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Bundesarbeitsgericht: Urteil zum Betriebsübergang im Rettungsdienst

26.08.2016

BAG_580Erfurt (pm) – Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat am Donnerstag (25.08.2016) ein Urteil zum Betriebsübergang im Rettungsdienst gesprochen. Eine Rettungsassistentin hatte nach einem Betreiberwechsel geklagt – ohne Erfolg.

Die Klägerin war seit April 2001 bei einer Hilfsorganisation beschäftigt, zuletzt als Rettungsassistentin. Die Organisation stellte den Rettungsdienst für den jetzt beklagten Landkreis sicher und betrieb vier Rettungswachen. 41 Arbeitnehmer wurden hierfür zu den Bedingungen der Arbeitsvertragsrichtlinien des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche in Deutschland (AVR) beschäftigt.

Ende 2010 entschied der Landkreis, den Rettungsdienst ab Juni 2011 selbst durchzuführen. Er kündigte die mit der Hilfsorganisation bestehenden Untermiet- und Mietverträge über die Rettungswachen, bestellte neue Rettungsfahrzeuge und schrieb die Stellen des Rettungsdienstes neu aus. Im Auswahlverfahren wählte der Landkreis aus 70 Bewerbern – neben den bereits zuvor bei der Hilfsorganisation tätigen 41 Beschäftigten – etwas mehr als zehn neue Kräfte aus. Damit sollte ein verändertes Schichtmodell umgesetzt werden.

Mit allen Beschäftigten schloss der Landkreis neue Arbeitsverträge zum 1. Juni 2011 ab. Diese sahen eine Probezeit vor und bezogen sich auf den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Die neuen Fahrzeuge kamen beim Landkreis ab dem 1. Juni 2011 zum Einsatz. Die von der Hilfsorganisation im Jahr 2006 beschafften Rettungsfahrzeuge übernahm der Landkreis – anders als die Einrichtungsgegenstände der Rettungswachen – nicht.

Mit ihrer Feststellungsklage hat die Klägerin geltend gemacht, der beklagte Landkreis sei im Wege des Betriebsübergangs nach Paragraph 613a BGB in die Rechte und Pflichten aus den Arbeitsverträgen mit der Hilfsorganisation eingetreten. Das Arbeitsgericht gab der Klage statt, das Landesarbeitsgericht wies sie hingegen ab.

Die Revision der Klägerin hatte vor dem Achten Senat des Bundesarbeitsgerichts keinen Erfolg (Urteil vom 25. August 2016 – 8 AZR 53/15). Der Senat gelangte zu der Überzeugung, dass das Landesarbeitsgericht die Klage im Ergebnis zutreffend abgewiesen hatte, weil die wirtschaftliche Einheit „Rettungsdienst“ nach dem Inhaberwechsel ihre Identität nicht bewahrt hatte.

Zur Erklärung: Ein Betriebs(teil)übergang im Sinne von Paragraph 613a Abs. 1 BGB liegt vor, wenn ein neuer Rechtsträger eine auf Dauer angelegte wirtschaftliche Einheit unter Wahrung ihrer Identität fortführt. Bei der Prüfung, ob eine solche Einheit ihre Identität bewahrt, müssen sämtliche den betreffenden Vorgang kennzeichnenden Tatsachen im Rahmen einer Gesamtbewertung berücksichtigt werden, ohne dass Teilaspekte isoliert betrachtet werden dürfen.

(26.08.2016; Symbolfoto: BAG)

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Rheinland-Pfalz: Mehr Rechte für Rettungskräfte

26.08.2016

Mainz (rd_de) – In Rheinland-Pfalz soll es künftig mehr Befugnisse für Rettungskräfte geben. Hierzu hat der Ministerrat am Dienstag (23.08.2016) eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht.

schaulustigeDie Änderung sieht vor, dass Gaffer in Zukunft auch den Anweisungen von Rettungskräften Folge leisten müssen. Bislang stellte das Nichtbefolgen von Anordnungen des Rettungsdiensts keine Ordnungswidrigkeit dar. Diese Befugnis ist aktuell nur Feuerwehr und Polizei vorbehalten.

Das soll sich nun mit der neuen Reglung ändern. „In Rheinland-Pfalz waren wir Vorreiter, die den Einsatzkräften des Rettungsdienstes die Möglichkeit an die Hand gaben, Platzverweise auszusprechen“, führt Innenminister Roger Lewentz aus. Die Gesetzesänderung geht weiter: Das Nichtbefolgen von Anweisungen des Rettungsdienstes stelle künftig eine Ordnungswidrigkeit dar.

Wie das Innenministerium mitteilte, sollen die Neureglungen im Landesbrand- und Katastrophenschutzgesetzt verankert werden. Außerdem sieht das Ministerium vor, die mögliche Geldbuße für Schaulustige von 5.000 Euro auf bis zu 10.000 zu erhöhen.

