Unterwegs in der Mitte Deutschlands (Teil 1)

Montag, 18. Oktober 2021

Unterwegs in der Mitte Deutschlands (Teil 1) Idee, Planung, Vorbereitung und eine Zufallsbegegnung

In den nächsten Monaten wird unter diesem Titel auf eine Fototour zu zahlreichen Feuerwehren in den Landkreisen Eichsfeld, Göttingen, Nordhausen, Mansfeld-Südharz sowie im Kyffhäuserkreis und Unstrut-Hainich-Kreis zurückgeblickt. Da diese Exkursion bereits vor 10 Jahren durchgeführt wurde, kann gelegentlich auch ein Blick auf die weitere Entwicklung geworfen werden.

Es soll hier keine Diskussion losgetreten werden, wo genau die Mitte Deutschlands liegt, denn je nach Berechnungsmethode und Ansatz führt das zu unterschiedlichen Ergebnissen. Klar ist jedoch, sie liegt irgendwo im nordwestlichen Thüringen bzw. in den angrenzenden Gebieten von Nordhessen oder Südniedersachsen. Eben diese Mitte Deutschlands war das ungefähre Ziel einer einwöchigen "Fotosafari" im Juli 2011.

Was mich gereizt hatte, war die Tatsache, dass über den Feuerwehrfahrzeugbestand dieser Gegend herzlich wenig bekannt war. Die Fachbuchautoren hatten bisher nur vereinzelt Fahrzeuge vorgestellt, in den einschlägigen Internetgalerien (auch hier in unserer Galerie) herrschte gähnende Leere. Die Befragung der "üblichen Verdächtigen", die in der näheren Umgebung ihr Zuhause hatten, brachte ebenfalls wenig Ergebnisse.

Anfang des Jahres 2011 begann ich im Internet zu stöbern, ob nicht doch irgendetwas herauszufinden sei – und siehe da! Es gab dort tatsächlich Feuerwehren, die auch Fahrzeuge hatten. Wer hätte das gedacht! Meine anfängliche Befürchtung, es gäbe flächendeckend ausschließlich Kleinlöschfahrzeuge vom Typ KLF-Thüringen, bestätigte sich ebenfalls nicht. Im Nachhinein muss ich sagen: Wir haben kaum welche angetroffen – vermutlich auch, weil wir gezielt andere Orte angefahren haben.


Kleinlöschfahrzeug-Thüringen (KLF-Th), Mercedes-Benz Sprinter 314, Brandschutztechnik Müller, Bauj. 1999, FF Schiedungen (Gemeinde Hohenstein)

Wir, das waren mein langjähriger Freund und Hobbykollege Karl-Ludwig und ich. Seit den frühen 1980er Jahren kennen wir uns und hatten schon einige Fototouren gemeinsam unternommen, mal bei ihm am Rand des Ruhrgebietes, dann wieder in meinem Wohnumfeld Niedersachsen. Dieses Mal wollten wir eine ganze Woche investieren und eine für uns beide unbekannte Gegend aufsuchen.

Als Quartier hatten wir uns eine nette Pension am Rand von Nordhausen gesucht, die sich dann auch noch verpflegungsmäßig als absoluter Glücksgriff entpuppte. Wir hatten schon lange nicht mehr für so wenig Geld so gut und reichlich gegessen.

Noch ein paar Worte zur Recherche im Vorfeld: Sie war zeitaufwändig und nervenaufreibend. Ursachen waren neben den dünnen Informationen über die Feuerwehren im Internet die nicht besonders aussagekräftigen Homepages der Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften. Dazu kam die Tatsache, dass nur ungefähr ein Drittel der Funktionsträger in den Feuerwehren überhaupt im Telefonbuch stand. Eine große Hilfe waren nicht zuletzt die MitarbeiterInnen der Ordnungsämter, die natürlich wussten, wer in ihrer Gemeinde bei der Feuerwehr „den Hut auf hat.“ Am Ende haben wir fast jede Telefonnummer herausbekommen und Termine machen können. Mehr Besuche wären zeitlich und kräftemäßig ohnehin nicht drin gewesen.

