Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 23

Donnerstag, 25. Mai 2017

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 23 - Mercedes-Benz L 3500 und L 311 (Baujahre 1950-1960), sonstige deutsche Feuerwehrfahrzeuge

Seit Februar 2016 wurden in 16 Folgen die für deutsche Feuerwehren produzierten Fahrzeuge auf den Fahrgestellen Mercedes-Benz L 35000 bzw. L 311 vorgestellt. Übrig geblieben sind die Gerätewagen und ein paar Einzelstücke und Eigenumbauten, die sich keiner der bisher vorgestellten Kategorien zuordnen ließen. Diese sollen jetzt präsentiert werden.

Rüst- und Gerätewagen wurden in den 1950er Jahren bei weitem noch nicht so zahlreich beschafft wie heute. Allenfalls große Berufs- oder Werkfeuerwehren statteten ihre Fuhrparks damit aus. Als Beispiel sei hier noch einmal der bereits in Teil 10 vorgestellte und als Rüstwagen bezeichnete GW aus Salzgitter gezeigt.


„Rüstwagen“, Mercedes-Benz LAF 3500/42, Metz, Baujahr 1955, geliefert an BF Salzgitter, ab 1980 im Einsatz bei der FF Salzgitter-Thiede.

Das Land Nordrhein-Westfalen war eines der ersten, das aus Landesmitteln Gerätewagen beschaffte, die in etwa mit späteren RW 2 vergleichbar waren. Wie viele es waren, liegt im Dunkel der Geschichte, auch der Verteilungsschlüssel ist unklar. Nachgewiesen als Basisfahrzeuge sind Ford FK 3500 und Mercedes-Benz.

Letztere wurden erstaunlicherweise sowohl mit Straßen- als auch mit Allradantrieb geliefert. Die BF Leverkusen nutzte ab 1958 einen Mercedes-Benz LF 311/36 als Gerätewagen, der von Bachert erstellt worden war. Gegen Ende der 1970er Jahre wurde er zum GW-Öl umgerüstet und schließlich Mitte der 1980er Jahre ausgemustert. Ein vom Bachert-Aufbau her fast identischer, aber allradgetriebener Mercedes-Benz LAF 311/36 von 1959 ist aus Würselen bekannt und kann auf der Website unseres Adminkollegen Carsten Michalski angesehen werden: http://www.cm-foto.de/details.php?image_id=5487 .

In Rheine tat ein 1960 von Metz ausgelieferter GW auf Mercedes-Benz LAF 311/36 seinen Dienst, bis er seines Aufbaus beraubt und zu einem Pritschen-LKW umfunktioniert wurde.

Eine der größten Werkfeuerwehren in der Bundesrepublik Deutschland war (und ist) die der Bayer AG in Leverkusen. Sie beschaffte im Jahre 1959 einen so genannten Katastrophenwagen auf Mercedes-Benz LF 311/36 mit Metz-Aufbau. Der Koffer war von hinten her begehbar, von seinem Konzept her erinnerte er ein wenig an die in den USA – auch heute noch –als „Walk-In Rescue Truck“ üblichen Rüstwagen. Nach der 1975 erfolgten Indienststellung eines modernen RW2 wurde der Langhauber zum Gerätewagen Atemschutz umgebaut und stand noch bis in die späten 1980er Jahre hinein der Werkfeuerwehr zur Verfügung.


GW-A, Mercedes-Benz LF 311/36, Metz, Baujahr 1959, geliefert als „Katastrophenwagen“ an die WF Bayer AG, Leverkusen, ab 1975 genutzt als Gerätewagen Atemschutz bis Ende der 1980er Jahre.

Sicherlich eines der schönsten jemals gebauten Feuerwehrfahrzeuge auf dem Mercedes-Benz L 3500 war der Grubenrettungswagen der WF Rheinpreußen AG in Homberg. Das omnibusähnliche Gefährt diente zum Transport einer zwölf Mann starken Grubenrettungseinheit zu den verschiedenen Rheinpreußen-Schachtanlagen und ggf. auch denen anderer Betriebe. Alle Grubenwehren leisteten sich selbstverständlich bei Bedarf gegenseitig Hilfe.

