003 bis 2015 wurden mehr als 500 Millionen Passagiere abgefertigt. Es kam bei 25 Personen zu Reanimationen unter AED-Einsatz. Mit sehr gutem Erfolg: 16 der Reanimierten überlebten.

Nicht erfüllte Erwartungen

„Es ist unbestritten, dass der AED ein sicheres therapeutisches Konzept ist, ein gefährliches Kammerflimmern zu beenden“, erläutert Prof. Dr. Hans-Joachim Trappe von der Medizinischen Klinik II der Ruhr-Universität Bochum. „Auch die Handhabung eines AED ist sicher, die Schockabgaben bei Kammerflimmern adäquat und Fehlentladungen nicht möglich. Insofern wurden die Erwartungen sicher erfüllt.“

Es gebe aber auch nicht erfüllte Erwartungen, die zu einer spürbaren Zurückhaltung gegenüber der AED-Euphorie geführt hätten.

Download Defis für die Feuerwehr: Worauf beim Kauf eines Defibrillators für die Feuerwehr achten? Welche Geräte gibt es auf dem Markt?

„Die Zahl der erwarteten AED-Einsätze war sicher höher als das im Alltag erfüllt wurde. Die Ausstattung von großen Sportstadien, Einkaufsmärkten und ähnlichen öffentlichen Orten hat bei keinen oder wenigen AED-Einsätzen zu Fragen der Kosten-Nutzen-Relation unter finanziellen Aspekten geführt. Und schließlich wurde in einzelnen Fallberichten darauf hingewiesen, dass Reanimationen nicht erfolgreich waren, weil statt unverzüglicher konventioneller Wiederbelebungsmaßnahmen erst ein AED gesucht wurde“, so Prof. Dr. Trappe.

Bewusstsein für Herzdruckmassage schärfen

Dennoch hätte der automatisierte externe Defibrillator seinen Stellenwert, zumal mehrfach in Studien gezeigt worden wäre, dass öffentlich zugängliche Defibrillatoren die ansonsten schlechten Überlebenschancen von Menschen mit Kammerflimmern deutlich verbessern könnten, teilte die DGK mit.

„Die Bemühungen sollten deshalb darauf abzielen, den Defibrillator in das allgemeine Bewusstsein zurückzuholen“, fordert Prof. Dr. Trappe. „Zugleich muss auch das Bewusstsein für konventionelle Maßnahmen wie die Herzdruckmassage wieder geschärft werden. Dann wird es gelingen, mehr Menschen vor einem plötzlichen Herztod zu bewahren.“

(16.10.2017; Symbolfoto: Markus Brändli)

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Seenotretter retten drei Segler aus Seenot

16.10.2017

Baltrum (rd_de) – Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) haben am Freitag (13.10.2017) eine dreiköpfige Schiffsbesatzung nahe der ostfriesischen Insel Baltrum gerettet.

Die havarierte Segelyacht trieb nördlich der Insel Baltrum in der Nordsee. Foto: DGzRS

Wie die DGzRS mitteilte, waren die drei Männer mit ihrer Segelyacht am Abend in Seenot geraten. Das Schiff setzte gegen 18.45 Uhr einen halbautomatischen Notruf ab. Die Crew verließ das Boot und flüchtete auf eine aufblasbare Rettungsinsel. Von dort aus verständigten die drei Männer die Seenotleitung in Bremen.

Die Seenotleitung alarmierte den Seenotrettungskreuzer „Bernhard Gruben“ aus Norderney und das Seenotrettungsboot „Secretarius“ aus Langeoog. Außerdem nahm der Notschlepper „Nordic“ Kurs auf die Unglücksstelle . Auch ein Such- und Rettungshubschrauber (RTH) der Deutschen Marine beteiligte sich am Einsatz.

Die „Nordic“ traf gegen 19.10 Uhr bei der treibenden Rettungsinsel ein. Die Crew nahm die drei Segler an Bord. Gegen 19.25 Uhr brachte der Marinehubschrauber die Geretteten in ein Krankenhaus nach Wilhelmshaven.

(16.10.2017; Foto: DGzRS)

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Praktikum an Lehrrettungswachen

13.10.2017

Praktikum LehrrettungswacheBremen (rd_de) –Die Ausbildung zum Rettungssanitäter umfasst 520 Stunden und beinhaltet auch ein Praktikum an einer Rettungswache. Nicht überall ist vorgeschrieben, dass dieses Praktikum an einer Lehrrettungswache zu erfolgen hat. Doch es ist wünschenswert. Weshalb, lesen Sie hier.