Wir trafen uns am frühen Montagvormittag in Göttingen und ließen in einer ruhigen Seitenstraße ein Auto stehen. Kleidung für jedes zu erwartende Wetter, Regenschirme, mehrere Träger mit Mineralwasserflaschen, Kekse, Müsliriegel und andere wärmebeständige Esswaren für eine Woche wanderten in den Kofferraum des anderen Wagens. Dazu kam die „Sicherungstechnik“ für unsere Ergebnisse: Laptops, auf die jeden Abend die Ausbeute des Tages gezogen werden sollte, DVDs als zweite Rückfallebene sowie die schon etwas älteren Reservekameras, auf die wir unter keinen Umständen verzichten wollten. Vorsichtshalber hatte Karl-Ludwig auch noch sein Stativ dabei. Aus leidvoller Erfahrung wussten wir, wie dunkel der Himmel auch im Sommer werden kann. Im Rückblick lässt sich sagen: Von der Technik haben wir nur die Laptops und DVDs benötigt, es hat alles bestens geklappt.

Hinter die Vordersitze kamen die Hauptkameras, auf die Rückbank die Ordner mit unserer Reiseplanung sowie Fotoalben mit älteren Aufnahmen. Mit dem Durchblättern von Fahrzeugbildern ließen sich Gerätewarte und Maschinisten häufig erfreuen. An der Frontscheibe klebte ein einst billig erworbenes, inzwischen altersschwaches Navigationsgerät, dessen Datenspeicher sich nicht „updaten“ ließ und das offensichtlich mal für LKW-Fahrer gedacht gewesen war: Das Kommando „bitte wenden“ kannte es nicht, es wollte immer Schleifen fahren lassen. Darüber später mehr.

Nur zum Verständnis: Smartphones waren vor 10 Jahren noch sehr teuer und nur bedingt zur Navigation geeignet. Karl-Ludwig und ich hatten sowieso keine, und da wir beide noch analog aufgewachsen waren, nutzten wir lieber einen sehr guten, weil aktuellen Autoatlas, in den vom Verlag aus schon die Masse der Feuerwehrhäuser eingezeichnet war.

Der erste Tag war ganz dem westlichen Eichsfeld im Landkreis Göttingen gewidmet. Landschaftlich wird dieses Gebiet als Teil des „Unteren Eichsfelds“ bezeichnet. Von Göttingen her ging es zunächst nach Duderstadt. Die ehemalige Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises lag bis zur Vereinigung der beiden deutschen Staaten in einer extremen Randlage zwischen Harz und „Zonengrenze“. Über mehrere Kilometer zog sich die innerdeutsche Grenze am Stadtgebiet entlang. Dennoch gelang es einigermaßen, eine gesunde wirtschaftliche Basis zu bewahren. Darauf wird in den nächsten Teilen noch eingegangen werden.

Auf dem Weg zu unserem ersten Termin, schon in Duderstadt, fiel mir vor einer Arztpraxis ein ungewöhnlicher Krankenwagen mit einem mir unbekannten Logo auf. Schnell wurde gewendet, aber kaum, dass ich einen Parkplatz gefunden hatte, kam die Besatzung schon und fuhr zügig los. So entstanden nur noch Notaufnahmen des Gefährtes. Was hatte ich fotografiert?

Erst bei näherer Betrachtung der Bilder und durch Recherche im Internet konnte ich etwas zum Eigentümer des Notfallkrankenwagens sagen. Er gehörte der Firma Krankentransport F.J. Reinhold GmbH (KTR), die vom benachbarten Gieboldehausen aus qualifizierten Krankentransport anbot. Heute firmiert der Dienstleister dort unter dem Namen R+ Meditransport (R+ Gruppe) und betreibt weitere Standorte in Hannover und Einbeck, ein Stützpunkt in Northeim ist aktuell im Bau.

Der Notfallkrankentransportwagen (NKTW) selbst nutzte ein für deutsche Einsatzfahrzeuge eher seltenes Fiat-Fahrgestell des Typs Ducato 160 Multijet. Die Ausbaufirma B.A.U.S. AT wiederum wurde 2001 von Herrn Franz Baus gegründet und hat ihren Sitz nicht – wie man wegen „AT“ annehmen sollte – in Österreich. Die Abkürzung bedeutet hier „Advanced Technologie“: Tatsächlich ist das Werk in Łysomice bei Torun (Polen), in Berlin existiert eine der Niederlassungen.

Auch das zweite in unserer Datenbank vorhandene Fahrzeug der R+ Gruppe wurde von B.A.U.S ausgebaut.


NKTW, Fiat Ducato 160 Multijet, B.A.U.S., Krankentransport Reinhold GmbH, Gieboldehausen


Das war zwar ein unverhoffter Auftakt, aber unser Ziel waren eher die fest vereinbarten Termine. Um 11:00 Uhr stand der erste bei der WF Otto Bock an. Darüber demnächst mehr.

(wird fortgesetzt)

Text und Fotos: Klausmartin Friedrich


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