Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 25

Mittwoch, 19. Juli 2017

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 25 - Mercedes-Benz L 4500 bzw. L 312 (Baujahre 1953-1961)

Sehr schnell nach der Vorstellung des Mercedes-Benz L 3250 und seiner alsbald erfolgten Auflastung zum L 3500 verlangte die im Wiederaufbau befindliche westdeutsche Wirtschaft nach einem Modell mit 4 ½ Tonnen Ladefähigkeit. Für die deutschen Feuerwehren war diese Größenordnung weitgehend uninteressant, für andere Dienststellen und den Exportmarkt schon eher.

Der schon während des 2. Weltkriegs produzierte L 4500 wurde zwar weiterhin in Gaggenau gebaut, er war aber inzwischen über die Stufe L 5000 zum L 5500 gewachsen. Außerdem war er in seiner Grundkonzeption vom Ende der 1930er Jahre her kaum verändert worden, zusätzlich hatte er immer noch den Makel eines zu hohen Eigengewichtes im Verhältnis zur Zuladung. Über diese Baureihe wird in späteren Artikeln noch berichtet werden.

Was die Spediteure wollten, war ein Fahrzeug mit den Eigenschaften des in Mannheim gebauten L 3500, nur eben mit mehr Transportkapazität. Die Daimler-Benz AG kam diesem Wunsch nach und stellte im März 1953 den „neuen“ L 4500 vor – und er sah aus wie ein L 3500. Das war Absicht, denn durch die weitgehende Nutzung von Komponenten aus der leichteren Baureihe wollte man die Produktionskosten senken.

Das Führerhaus war ganz einfach vom L 3500 übernommen worden, beim Rahmen griff man ebenfalls auf Bewährtes zurück und veränderte ihn nur wenig. Er war etwas verstärkt worden, die Querträger wurden genietet, das brachte ausreichend Steifigkeit. Teleskopstoßdämpfer vorne verbesserten die Straßenlage, größere Reifen die Tragfähigkeit. Als Radstände wurden wieder 3.600 mm und 4. 200 mm angeboten. Eine entsprechende Allradversion hieß LA 4500, der Kipper LK (oder ggf. LAK) 4500.

Als Motor wurde wie im L 3500 der OM 312 verwendet, der zunächst nur 90 PS (66 kW) bei 2.800 U/min lieferte. Auch wenn kurz nach Produktionsbeginn des L 4500 bereits die stärkere Version (100 PS / 74 kW bei 3.000 U/min) zur Verfügung stand, wurde sie erst 1956 zur Standardausstattung. Daneben gab es auch hier ab 1954 den aufgeladenen Motor OM 312 A mit 115 PS, der aber – nicht zuletzt wegen des hohen Wartungsaufwandes aufgrund seiner thermischen Probleme – nur für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehren vorgesehen war.

Die Verwendung derselben Motorenbaureihe bei einem nun schwereren Fahrzeug war nicht ganz unproblematisch. Zur Erhöhung der Zugkraft und vor allem mit dem Ziel einer größeren Steigfähigkeit wurde eine kürzere Hinterachs-Übersetzung als im L 3500 verwendet. Damit einher ging eine Verringerung der Höchstgeschwindigkeit von ca. 83 auf 73 km/h. Durchzugsvermögen und 1.000 kg mehr Nutzlast waren einfach wichtiger als eine – selten zu nutzende – hohe Endgeschwindigkeit.

Wie alle LKW der Daimler-Benz AG musste auch der L 4500 im Jahre 1955 eine Namensänderung über sich ergehen lassen. Ab jetzt hieß er L 312, so wie der darin verwendete Motor OM 312. Der werkelte aber auch im L 3500 bzw. L 311, und selbst Fachleute kamen und kommen manchmal durcheinander, wenn sie ein Fahrzeug identifizieren sollen. Letztendlich hilft nur ein Blick aufs Typenschild. Ein anderer Weg ist ein Abgleich der 4. bis 6. Ziffer der Fahrgestellnummer (die beginnt immer mit 312!) mit entsprechenden Listen aus dem Hause Daimler-Benz. Zu allem Überfluss sollen auch noch alle Exportfahrzeuge (unabhängig von der Tonnage) ab 1955 die Verkaufsbezeichnung L 312 erhalten haben.

