Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 44

Dienstag, 17. März 2020

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 44 - Borgward B 2000 A/O 0,75t gl als ehem. Bundeswehr-Kübelwagen (Baujahre 1956 – 1961)

Die weitaus größte Zahl der militärischen Borgward-Zweitonner wurde als Kübelwagen produziert und bei der Bundeswehr für die unterschiedlichsten Zwecke verwendet. Nach ihrem Wehrdienst gelangten viele von ihnen zu BOS-Organisationen, bei denen sie zum Teil deutlich länger eingesetzt wurden als vorher in Oliv.

Das Aussehen der Kübelwagen erinnerte sehr an ähnliche Modelle wie den Mercedes-Benz L 1500 A oder den Steyr 1500 A aus dem 2. Weltkrieg, was sicher kein Zufall war. Diese Bauform hatte sich ganz einfach im Kriegseinsatz bewährt, und in den 1950er Jahren waren in deutschen Konstruktionsbüros fast ausschließlich Ingenieure mit Fronterfahrung beschäftigt.

Neu war allerdings, dass das Führerhaus mit dem Aufbau keine Einheit bildete, sondern getrennt davorsaß. Das bot gleich zwei Vorteile: Einerseits konnten so Verwindungen des Fahrgestells im Gelände besser ausgeglichen werden, andererseits war es nun möglich, Fahrgestell und Fahrerkabine unabhängig vom geplanten Aufbau in identischer Ausführung herzustellen. Entsprechen gab es auch keinen Unterschied zwischen den Führerhäusern für Pritschen- und Kübelwagen. Das sparte Kosten und ließ im Reparaturfall den einfachen Austausch der Aufbauten zu.

Nachteilig wirkte sich diese getrennte Konstruktion von Führerhaus und Aufbau aber auf die Stabilität der Führerhausrückwand aus. Offenbar war es hier anfangs zu Schäden gekommen, denn nach den ersten 500 produzierten Führerhäusern ging man dazu über, am hinteren Ende der Türöffnung unten eine Strebe einzusetzen und das Feld entsprechend zu verblechen. Die Rückwand konnte damit nicht mehr so leicht wegknicken. Die Türen wurden der neuen Form angepasst.

Auch die Griffmulden der Türgriffe veränderten sich im Laufe der Zeit. Die meisten 1956 produzierten B 2000 A/O 0,75t gl besaßen noch kleine, rechteckige Griffmulden. Gegen Jahresende stieg man bei Borgward (vermutlich aus Gründen des Unfallschutzes) auf größere, gerundete Mulden um. Kurz zuvor hatte sich bereits die Position der Türgriffe an den Kübelaufbauten verändert. Waren sie zunächst mit den Türgriffen des Führerhauses auf einer Höhe gewesen, wurden sie jetzt deutlich weiter nach unten gesetzt. Bei den folgenden Bildern wird auf diese Besonderheiten hingewiesen.

Der Kübel wurde als robuste Profilstahl- und Stahlblechkonstruktion hergestellt. Auf zwei quer zur Fahrtrichtung angeordneten Sitzbänken konnten sechs Soldaten mit dem Gesicht zueinander Platz nehmen, so dass zusammen mit den drei Kameraden im Führerhaus insgesamt neun Personen (einschließlich Fahrer) befördert werden konnten. In der „Basisversion“ erhielt der Kübel ein einfaches Segeltuchverdeck, das von vier Stahlrohrbügeln in der Höhe festgehalten wurde. Damit unterschieden sich die Bundeswehrfahrzeuge von den etwas später beschafften Borgward-Kübelwagen des Bundesgrenzschutzes, einiger Landespolizeidienststellen und des Luftschutzhilfsdienstes (LSHD). Dort wurde ein so genanntes Scherenverdeck verwendet. Dieser Fahrzeuggruppe wird ein späterer Artikel aus der „Haubenfahrzeug-Serie“ gewidmet sein.

Das Verdeck ließ sich nach hinten aufrollen, die Seitenscheiben aus durchsichtigem Kunststoff waren herausnehmbar und ließen sich im Fahrzeug verstauen. Die Frontscheibe konnte man – da das Führerhaus mit dem der Pritschenversion identisch war – nach vorne umklappen. Dadurch ließ sich das Fahrzeug für den Lufttransport in der Höhe reduzieren, erreichte wegen des Aufbaus am Heck aber nicht die Werte des in Teil 43 beschriebenen Pritschen-LKWs.