Angehende Rettungssanitäter (RS) kommen an einem Wachenpraktikum nicht vorbei. Mindestens 160 Stunden müssen nachgewiesen werden, davon möglichst die Hälfte an einer Wache mit Notarztdienst. Insgesamt soll der Praktikant Erfahrungen sowohl auf einem Krankentransportwagen (KTW) als auch Rettungswagen (RTW) oder Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) sammeln. Diese Erfahrungen sind wichtig für seine Ausbildung.

Download Praktikum im Rettungsdienst: Die Ausbildung ist zu Ende, der Einsatz kann kommen. Rettungsdienst hat aber viel mit Erfahrung zu tun. Zum Glück gibt’s Tipps, die den Einstieg erleichtern.

Fragen an ein Praktikum im Rettungsdienst:

• Welche Voraussetzungen muss eine Lehrrettungswache erfüllen?
• Wie und wo finde ich einen Praktikumsplatz?
• Wie erkenne ich eine gute Lehrrettungswache?
• Welche Rolle spielt der Lehrrettungsassistent bzw. Praxisanleiter?
• Welche technische und räumliche Ausstattung muss die Wache besitzen?
• Gibt es ein Abschlussgespräch?

Praktikum an einer Lehrrettungswache: die Voraussetzungen

Lehrrettungswachen sind personell und materiell darauf ausgerichtet, Berufsanfängern das erforderliche praktische Wissen zu vermitteln. Von diesen Besonderheiten abgesehen, handelt es sich um „normale“ Rettungswachen, an denen zumindest ein Rettungswagen im 24-Stunden-Betrieb vorgehalten werden muss.

Die Entscheidung, ob sich eine Wache „Lehrrettungswache“ nennen darf, trifft die zuständige Behörde. In manchen Ländern wird die Zulassung zum Beispiel vom Innen- oder Sozialministerium geregelt. In anderen liegt die Zuständigkeit bei den Bezirksregierungen oder Landkreisen bzw. kreisfreien Kommunen. Durch das Notfallsanitätergesetz haben sich die Kriterien für Lehrrettungswachen verschärft.

Praktikumsplatz: Wie und wo finden?

Obwohl ein Praktikum im Rahmen der Ausbildung vorgeschrieben ist, heißt das nicht, dass die ausbildende Rettungsdienstschule oder der entsendende Verband automatisch Praktikumsplätze an Rettungswachen vermittelt. Für angehende Notfallsanitäter ist dies vorgeschrieben, für Rettungssanitäter hingegen nicht. Es spricht insofern für die Lehranstalt, wenn sie dem RS-Schüler Wachen benennt, mit denen sie regelmäßig kooperiert und die bevorzugt Praktikanten dieser Schule aufnehmen. Dadurch dürfte sichergestellt sein, dass die Lehrrettungswache über den Wissensstand des neuen Praktikanten orientiert ist.

In der Regel bekommen die Schüler von der Rettungsdienstschule aber nur eine mehr oder minder umfangreiche Liste mit Adressen von Lehrrettungswachen. Es bleibt dann den Schülern überlassen, sich selbst um einen freien Platz zu kümmern. Ob die Bewerbung um einen Praktikumsplatz an den Kreis- bzw. Ortsverband der Hilfsorganisation oder die Wache geschickt werden muss, ist unterschiedlich geregelt.

Download Krankenhaus-Praktikum: Jeder im Rettungsdienst muss ein Krankenhaus-Praktikum absolvieren. Hier lesen Sie, wie’s ein Erfolg wird.

Praktikum an einer Lehrrettungswache: Wie man eine gute Lehrrettungswache erkennt

Abgesehen von subjektiven Faktoren, nach denen man sich für oder gegen bestimmte Lehrrettungswachen entscheidet (zum Beispiel Nähe zum Heimatort), gibt es auch objektiv wichtige Gründe, auf die jeder achten sollte.

Die „Gemeinsamen Grundsätze der ausbildenden Hilfsorganisationen (ASB, DRK, JUH, MHD) für die Ausbildung von Praktikanten an Lehrrettungswachen“ liefern wichtige Anhaltspunkte. Neben den genannten Organisationen richten sich heute auch viele Rettungsdienste in privater oder kommunaler Trägerschaft nach diesen Empfehlungen.

