Screener's choice, die Dritte...

Freitag, 12. Oktober 2018

Hinter den Kulissen der "SC"

Der dritte Teil unser Würdigung von bisherigen Fotos, die in unseren "Screener's choice" aufgenommen wurden...

Kreativität mit Belichtungszeiten

In der heutigen Folge widmen wir uns mal ein wenig den Gestaltungsmöglichkeiten der Belichtungszeit. Dazu ein kurzer Ausflug in die Aufnahmetechnik - wie entsteht eigentlich so ein Foto?

Etymologisch betrachtet kommt das Wort "Fotografie" aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt so viel wie "Malen mit Licht" - wie ich finde, eine der schönsten Beschreibungen für diese Kunstform.

Die allerersten Kameras waren nichts anderes als eine Box mit einem verschließbaren Loch auf der einen und einer lichtempfindlichen Fläche auf der anderen Seite. Um den Lichteintrag für das zu erstellende Foto nun regulieren zu können, bietet die Fototechnik drei hauptsächliche Variablen:

  • Belichtungszeit: Das Lichteintrittsloch (Blende) bleibt nur für eine bestimmte Zeit offen
  • Blendenöffnung: Das Lichteintrittsloch kann in seiner Größe verändert werden und lässt so unterschiedlich viel Licht pro Zeiteinheit hinein
  • Lichtempfindlichkeit: Das lichtempfindliche Medium (früher Film, heute Sensor) reagiert unterschiedlich stark auf das einfallende Licht

Doch welche Effekte lassen sich durch unterschiedliche Belichtungszeiten erreichen?

 

Eine relativ kurze Belichtungszeit hat hier Siegfried Hiltensberger gewählt. Zu sehen ist hier der Christoph 17 aus Kempten im An- oder Abflug - bei einer maximalen Rotorumdrehung um die 400 Umdrehungen pro Minute muss man schon eine Verschlusszeit von kleiner 1/250s benutzen, um die Rotorblätter fast scharf abbilden zu können.

 

Je länger man die Verschlusszeit wählt, desto schlechter sind die einzelnen Rotorblätter erkennbar und werden zu einer "Drehscheibe" - ein optischer Effekt, den man ja auch gerne im Zeichentrick verwendet, um Dynamik und Schnelligkeit darzustellen. Genau das hat unser Hubschrauber-Spezialist Johannes Herrmann bei dieser Aufnahme einer österreichischen Agusta A 109E getan, so dass sich schön der Effekt der gänzlich verschwommenen Rotorblätter zeigt.

 

Dieses Foto von Thomas Stephan zeigt das Flughafenlöschfahrzeug FLF 12.500 der Betriebsfeuerwehr Flughafen Zweibrücken in seinem natürlichen Lebensraum, nämlich im Bereich der Start- und Landebahn. Auch hier haben wir eher einen dezenten Einsatz der Langzeitbelichtung von 1/50s - das hinter dem Fahrzeug startende Flugzeug wird nur leicht unscharf dargestellt. Mit einer kürzeren Belichtungszeit hätte man das Flugzeug problemlos scharf abbilden können - auch so bekommt das Foto ein zusätzliches interessantes Highlight, was zur Wahl als "SC" sicher geholfen hat.

 

Christian Schenk hat hier den Vorausrüstwagen (VRW) der Freiwilligen Feuerwehr Horb am Neckar vor einem schönen Ambiente abgelichtet. Die längere Belichtungszeit fällt hier nicht sofort ins Auge, sondern kommt eher dezent daher. Der verbaute Hella RTK 6-SL-Balken hat Doppelblitzleuchten mit Rinnenparabolblitzen - um diese beide aktiv zusammen mit den Hänsch-Sputnik-pico-Frontblitzer ohne Retousche gleichzeitig aufs Foto zu bekommen, muss man entweder wirklich ungemein viel Glück haben oder einfach etwas länger belichten, um so alle vier Blaulichtquellen nacheinander blitzend aufs Foto zu bekommen.

 

 Auf diesem Foto von Stefan Mühlmann kommen wir der Thematik "Kreative Bildgestaltung mit Langzeitbelichtung" schon deutlich näher. Auf diesem Foto ist der Gerätekraftwagen (GKW 1) des Technischen Hilfswerks Ortsverband Nürnberg - Heros Nürnberg 27/51 - an einer Einsatzstelle zu sehen. Da es sich um eine Nachtaufnahme handelt und somit weniger Licht zur Verfügung steht, muss eine von unseren drei Möglichkeiten für den Lichteinfall verändert werden. Stefan hat sich hier für die Belichtungszeit entschieden und neben dem erkennbaren Motiv wurden so die sich bewegenden Fahrzeuge auf der linken Spur nicht erkennbar abgebildet, sondern nur als verwischte Schemen - sehr schön dagegen bilden sich die hellen Lichter der Fahrzeuge als Streifen ab und verleihen dem Foto damit eine schöne Dynamik und Linienführung.

 

Auf dieser Aufnahme von Patrik Kalinowski sieht man schön die gestalterischen Möglichkeiten, die Langzeitbelichtungen bieten. Auch dies eine Nachtaufnahme mit wenig zur Verfügung stehendem Licht - allein um das Fahrzeug so schön hell darstellen zu können, müssen die Einstellungen stimmen. Mit Hilfe eines Statives konnte hier eine Belichtungszeit von 40s gewählt werden.
Zusätzlich gibt es auf dem Foto auch noch Aktivität, Feuerwehrmänner gehen verschiedenen Tätigkeiten nach. Ein erster Blick könnte vermuten lassen, dass es sich dabei um fünf Personen handelt - in Wahrheit handelt es sich aber nur um zwei Feuerwehrler.
Der Maschinist startet links von seiner Startposition Richtung Pumpe und der Kollege rechts mit dem Schnellangriff zur Löschposition. Der Fotograf hat die Feuerwehrler auf ihren sichtbaren Positionen kurz verharren und dann zur nächsten bewegen lassen - durch die geringe Lichtstärke können die Bewegungen zwischen den Stops nicht erfasst werden.

 

Text: Brian Peschke
Fotos: Siegfried HiltensbergerJohannes Herrmann, Thomas Stephan, Christian Schenk, Stefan Mühlmann, Patrik Kalinowski

(Unten gibt es die Links zu den Datensätze der Fahrzeuge, wo ihr euch dann auch alle anderen Aufnahmen anschauen könnt.)


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