Der heckseitige Aufbau war von hinten über eine doppelflügelige Tür zugänglich. Im unteren Bereich lagerte das Reserverad, darüber war ein größerer wettergeschützter Stauraum, der je nach Einsatzzweck genutzt werden konnte. Seine Innenmaße betrugen 1.050 x 1.720 x 550 mm. Zu Verwendungsmöglichkeiten des Kübelwagens gab ein Datenblatt der Firma Borgward Auskunft: „Führungsfahrzeug, Fahrzeug für Hauptfeldwebeltrupp (gemeint ist sicher Kompaniefeldwebeltrupp; d. Verf.) Nachrichten-Fahrzeug, Fahrbereitschaft fliegendes Personal, Fahrzeug für Schallmess-Stelle, AVKo (Artillerieverbindungskommando; d. Verf.), Flugsicherungstrupp, Verbindungstrupp, Lichtmess-Stelle, Feuerleitungsstelle, Vermessungshalbtrupp usw., Lastwagen bei Luftlandeoperationen.“

Weiter wurde ausgeführt: „ An der Stelle einer Bank können bei Führungsfahrzeugen ein abklappbarer Schreibtisch oder Kartentisch, Funkgeräte oder eine Geschäftszimmerkiste, unter Verminderung der Sitzzahl, angebracht werden. Zubehör zu Funkapparaten, Stromanschlüsse, Antenne, Leitungsanschlüsse usw. können eingebaut werden.“

Interessant ist der Hinweis: „Das Fahrzeug kann auf Wunsch mit einem festen Fahrerhaus mit Beobachtungsluke über dem Beifahrersitz ausgerüstet werden.“ Diese Version hat es – soweit feststellbar – bei der Bundeswehr nicht gegeben, sie ist aber bestens bekannt von verschieden Typen der LSHD-Fahrzeuge. Bei deren späterer Vorstellung wird darauf eingegangen werden.

In dem zitierten Datenblatt wird die Version mit „Hardtop“, die alternativ bestellt werden konnte und von der Bundesehr auch häufig genutzt wurde, nicht erwähnt. Diese Variante ist dem nächsten Teil der Artikelserie vorbehalten.

Tatsächlich wurden die Kübelwagen bei der Bundeswehr für die vielfältigsten Aufgaben genutzt, nicht nur für die oben erwähnten. Heute würde man so etwas als Allrounder bezeichnen. Ein wesentlicher Einsatzzweck war ab dem Beginn der 1960er Jahre die Fahrschulausbildung. Im hinteren Bereich konnten weitere Fahrschüler sitzen, die Geländeeigenschaften ließen entsprechende „Offroad-Schulungen“ zu, und die rustikale und nicht ganz einfache Handhabung des Fahrzeugs war ein gutes Training auch für andere Bundeswehrfahrzeuge. Diese waren dann „nur noch“ etwas größer und schwerer. So kommt es, dass sehr viele Wehrpflichtige der 1960er Jahre mit den Kübelwagen Bekanntschaft gemacht haben.

Noch ein Wort zur Motorisierung: Wie bereits im vorangegangenen Artikel gesagt, wurde zunächst der vom PKW „Hansa 2400“ stammende Sechszylinder-Benzinmotor 6M 2,4 A mit 82 PS bei 4.500 U/min aus 2.337 cm³ Hubraum verwendet. Ab 1960 stand der Motor 6M 2,3 II A aus dem PKW „P 100“ zur Verfügung, der ein etwas besseres Verhältnis von Bohrung und Hub besaß und auf 2.244 cm³ Rauminhalt kam. Er wurde für die LKW – und damit eben auch für die Bundeswehrfahrzeuge – allerdings von 100 auf 82 PS gedrosselt, die schon bei 4.000 U/min erreicht wurden. Damit sollte eine deutliche Verschleißminderung erreicht werden.

Die ersten Borgward-Kübelwagen wurden bereits in den frühen 1960er Jahren wieder ausgemustert, in großem Stil passierte das dann ab etwa 1966. Nach 1973 war die Bundeswehr vollkommen „Borgward-frei“. Anders sah es zu der Zeit aber bei den Feuerwehren, den Rettungsorganisationen (Arbeiter-Samariterbund, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfallhilfe und Malteser Hilfsdienst) sowie bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft aus. Hier waren in den 1970er und 1980er Jahren Borgward Kübelwagen in großen Mengen anzutreffen, danach nahm ihre Zahl allmählich ab. Einige wenige Exemplare stehen sogar heute – nach über 60 Jahren – noch im Dienst.