Der L 4500 bzw. L 312 wurde zum Verkaufshit der Daimler-Benz AG. In acht Jahren wurden insgesamt 73033 Exemplare gebaut, von seinen kleinen Brüdern L 3250, L 3500 und L 311 zusammen sind es rund 55.000 Stück gewesen. Etwa 7.700 der Viereinhalbtonner wurden in der Allradversion gefertigt, beim LA 3500 bzw. LA 311 waren es nur ca. 3000 Fahrzeuge.

Wie bereits anfangs erwähnt, war ein 4,5-Tonner für deutsche Feuerwehren weitgehend uninteressant. Hier reichten im Normalfall 3.500 kg Nutzlast aus. Einige weniger Wehren, die ihre Fahrzeuge deutlich über die ab 1957 gültige Vornorm hinaus ausrüsteten, griffen auf das schwerere Fahrgestell zurück. Nicht immer ist das aktenkundig. Als Beispiel sei hier noch einmal das bereits in Teil 16 gezeigte LF 16 der FF Westhofen angeführt, bei dem es sich nach einigen Quellen um einen Mercedes-Benz LAF 312 handeln soll.


LF 16, Mercedes-Benz LF 313/42 (oder 311/42), Meyer-Hagen, Baujahr 1959, FF Westhofen.

Im Ausland, vor allem in der Schweiz, wurden sehr viel häufiger Viereinhalbtonner bei den Feuerwehren eingesetzt. Dort war die Firma Aebi als Importeur für Metz-Fahrzeuge aktiv. Ein 1954 ausgeliefertes TLF 1200 in Metz-Omnibusbauart auf Mercedes-Benz LF 4500/42 war bei der Feuerwehr der Gemeinde Morges im Kanton Waadt (franz. Vaud) im Einsatz, wie dieses pdf-Dokument zeigt. Die Angabe von nur 70 PS ist sicherlich nicht richtig. Die im gleichen Dokument gezeigte 1958 gekaufte DL 25 wird als LF 3500/42 angegeben, nach Recherchen des bekannten Autors Klaus Fischer soll es aber ein Fahrgestell vom Typ LF 312/42 gewesen sein. Fischer geht gleichzeitig davon aus, dass das TLF 1200 in Wirklichkeit ein LF 3500/42 war, die Daten also verwechselt wurden. Möglich ist es.

In den Jahren 1954/55 wurden mehrere TLF 1200 (mit TS) und TLF 1800 in das Kanton Waadt geliefert, überwiegend wohl mit Allradantrieb. Unklar ist, ob es zum Teil Dreieinhalb -oder alles Viereinhalbtonner waren. Erhalten ist vermutlich nur noch ein Fahrzeug: https://www.youtube.com/watch?v=IzbJKnnsDRI

Die Feuerwehr Thun (Kanton Bern) erwarb 1958 bei Metz ein TLF 2400 auf Mercedes-Benz LAF 312/42. Gegen Ende seiner Einsatzzeit wurde es 1983 zum Ölwehrfahrzeug umgebaut.

Eines der wenigen Bachert-Fahrzeuge in der Schweiz hatte die FF Birsfelden im Dienst, Ihr TLF 2400 besaß ein Fahrgestell vom Typ LAF 312/42 und war von 1957 bis 1992 im Einsatz. Seitdem wird es als Traditionsfahrzeug erhalten.

Der Flughafen Zürich-Kloten verfügte gegen Ende der 1950er Jahre gleich über drei Fahrzeuge, die bei Metz geordert wurden. Neben einem FLF 25 und einem Zubringerfahrzeug vervollständigte ein TroLF 1500 den Löschzug. Anders als bei den von der Royal Air Force auf ihren Militärflugplätzen in Deutschland genutzten Pulverlöschfahrzeugen mit Total-Löschanlage, stammte sie hier von der Firma Primus.


TroLF 1500, Mercedes-Benz LAF 312/36, Metz, Löschanlage Primus, Baujahr 1956, bis 1974 auf dem Flughafen Zürich-Kloten im Einsatz, von 1974 bis 1995 dann bei der FF Wallisellen. Seitdem ist es als Museumsfahrzeug in Privatbesitz. Der aufgesetzte Pulverwerfer entspricht nicht der ursprünglichen Ausstattung. In Zürich war das Fahrzeug außerdem komplett rot lackiert gewesen.


Heckansicht des ehemaligen TroLF 1500 vom Flughafen Zürich. Links und rechts vom hinteren Gerätekasten (für div. Feuerlöscher) konnte je ein Feuerwehrmann stehend mitfahren – inzwischen längst verboten.