Ein wichtiges Kriterium stellen die personellen Voraussetzungen dar. So sollte jede Lehrrettungswache über einen Arzt mit Rettungsdiensterfahrung verfügen. Der Arzt muss nicht permanent auf der Wache anwesend sein. Seine Aufgabe ist es vielmehr, für eine einheitliche Lehre auf Grundlage der allgemein anerkannten Ausbildungsvorschriften an der Wache zu sorgen. Dadurch wird sichergestellt, dass dem Praktikanten bestimmte Maßnahmen von mehreren Personen nicht widersprüchlich erklärt werden und er in die Lage versetzt wird, seine Kenntnisse später auch in anderen Rettungsdienstbezirken anzuwenden.

Praktikum an einer Lehrrettungswachen: Technische und räumliche Ausstattung

Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Wahl der Lehrrettungswache ist die technische und räumliche Ausstattung. Die Vorhaltung eines, in den öffentlichen Rettungsdienst eingebundenen RTW ist vorgeschrieben. Je Rettungswagen und Schicht sollte nur ein Praktikant eingeplant sein. Werden zusätzlich auch KTW und Notarzteinsatzfahrzeug vorgehalten, erweitert das die Möglichkeiten, praktische Erfahrungen auf verschiedenen Rettungsmitteln zu sammeln.

Download Skills-Training: Die wichtigsten Fertigkeiten (Skills), die Notfallsanitäter kennen und beherrschen müssen.

Von den Fahrzeugen abgesehen, muss ein Raum vorhanden sein, der für Unterrichtszwecke geeignet ist. Er muss eine ausreichende Größe haben, um zum Beispiel auch mit Übungsphantomen zu arbeiten. Ferner sind Unterrichtsmittel vorzuhalten. Hierzu gehören vor allem Geräte, mit denen eine Herz-Lungen-Wiederbelebung für Erwachsene sowie Säuglinge simuliert werden kann. Auch Intubations- und Infusionstrainer sind wünschenswert.

Nachschlagewerke und andere Literaturquellen, beispielsweise digitale Datenbanken oder Internetzugang, sind wichtig. Hierdurch kann sich der Auszubildende in der einsatzfreien Zeit fortbilden und Einsätze nachbereiten. Die „Wachenbibliothek“ sollte die gängigen Lehrbücher und Fachzeitschriften ebenso wie thematische Fachbücher (Anatomie, Physiologie, spezielle Krankheitslehre usw.) umfassen und auf dem aktuellen Stand sein.

Wünschenswert am Ende des Praktikums: das Abschlussgespräch

Bevor das Praktikum beginnt, werden dem Auszubildenden der Ablauf seines Praktikums, Lernziele und besondere Regelungen an der Wache erklärt. Hierzu zählt zum Beispiel das System des Dienstplans.

Am Ende des Praktikums sollte ein Abschlussgespräch stattfinden. Es wird von dem Auszubildenden zum Beispiel mit dem Wach- oder Rettungsdienstleiter geführt. Sinn dieses Gespräches ist es, festzustellen, ob der Praktikant die Ausbildung an der Rettungswache erfolgreich absolviert hat. Eine Prüfung findet nicht statt. Die folgt im Anschluss während des Abschlusslehrgangs (40 Stunden) an der Rettungsdienstschule.

(Symbolfoto: Markus Brändli; zuletzt aktualisiert: 13.10.2017)[2622]

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Brasilien: Ministerium kauft 800 Sprinter für Rettungsdienst

13.10.2017

Stuttgart/São Paulo (pm) – Mercedes-Benz do Brasil hat den Zuschlag für einen Großauftrag des brasilianischen Gesundheitsministeriums bekommen.

Insgesamt liefert die Daimler-Tochter 800 zu Rettungsfahrzeugen ausgebaute Mercedes-Benz Sprinter an den medizinischen Notfalldienst des brasilianischen Gesundheitsministeriums aus. Die ersten 225 Einheiten wurden bereits übergeben und sind ab sofort im ganzen Land im Einsatz.

Ausschlaggebend für die Entscheidung waren laut Konzern die Technologie, Zuverlässigkeit und niedrigen Betriebskosten des Sprinters. Die Rettungskräfte schätzten besonders den großen Innenraum, der viel Platz für medizinische Gerätetechnik und Patientenversorgung biete, teilte Daimler mit.