Die Borgward-Kübelwagen waren eine für ihre Zeit ausgereifte Konstruktion, hoch geländegängig, watfähig und ausreichend motorisiert, boten Platz für 9 Personen und waren vor allem günstig als Gebrauchtwagen zu beschaffen. Gemäß den vorliegenden Unterlagen konnten die Fahrzeuge bereits für 2.000 bis 6.000 DM erworben werden, was nur einem Bruchteil des Neupreises von etwa 15.000 DM entsprach. Die Ersatzteilversorgung – nach dem Borgward-Konkurs vorerst weiterhin durch Büssing sichergestellt – war kein Problem, notfalls standen genug weitere Wagen zum Ausschlachten bei Schrotthändlern herum.

Entscheiden beim Preis war neben der Kilometerleistung vielfach der äußere Zustand der Kübelwagen, und der war teilweise erschreckend. Sieht man sich Fotos aus dieser Zeit an, muss man sich über den Idealismus der Kameraden wundern, die daraus wieder einsatzfähige Fahrzeuge machten. Andererseits sahen sie die Chance, endlich ein Motorfahrzeug für ihre Ortsfeuerwehr oder die Bereitschaft einer Rettungsorganisation zu erhalten – das war allemal Ansporn genug.

Die einfachste Methode der Neuindienststellung war, den ehemaligen Bundeswehrkübel mit einer Blaulichtanlage zu versehen und entsprechend zu beschriften. Manche Feuerwehr und mancher Ortsvereins verzichtete dabei sogar auf eine Umlackierung und fuhr einfach in Gelboliv weiter. Das Geld für Farbe konnte man auch anderweitig sinnvoll nutzen. Als Beispiel sei hier die FF Albersweiler im Landkreis Landau genannt, deren militärfarbener Mannschaftstransportwagen auch in den frühen 1980er Jahren noch den roten TSA der Wehr zog. Im Inneren des MTW hatte man sogar Halterungen für Pressluftatmer montiert. Das war offenbar wichtiger gewesen als ein schickes Design.

Wenn umlackiert wurde, kam nicht selten nur eine Farbe zum Einsatz. Das heißt, Fahrzeuge der Rettungsorganisationen wurden komplett beige lackiert, bei Feuerwehrfahrzeugen waren dann entgegen der Norm auch Stoßstange und Kotflügel rot. Das ließ sich ganz einfach leichter ausführen.

Aus der großen Anzahl der Kübelwagen wurden hier einige ausgewählt werden, die die ganz Bandbreite präsentieren sollen.

Das ehemalige TSF der FF Thören im Landkreis Celle lässt sich ohne Frage dem Jahrgang 1956 zuordnen, denn es verfügt über die kleinen Türgriffmulden, die zudem auf gleicher Höhe sitzen.


TSF, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Baujahr 1956, nach seiner Bundeswehrzeit von der Ortsfeuerwehr Thören (Gemeinde Winsen/Aller) zum TSF umgebaut und bis 1987 genutzt.

Deutlich stärker hatte die OF Gandesbergen in der niedersächsischen Samtgemeinde Hoya ihr TSF umgebaut. Im vorderen Bereich des Kübels war fachmännisch eine weitere Tür eingesetzt worden, der Heckgeräteraum wurde auch seitlich über Klappen zugänglich gemacht. Darüber war ein Lagerplatz für nasse Schläuche entstanden, vier Steckleiterteile konnten in ein Gestell eigeschoben werden. Derart aufwändige Umbauten waren eher selten anzutreffen. Die Fahrertür zeigt übrigens deutlich, dass es sich um eines der ersten 500 Fahrgestelle des B 2000 A/O 0,75 gl handelte. Die Schutzbügel für die Scheinwerfer dagegen entsprechen nicht der Serienversion. Nicht ganz ausgeschlossen ist daher, dass es sich um ein Vorserienfahrzeug handelt, bei dem die Schutzbügel und die zusätzliche Tür bereits ab Werk montiert wurden. Hier wäre weitere Forschung notwendig.


TSF, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Baujahr 1956, von der OF Gandesbergen (Landkreis Nienburg) zu ihrem ersten Feuerwehrfahrzeug umgebaut.

Eine Übergangsbauart stellt das folgende Fahrzeug dar: Die Türgriffe am Kübelaufbau sind bereits tief angeordnet, die Griffmulden sind aber noch eckig. Ansonsten ist über dieses als TSF bezeichnete Fahrzeug nur bekannt, dass es 1985 zum Fundus des geplanten Feuerwehrmuseums Schleswig-Holstein gehörte.


TSF, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Baujahr 1956, ex Bundeswehr, 1985 im Bestand des geplanten Feuerwehrmuseums Schleswig-Holstein in Neumünster. Man beachte die rechteckigen, aber unterschiedlich hoch angebrachten Türgriffe.