Das Züricher FLF 25 war ein Mercedes-Benz LAF 4500/42 von 1955 und von der Konzeption her ähnlich wie die ein Jahr zuvor an deutsche Flughäfen ausgelieferten FLF 25. Mitgeführt wurden 2.400 Liter Wasser und 250 l Schaummittel. Der Flughafen Zürich verkaufte das Flugfeldlöschfahrzeug 1969 an den Flughafen Bern-Belp, wo es bis 1988 genutzt wurde. Danach erwarb ein Sammler aus Süddeutschland das Einzelstück, evtl. besitzt er es noch heute.

Das Zubringerfahrzeug, ein Mercedes-Benz LAF 312/42 mit Truppkabine und Metz-Aufbau von 1957, führte 4.000 Liter Wasser und 400 Liter Schaummittel mit. Es wurde 1972 an die FF Rümlang bei Zürich verkauft. Sechs Jahre später ging es an die BtF Maag in Dielsdorf, die es ihrerseits 1994 wieder zum Kauf anbot. Danach verliert sich seine Spur.

Mindestens je ein FLF 25 und TroLF 1500 waren auf dem Flughafen Basel-Blotzheim im Einsatz, beide soweit bekannt Mercedes-Benz LAF 4500/42 bzw. LAF 312/42 mit Metz-Aufbauten. Das Flugfeldlöschfahrzeug ähnelte stark den bekannten FLF 25, das Pulverlöschfahrzeug mit der Primus-Anlage entsprach dem oben gezeigten TroLF, es fehlte allerdings der Gerätekasten auf dem hinteren Standblech. Über ein Zubringerlöschfahrzeug ist im Moment nichts bekannt.

Der Flughafen Genf-Cointrin nutzte ein Fahrzeug, das sozusagen FLF 25 und Zubringerfahrzeug auf einem Fahrgestell vereinte. Der Mercedes-Benz LF 312/42 wurde 1956 bei Metz mit einer Mittelpumpe des Typs MP 25 sowie Tanks mit 3000 Litern Wasser und 320 Litern Schaummittel versehen. Nachdem in Genf Ersatz beschafft worden war, wechselte das FLF 1976 zum Flugplatz Sitten (frz.: Sion) im Kanton Wallis, wo es weitere 22 Jahre im Dienst stand.

Metz exportierte weitere Flugfeldlöschfahrzeuge auf Mercedes-Benz LAF 312/42, beispielsweise für die Flughäfen von Addis Adeba (Äthiopien), Amman (Jordanien) und Bergen-Flesland (Norwegen).

Ein weiteres interessantes Fahrzeug war in den Niederlanden zu finden. Die Luftfahrtgesellschaft KLM betrieb auf dem Flughafen Schiphol mehrere Jahrzehnte lang eine eigene Werkfeuerwehr. In den 1950er Jahren war sie mit zwei Sonderlöschfahrzeugen auf Mercedes-Benz LA 3500/42 und eben auch mit einem LA 312/42 von 1957 ausgerüstet. Dieses war eine Kombination aus Gerätewagen und Pulverlöschfahrzeug. Der Aufbau stammte von der niederländischen Firma Akkermans, die Pulverlöschanlage von Total. Im Sommer 1975 stürzte das Fahrzeug bei einer Bewegungsfahrt um, der Aufbau wurde beschädigt. Auf das unversehrte Fahrgestell einschließlich Führerhaus wurde daraufhin ein Streuwagenaufbau montiert, der noch ein Jahr im Dienst blieb.
(Leider kann kein direkter Link zu einem Foto des GW/TroLF gegeben werden, aber über den obigen Link können alle KLM-Feuerwehrfahrzeuge betrachtet werden. Es lohnt sich!)


Die Karosseriefabrik Voll setzte ab der 2. Hälfte der 1950er Jahre eine Reihe von Küchenkraftwagen-Aufbauten auf Fahrgestelle vom Typ L 312/42. Ausgerüstet mit einem Feldkochherd Typ 56 der Firma Gebrüder Roeder AG (Darmstadt), wurden sie an das Deutsche Rote Kreuz übergeben. Sie waren für die zehn Hilfszugabteilungen bestimmt und im damals DRK-üblichen Grau lackiert.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden die Küchenkraftwagen immer wieder den Erfordernissen angepasst und teilweise modernisiert. 1995 wurde der Hilfszug aufgelöst und die Küchenkraftwagen den Landes- bzw. Kreisverbänden des DRK übereignet. Meist blieben sie dabei an den Orten, wo sie schon vorher stationiert waren.