Durch den Erfolg des Sprinters in Südamerika konnte Mercedes-Benz do Brasil im hoch umkämpften Large-Van-Segment seinen Marktanteil auf 33,9 Prozent ausbauen.

(13.10.2017; Foto: Daimler)

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Bischofswiesen: Mann aus Traktor geschleudert

13.10.2017

Bischofswiesen (rd_de) – Ein Mann ist am Donnerstag in Bischofswiesen aus seinem Traktor geschleudert und dabei schwer verletzt worden.

Wie das Bayerische Rote Kreuz (BRK) mitteilte, wollte der 65-jährige Mann mit seinem Traktor eine Hangwiese mähen. Dabei stürzte er mit seinem Fahrzeug rund 30 Meter ab. Der 65-Jährige wurde aus dem Führerhaus geschleudert. Er zog sich bei dem Unfall schwere Verletzungen zu.

Augenzeugen setzten umgehend einen Notruf ab. Sie leisteten Erste Hilfe. Sie. Die Integrierte Leitstelle Traunstein alarmierte den Rettungsdienst mit Notarzt, den Rettungshubschrauber „Christoph 14“ sowie die Feuerwehren aus Bischofswiesen und Berchtesgaden.

Der Rettungsdienst übernahm die weitere medizinische Versorgung. BRK und Feuerwehr transportierten den Patienten in einem Schleifkorb zum Rettungswagen. Dort wurde er weiter intensivmedizinisch versorgt. Das Team des RTH „Christoph 14“ brachte den Schwerverletzten in eine Klinik.

(13.10.2017; Foto: BRK)

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Perfusor: 10 Sicherheitstipps für Rettungskräfte

12.10.2017

Bremen (rd_de) – Eine Spritzenpumpe, wie der Braun Perfusor markenneutral heißt, gehört zur Normbeladung eines jeden arztbesetzten Rettungsmittels. Im täglichen Einsatzdienst wird der Perfusor aber eher selten genutzt. Entsprechend ungeübt sind manche Rettungskräfte im Umgang mit diesem Gerät. Die folgenden 10 Tipps sollen die Arbeit mit dem Perfusor sicherer machen.

Grundsätzlich ist das Feld möglicher Anwenderfehler bei Spritzenpumpen wie dem Perfusor sehr komplex. Die Hersteller der Geräte liefern zwar Gebrauchsanweisungen zur korrekten Inbetriebnahme. Allerdings bezieht sich die Einweisung in der Regel auf die korrekte technische Bedienung. Sicherheitshinweise zur Vermeidung von Fehlern bei der Programmierung der Infusionsrate werden in der Regel nicht angesprochen. Gerade dabei passieren jedoch die schwerwiegendsten Fehler.

1. Die Spritze muss zur Spritzenpumpe passen

Spritzenpumpen unterschiedlicher Hersteller weisen trotz desselben Füllvolumens möglicherweise Abweichungen im Aufbau auf. Insofern ist nicht auszuschließen, dass Medikamente fehlerhaft appliziert werden, sollte eine x-beliebige Infusionsspritze verwendet werden. Damit würde die Sicherheit des Patienten gefährdet! Die Hersteller von Perfusor & Co. müssen deshalb bei der Baumusterprüfung festlegen, welche Spritzen und Zubehörteile für ihr jeweiliges Produkt benutzt werden dürfen. Anderes Zubehör darf nicht eingesetzt werden.

2. Ladezustand der Perfusor-Akkus prüfen

Gerade wenn (längere) Transporte bevorstehen, muss der Notfallsanitäter im Umgang mit einer Spritzenpumpe einige Dinge beachten. Dazu gehören vor allem volle Akkus. Durch die dauernde Ladung können je nach Art der Akkus Probleme auftreten (Stichwort: „Memory-Effekt“). Das bedeutet, die Kapazität der Nickel-Cadmium-Akkus verringert sich drastisch. Es kommt zu einem frühen Spannungsabfall und einer verringerten Nutzung des Perfusors, da dieser eine Mindestspannung benötigt. Deshalb sollten zum Transport neben entsprechenden Kabeln zur Stromversorgung (230 Volt, 12 Volt) auch möglichst immer Ersatzakkus mitgenommen oder die (teureren) Lithium-Ionen-Akkus verwendet werden.