Ein paar Fragen werfen die beiden folgenden „Mannschaftswagen mit Tragkraftspritze“, kurz MW-TS, auf. Dabei geht es nicht um die ungewöhnliche Bezeichnung, die war in Bayern für Fahrzeuge üblich, die als TSF genutzt wurden, aber nicht der Norm entsprachen. Auffällig ist mehr die Kombination zwischen Führerhaus und Aufbau. Erstere besitzen noch eine rechteckige Griffmulde, der Kübelaufbauten bereits eine gerundete. Ob diese Kombination bereits ab Werk so ausgeliefert wurde oder bei einer Instandsetzung neue Aufbauten montiert wurden, ist nicht bekannt. Beide Fahrzeuge wurden nämlich bei der schon in den vorangegangenen Artikeln erwähnte Firma Meßner aus Großgundershausen für den Feuerwehrdienst umgebaut, und eventuell wurden bei dieser Gelegenheit die Kübelaufbauten oder Kabinen einfach umgesetzt.

Das beim MW-TS der FF Schmiedorf im bayerischen Landkreis Rottal-Inn ermittelte Baujahr 1957 passt auch nicht so recht zu den Führerhaustürgriffen. Helmut Elstrodt stellte uns freundlicherweise ein Foto dieses „Zwitters“ zur Verfügung.


MW-TS, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 1957, ehemaliges Bundeswehrfahrzeug, umgebaut durch Meßner, im Dienst bei der FF Schmiedorf. Da diese Bauart kein TSF nach Norm war, wurde sie in Bayern als MW-TS bezeichnet. Man beachte die unterschiedlichen Türgriffmulden.

Auch beim MW-TS der FF Kirchanschöring wird 1957 als Baujahr angegeben, die Griffmuldenkombination ist die gleiche wie eben.


MW-TS, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 1957, Umbau durch Meßner. Bei diesem von 1968 bis 1997 von der FF Kirchanschöring genutzten Fahrzeug ist neben den Stahlrohrbügeln für das Segeltuchverdeck sehr gut die im Kübel untergebrachte Beladung zu erkennen – nach heutigen Unfallverhütungsvorschriften sicher bedenklich. Es lohnt auch ein Blick in den hinteren Geräteraum.

Genau die umgekehrte Kombination der Griffmulden konnte Helmut Elstrodt beim MW-TS der FF Wirlings (Gemeinde Buchenberg, Landkreis Oberallgäu) fotografieren: Das Führerhaus besitzt bereits die abgerundeten Griffmulden, der Aufbau noch die eckigen, aber bereits abgesenkten. Auch hier wird wieder als Baujahr 1957 angegeben, darüber hinaus ist eine Depotinstandsetzung bei Büssing aus dem Jahre 1966 bekannt. Wenig später bereits muss die Firma Meßner das ausgemusterte Fahrzeug erworben haben, denn 1968 wurde es nach erfolgter Umrüstung an die FF Wirlings übergeben. Wegen der zweimaligen Überholung (bei Büssing und Meßner) ist nicht sicher, ob die Türgriffanordnung immer schon so war. Viel wahrscheinlicher ist ein Umbau 1966 oder 1968.


MW-TS, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 1957, Depotinstandsetzung durch Büssing 1966, Umbau zum Feuerwehrfahrzeug durch Meßner 1968, danach im Dienst bei der FF Wirlings. Sehr ungewöhnlich ist die Türgriffkombination.

In der Standardversion, also mit abgerundeten Griffmulden, gab es vermutlich mehrere Hundert Kübelwagen, die bei kleineren Feuerwehren zuverlässig ihren Dienst taten. Viele von ihnen wurden einfach nur als geländegängiger MTW oder zum Ziehen eines TSA verwendet. Ein Beispiel dafür ist der auf dem Titelbild dieses Artikels gezeigte ehemalige MTW der FF Görisried (Lk. Ostallgäu), dessen Baujahr momentan allerdings nicht bekannt ist.

Auch wenn hier überwiegend Fahrzeuge aus Bayern gezeigt werden, gab es sie zahlreich auch in anderen Ländern der alten Bundesrepublik. In Bayern hatte sich allerdings ein Schwerpunkt herausgebildet, was sicher auch an der Fa. Meßner lag, die dort intensiv Werbung für ihre Konversationsprodukte betrieb.

Der MW-TS der FF Grabenstätt im Landkreis Traunstein dagegen wurde von den Kameraden in Eigenleistung umgebaut, die beiden Schlauchhaspeln auf dem Gerätekoffer gingen dabei über die gesamte Breite des Fahrzeugs. Auch hier sind wieder die Stahlrohrbügel für das Verdeck gut zu erkennen, die Segeltuchplane liegt aufgerollt dahinter.