Küchenkraftwagen, Mercedes-Benz L 312/42, Voll, Baujahr 58, zunächst eingesetzt im DRK Hilfszug, Abteilung VIII (Niedersachsen), seit 1995 Museumsfahrzeug im Eigentum des DRK-Landesverbandes Niedersachsen.


Küchenkraftwagen, Mercedes-Benz L 312/42, Voll, Baujahr 1961, bis 1995 im Besitz des DRK-Bundesverbandes und einer Hilfszugabteilung zugeordnet, seitdem beim DRK-Kreisverband Hamburg-Bergedorf stationiert. Auf dem unteren Bild sind die aufgesteckten Kamine zu sehen, für deren Montage ein Helfer auf das Laufrost zwischen Aufbau und Führerhaus klettern musste.


Neben diesen Fahrzeugen mit Straßenantrieb übernahmen einige DRK-Einheiten auch ausgemusterte Küchenkraftwagen der Polizei, des BGS und der Bundeswehr, dann meisten auf dem Allrad-Fahrgestell LA 312/42. Leider können wir keines dieser Fahrzeuge in unserer Galerie zeigen.

Das Land Nordrhein-Westfalen beschaffte für den Katastrophenschutz fahrbare Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Am bekanntesten sind sicherlich die dunkelgrünen Mercedes-Benz Frontlenker. Davor gab es aber schon Kurzhauber und sogar Langhauber, beide in einem relativ hellen Grün. Eines dieser seltenen Exemplare konnte nach seiner Ausmusterung 1986 in Bremen fotografiert werden, die Einrichtung war bereits einer Campingausstattung gewichen.


Trinkwasseraufbereitungsanlage, Mercedes-Benz LA 312 (oder LA 311?), Aufbauhersteller unbekannt, Baujahr um 1958, ursprünglich geliefert an den KatS des Landes Nordrhein-Westfalen, hier bereits als Wohnmobil genutzt. Eine Sondersignalanlage war bei den TWAA nicht üblich.

Vor allem bei Werk- und Betriebsfeuerwehren waren einige L 4500 bzw. L 312 anzutreffen, die zunächst im Werksfuhrpark als LKW gedient hatten und erst später zu Feuerwehrfahrzeugen mutierten. Beispiele dafür gab es als Gerätewagen in Werken der Daimler-Benz AG.

Hier gezeigt werden kann der von der Werkstatt des Flughafens Bremen für die dortige Werkfeuerwehr umgebaute Mercedes-Benz LA 4500/42. Auf das Fahrgestell eines Kehrblasgerätes aus dem Flughafen-Fuhrpark wurde um 1980 der Aufbau des Auslieferungsfahrzeugs einer Großbäckerei verkehrt herum aufgesetzt. Dadurch war der Koffer von der hinter dem Führerhaus montierten Plattform aus begehbar. Auch die Leiterteile wurden nach vorne hin entnommen. Das „Bäckerauto“ blieb bis 2003 im Dienst und wurde dann von einem Privatmann erworben 


GW, Mercedes-Benz L 4500/42, Fahrgestell Baujahr 1954, Eigenbau um 1980 aus dem Fahrgestell eines Kehrblasgerätes und dem Aufbau eines Brotlieferwagens. Im Einsatz auf dem Flughafen Bremen bis 2003.

Als letztes kann hier ein bei Feuerwehren in dieser Form eher ungewöhnliches Fahrzeug gezeigt werden. Die BF Krefeld hatte gegen Ende der 1980er Jahre noch einen Kipper im Dienst, der im typischen Grünton der LKW-Farbpalette der Daimler-Benz AG gehalten war. Während einer ansonsten völlig verregneten Fototour reichten ein paar Sonnenstrahlen, um das Fahrzeug in Szene zu setzen.


LKW-Kipper, Mercedes-Benz LK 312/36, Baujahr 1959, BF Krefeld.


(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Archiv Feuerwehr Bremen, Klausmartin Friedrich, Siegfried Hiltensberger, Stefan Kutsch, Christian Timmann, Olaf Wilke.

Literatur (u.a.):

 Daimler-Benz AG (Hrsg.): Mercedes-Benz L 4500: Nutzlaststarker Renner der Mittelklasse. Stuttgart, 2008.

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