Alles Wichtige zum Umgang mit Perfusoren finden Sie in unserem eDossier „Skills-Training für Notfallsanitäter“. Unter anderem: unterschiedliche Bauformen von Spritzenpumpen; klassische Medikamente für die Perfusor-Anwendung; sicherheitstechnische Aspekte usw.

3. Perfusor-Spritzen luftfrei aufziehen

Die Spritzen sind stets luftfrei aufzuziehen. Insbesondere bei Bewegung der Spritzenpumpe während eines Transports oder beim Umlagern kann es zu einer Verschiebung einer möglicherweise vorhandenen Luftblase in den Spritzenansatz kommen. Somit würde die Luftblase in die Spritzenpumpenleitung wandern. Wenn man bedenkt, dass der Inhalt einer solchen Leitung – je nach Hersteller und Länge – zwischen 0,5 und 3 ml beträgt und eine Laufgeschwindigkeit von 5 ml/h eingestellt wäre, würde dies immerhin einen Wirkstoffausfall von mehr als 15 Minuten bedeuten.

Generell ist ein Lufteintritt in die Blutbahn auch in noch so geringer Menge kritisch. Die Folgen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Zustand des Betroffenen, dem Luftvolumen sowie der Geschwindigkeit, mit der die Luftmenge infundiert wird. Klinische Komplikationen können ein vermindertes Herz-Zeit-Volumen, Schock und Tod sein.

4. Probleme beim Wechsel der Perfusor-Spritze

Probleme können auftreten, soll eine Spritze gewechselt werden. Erstens kommt es zu einem Wirkstoffverlust während des Wechsels selbst; zweitens besteht in der Folge die Gefahr der ungewollten Bolusinjektion. Diese kann sowohl beim Konnektieren an die Spritzenpumpenleitung als auch beim Einspannen der Spritze in den Perfusor passieren.

Vermeiden lässt sich dies, indem die Medikamentengabe parallel über zwei Spritzenpumpen erfolgt. So kann in der einen Pumpe das Infusat regelrecht appliziert werden, während in der anderen Spritzenpumpe eine neue Spritze „stand by“ zur Verfügung steht. Löst nun der erste Braun Perfusor einen Voralarm aus, kann über einen zwischengeschalteten Dreiwegehahn komplikationslos die Spritzenpumpe gewechselt werden. Der Ausfall der Wirkstoffe wird auf diese Weise auf ein Minimum reduziert.

5. Gefahr durch unkontrollierte Bolusgabe

Auch die Verstopfung eines venösen Zugangs kann zu einer unkontrollierten Bolusgabe führen. Und zwar, sobald sich die Verstopfung wieder löst. Besonders bei kreislaufwirksamen Medikamenten wie beispielsweise Katecholaminen, Beta-Blockern oder Nitraten kann dies schwerwiegende Folgen für den Patienten nach sich ziehen.

6. Niveauveränderung des Perfusors hat Folgen

Untersuchungen haben gezeigt, dass vertikale Niveauveränderungen einer Spritzenpumpe die Flussrate bereits in klinisch relevantem Ausmaß schwanken lassen. Dies kommt beispielsweise beim Umlagern oder während des Transportes in eine Klinik häufig vor und ist besonders kritisch, wenn hochwirksame Medikamente appliziert werden.

Zurückzuführen sind diese Schwankungen auf Veränderungen des hydrostatischen Drucks innerhalb der Infusion: Senkt man die Spritzenpumpe ab, führt das zum „Pooling“; das Infusat strömt hierbei ins Infusionssystem. Wird die Pumpe hingegen wieder auf das Ausgangsniveau angehoben, entleert sich ein Infusionsbolus.

7. Parallelinfusionen vermeiden

Parallelinfusionen sollten nicht erfolgen. Das heißt, die gleichzeitige Kombination von einer Schwerkraftinfusion und einem Perfusor sind ungünstig. Bei der parallelen Benutzung von maschinell verabreichten Lösungen und frei tropfenden Lösungen kann es bei Verschluss der Infusionsleitung zu Komplikationen kommen. Die freie Infusion wird möglicherweise in die maschinell verabreichte Lösung hochgepumpt, ohne dass ein Alarm erfolgt. Folge: Der Medikamentenwirkstoff in der Spritzenpumpe gelangt nicht mehr in den Patienten, sondern vermischt sich mit der Schwerkraftinfusion.