Dem damaligen Zeitgeschmack entsprechend hatte die Firma Müller aus Düsseldorf-Reisholz ein Fahrzeug geschaffen, das Jahrzehnte lang der Stolz der Feuerwehrangehörigen des später Chemische Werke Meerbeck genannten Unternehmens war. Die für Einsätze unter Tage üblichen Kreislaufgeräte (Regenerationsgeräte) wurden dabei hinter von außen zugänglichen Klappen mitgeführt Gleichzeitig dienten die Klappen als Ablagetisch während der Ausrüstung der Kumpels vor dem Einfahren in den Schacht. Es war eines der meistfotografierten Feuerwehrfahrzeuge gegen Ende der 1980er Jahre. Umso weniger verständlich ist, dass es schließlich (soweit bekannt) verschrottet wurde.


Grubenrettungswagen, Mercedes-Benz L 3500/42, Müller (Düsseldorf-Reisholz), Baujahr 1951, geliefert an die WF Rheinpreußen AG, Homberg, gegen Ende der 1980er Jahre vermutlich verschrottet.


Grubenrettungswagen der WF Rheinpreußen AG, Homberg. Die Kreislaufgeräte ließen sich von außen entnehmen.

In jedem größeren Werk der Daimler-Benz AG standen Gerätewagen auf Mercedes-Benz bei den Werkfeuerwehren. Häufig waren es Umbauten ehemaliger Feuerwehrfahrzeuge oder Neuaufbauten auf älteren Fahrgestellen vom Typ L 3500 bzw. L 311. Zeigen können wir leider keines dieser Fahrzeuge.

Noch viel häufiger als zu Schlauchwagen wurden Löschgruppenfahrzeuge oder Tanklöschfahrzeuge zu Gerätewagen aller Art umgebaut. Neben dem schon vorgestellten Fahrzeug aus Bockhorn gab es derartige Exemplare beispielsweise in Halver, Kamen, Landau, Leimen, Mölln, Neviges und Nieder-Florstadt. Ein Fahrzeug aus Hürth können wir wieder auf der Seite von Carsten Michalski zeigen: http://www.cm-foto.de/details.php?image_id=5173 .

In der ersten Hälfte der 1980er Jahre war der Landkreis Friesland bestrebt, über seine Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) in Jever die Wehren im Kreisgebiet mit Gerätewagen auszustatten. Dabei wurde aus Kostengründen nahezu ausschließlich auf gebrauchte Fahrzeuge zurückgegriffen, die entsprechend umgerüstet wurden. Für den GW-Öl der FTZ selbst bediente am sich eines 1956 von der BF Oldenburg beschafften TLF 16-T, das man günstig ersteigert hatte.


GW-Öl, Mercedes-Benz LAF 311/36, Graaff, Baujahr 1956, geliefert als TLF 16-T an die BF Oldenburg, Anfang der 1980er Jahre erworben durch den Landkreis Friesland und in der Feuerwehrtechnischen Zentrale Jever zum GW-Öl umgebaut-

Bisweilen benötigen Feuerwehren auch simple LKW. Mercedes-Benz L 3500/42 mit Pritsche und Plane waren z.B. ab 1952 an den Staatlichen Feuerwehrschulen Regensburg und Würzburg vorhanden, bei der FF Velbert stand 1985 noch ein Mercedes-Benz L 3500/36 in der Reservehalle.


LKW, Mercedes-Benz L 3500/36, bis in die späten 1980er Jahre im Einsatz bei der FF Velbert.

Zuletzt soll noch ein interessanter Eigenbau der FF Emden vorgestellt werden. Auf das Fahrgestell eines 1956 in Dienst genommenen Metz-TLF 16-T vom Typ Mercedes-Benz LAF 311/36 setzten die hauptamtlichen Wehrmänner 1977 einen gebraucht erworbenen so genannten NATO-Koffer aus Bundeswehrbeständen. Anschließend wurde eine Ausstattung eingebaut, die in etwa den Vorgaben der Technischen Weisung Nr. 4 des Landes Niedersachsen für Einsatzleitwagen entsprach. So tat die „Einsatzleitstelle Dollart“ noch etwa 20 Jahre ihren Dienst.


ELW 2, Mercedes-Benz LAF 311/36, Eigenbau aus TLF 16-T (Metz, Baujahr 1956) und ehem. Koffer der Bundeswehr, Umbau 1977, FF Emden.



(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Klausmartin Friedrich, Claus Tiedemann.

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