MW-TS, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 1958, ehemaliges Bundeswehrfahrzeug, im Jahre 1965 durch die FF Grabenstätt erworben und entsprechend umgebaut. Seit 1955 wird der Oldtimer vom Feuerwehrverein der FF Grabenstätt unterhalten.

Die FF Kochel am See (Lk. Bad Tölz – Wolfratshausen) rüstete ihren MW-TS zusätzlich mit einer recht modernen Schlauchhaspel aus. Es ist zu vermuten, dass diese deutliche Schwerpunktverlagerung nach hinten sich nicht positiv auf das Lenkverhalten ausgewirkt haben dürfte. Die Erstzulassung des Fahrzeugs wurde mit 1962 angegeben – also bereits nach dem Ende der Firma Borgward! Wir verdanken das Foto einmal mehr Klaus Fischer.


MW-TS, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Baujahr nicht bekannt, Erstzulassung 1962 auf die Bundeswehr, in den 1980er Jahren bei der FF Kochel am See im Einsatz.

Einige wenige ehemalige Bundeswehr-Kübelwagen aus dem Hause Borgward sind auch heute noch im Einsatz, beispielsweise bei der FF Döberlitz. Der nur von knapp 50 Personen bewohnte Ortsteil der Gemeinde Gattendorf stellt mit diesem 1990 erworbenen MW-TS seinen Brandschutz sicher. Von 1957 bis 1970 hat das Fahrzeug bei der Bundeswehr gedient, dann übernahm es die Werkfeuerwehr der Textilgruppe Hof als Feuerwehrfahrzeug für ihr Stammwerk, später für die etwas abseits gelegene Spinnerei. Seit fast 30 Jahren steht es jetzt schon in dem kleinen Weiler östlich von Hof und präsentiert sich in tadellosem Zustand.


MW-TS, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 1957, Übernahme von der Bundeswehr 1970 durch WF Textilgruppe Hof und Umbau zum Feuerwehrfahrzeug, seit 1990 im Dienst bei der FF Döberlitz, Gemeinde Gattendorf. Der Blick in den Geräteraum zeigt, dass das Ersatzrad der (hier entnommenen) TS weichen musste und jetzt unter dem Rahmen hängt.


Wie bereits erwähnt, landeten etliche Borgward-Kübelwagen bei den vier Rettungsorganisationen und wurden als Mannschaftstransportwagen in Bereitschaften genutzt. Sie sind alle längst ausgemustert worden. Überlebt haben einige von der Bundeswehr übernommene Fernmeldebauwagen beim Deutschen Roten Kreuz. Von ihren aus dem Luftschutzhilfsdienst stammenden Verwandten unterscheiden sie sich wie gesagt durch die fehlende Scherenmechanik beim Verdeck.


Fernmeldebauwagen, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 57, von der Bundeswehr übernommen durch den DRK-Ortsverein Garbsen.


Fernmeldebauwagen, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 1961, Übernahme von der Bundeswehr, Anfang der 1990er Jahre eingesetzt beim DRK-OV Moers. Die Alu-Klappleiter wirkt viel zu modern, der Funkmast am Heck gehörte nicht zur Standardausstattung von Fernmeldebauwagen.


Auch zur DLRG gelangten ein paar Kübelwagen. Zeigen können wir nur diesen einen hier:


Gerätewagen-Wasserrettung, Borgward B 2000 A/O 0,75t gl, Bauj. 1957. Die DLRG-OG Mölln erwarb den Kübelwagen 1970 von der Bundeswehr, lackierte ihn im damals üblichen organisationseigenen Hellblau und veränderte ihn für eigene Zwecke. Ende 1981 wurde das Fahrzeug für 200 DM an die DLRG-OG Büchen weiterverkauft, wo es auf das aktuelle Weiß umlackiert bis 2000 im Einsatz blieb.

(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Fotos: Thomas Dotzler, Helmut Elstrodt, Klausmartin Friedrich, Siegfried Hiltensberger, Helmut Kunert, Claus Tiedemann, Jörg Uhlig, Markus Zemsch.

Literatur (u.a.):
Graf, Helmut: Bremer Spezialitäten. In: Last & Kraft, Sonderedition 1/2006 Historische Feuerwehr-Fahrzeuge. Stuttgart, 2006.

 Michels, Peter: Borgward Lastwagen & Omnibusse 1945-1961. Brilon, 2007.


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