8. Inkompatibilität

Beim Zusammenführen von Pharmaka in Infusionsleitungen kann es zu Inkompatibilitätsreaktionen mit schwerwiegenden Folgen für den Patienten kommen. Für die Durchführung einer sicheren Therapie müssen Entscheidungen zur Wahl geeigneter Trägerlösungen, der Stabilität des Pharmakons in dieser Trägerlösung und zur Wechselwirkung mit anderen Lösungen im Zugang oder System getroffen werden. Zusätzlich ist ein geeigneter Zugang bzw. bei Mehrlumenkathetern das geeignete Lumen auszuwählen.

9. falsche Programmierung

Zu beachten sind auch eventuelle Medikationsfehler, die auf eine fehlerhafte Anwendung von Spritzenpumpen zurückzuführen sind. An erster Stelle steht hier die falsche Programmierung des Perfusors.

10. Vorsicht bei der Propofol-Dosierung!

Eine bekannte Gefahrenquelle stellen die beiden Zubereitungen Propofol 1% und Propofol 2% dar. Wenn auch die beiden Ampullentypen selbst deutlich farblich gekennzeichnet sind, lässt sich die einmal aufgezogene Lösung nicht mehr voneinander unterscheiden. So kann es ungewollt und unbemerkt zur Verdopplung der Propofol-Dosis kommen.

(Text: Dr. Ingo Blank, Chirurg und Notarzt; Symbolfoto: Markus Brändli; 12.04.2017)[2599]

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Notfallversorgung: DIVI fordert Notfallmediziner für die Leitungsebene

12.10.2017

Berlin (DIVI) – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) befürwortet grundsätzlich eine Neustrukturierung der Notfallversorgung in Deutschland. Zu den Empfehlungen des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen (wir berichteten) äußert sich die DIVI in einigen Punkten allerdings kritisch.

„Wir unterstützen den Aufbau zentraler Anlaufstellen“, stellt Professor André Gries, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum Leipzig, klar. Diese Zentren sollten aber „nicht ausschließlich unter Leitung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) stehen. Bei vielen kritisch Kranken, aber auch zeitkritischen Patienten ist das Leitsymptom nicht richtungsweisend. Für die fachliche Diagnose, aber auch die unmittelbare Notfalltherapie muss an dieser Stelle ein in der Notfallmedizin erfahrener Facharzt eingesetzt werden.“

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Kritisch betrachtet wird auch der Vorschlag, dass die KV unabhängig über die stationäre Aufnahme von Patienten entscheiden soll. „Dem müssen wir widersprechen, weil dadurch die Aufnahmeprozesse nur komplizierter und auch verzögert werden“, sagt der DIVI-Experte.

„Zusammen mit anderen Fachgesellschaften der Notfallmedizin stellen wir uns klar gegen eine alleinige Leitungsposition der Kassenärztlichen Vereinigung“, macht DIVI-Präsident Professor Stefan Schwab. „In den interdisziplinären Notfallzentren müssen unbedingt Fachexperten mit notfallmedizinischer Schwerpunktaus- beziehungsweise Zusatzweiterbildung eingesetzt werden, die eben einen akuten Notfall direkt identifizieren und auch initial behandeln können.“

Grundsätzlich unterstütze man den Abbau von Doppelstrukturen und die Verzahnung der Bereitschaftsambulanzen der Kassenärztlichen Vereinigung mit den zentralen Notaufnahmen der Krankenhäuser in so genannte Integrierten Notfallzentren. „Mit einer vereinfachten Struktur und Notfallmedizinern auf der Leitungsebene können wir akute Notfälle schneller erkennen und bedarfsgerecht versorgen“, zeigt sich Professor Schwab überzeugt. Er unterstützt insofern auch die Forderung nach einer bundeseinheitlichen Rufnummer für Notfälle.

Aus Sicht der DIVI muss der Fokus stärker auf die präklinische Einschätzung von Akutpatienten gelegt werden. Deshalb fordert die Vereinigung unter anderem, dem Rettungsdienst die Möglichkeit zu geben, leichter erkrankte Patienten der KV-Bereitschaftsambulanz zuzuweisen, wenn ein Hausbesuch durch den Bereitschaftsdienst nicht realisierbar ist.

(12.10.2017; Symbolfoto: Pixabay)

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