Der Landtag muss über die Gesetzesänderung noch abstimmen.

(26.08.2016; Symbolfoto: fluxart/fotolia.com)

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Intrathorakale Druckregulation – ein Thema im neuen Rettungs-Magazin

26.08.2016

ResQCPRBremen (rd_de) – Landauf, landab klagen die Rettungsdienste in Deutschland über fehlende Notärzte. Ist das Aachener Telenotarzt-System die Lösung des Problems? Im neuen Rettungs-Magazin gehen wir dieser Frage nach und erklären ferner, weshalb die intrathorakale Druckregulationstherapie für den Reanimationserfolg so wichtig ist.

Telenotarzt-Dienst

Seit dem 1. April 2014 betreibt die Firma P3 Telehealthcare den Telenotarzt-Dienst im Regelrettungsdienst der Stadt Aachen (NRW). Seitdem hat sich der Telenotarzt – neben luft- und bodengebundenem Rettungsdienst – als zusätzliches Einsatzmittel in der Notfallrettung etabliert. Nach gut zwei Jahren Laufzeit ziehen wir eine vorläufige Bilanz.

Intrathorakale Druckregulationstherapie

Unter der IPR-Therapie im Rahmen einer kardiopulmonalen Reanimation wird die intrathorakale Druckregulation verstanden. Zoll Medical hat hierfür das ResQCPR-System entwickelt – und kann erste Erfolge vorweisen. Wir erklären, wie die intrathorakale Druckregulationstherapie die Überlebenschance von Patienten mit Herzstillstand verbessern kann.

Schnittverletzung am Hals

Außerdem im neuen Heft: Der Fallbericht zu einer schweren Schnittverletzung am Hals. Das Team von „Christoph 53“ setzte unter anderem Videolaryngoskopie, Hämostyptikum und präklinische Transfusion ein, um das Leben eines jungen Trauma-Patienten zu retten. Der Bericht eines außergewöhnlichen Einsatzes.

RM_05_2016Rettungs-Magazin, Ausgabe 5/2016 – jetzt am Kiosk oder jederzeit zum Kiosk-Preis in unserem Rettungsdienst-Online-Shop beziehen. Natürlich können Sie das Rettungs-Magazin auch kostenlos testen oder die aktuelle Ausgabe bequem als digitales E-Paper herunterladen.

Das Rettungs-Magazin ist eine Zeitschrift der Verlagsgruppe Ebner, Ulm. Sie ist die einzige Fachzeitschrift in der Rettungsdienstbranche, die sich von der IVW prüfen lässt und sowohl im Abonnement als auch im Handel bundesweit erhältlich ist.

(26.08.2016; Foto: Zoll Medical)

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Erdbeben in Italien: Deutsche Hilfsorganisationen stehen bereit

26.08.2016

Rom (rd_de) – Deutsche Hilfsorganisationen sichern italienischen Rettungskräften nach dem schweren Erdbeben in Mittelitalien am Mittwoch (24.08.2016) ihre Hilfe zu.

Erdbeben in Italien - 2016
Wie die international tätige Hilfsorganisation ISAR Germany mitteilte, liegen entsprechende Hilfeersuchen bislang nicht vor. Die Rettungskräfte könnten auf Anforderung jedoch kurzfristig einsatzbereit sein.

Auch die Bergwacht des Deutschen Roten Kreuzes steht nach eigenen Angaben bereit, den italienischen Rettungskräften zu helfen, falls dies gewünscht werde.

Derweil läuft in den Unglücksorten die Rettung von Verschütteten auf Hochtouren. Mehr als 400 Freiwillige des Italienischen Roten Kreuzes sind in den am stärksten betroffenen Gebieten im Einsatz. Weitere 3.400 Freiwillige sind laut Rotem Kreuz in Rufbereitschaft.

„Suchhunde sind im Einsatz, um Verschüttete zu finden, gleichzeitig ist es wichtig, die Betroffenen medizinisch, mit Wasser, Nahrung und Hygienepaketen zu versorgen und den Obdachlosen Unterkünfte zu geben“, beschreibt Tommasso Dellalonga, Sprecher des Italienischen Roten Kreuzes, die Maßnahmen zur Katastrophenhilfe.

Nach Angaben des Österreichischen Roten Kreuzes wurden in den am schwersten betroffenen Erdbebengebieten zwei Feldküchen und ein temporäres medizinisches Zentrum eingerichtet. 110 Ambulanzfahrzeuge des Italienischen Roten Kreuzes seien im Einsatz.

Das Erdbeben der Stärke 6,2 hat bislang über 240 Tote gefordert. Etliche Dörfer wurden zerstört.

(26.08.2016; Fotos: Italienisches Rotes Kreuz)

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ASB Berlin: Sanitätsdienst im Olympiastadion

25.08.2016

ASB Berlin im Olympiastadion_580Berlin (rd_de) – Wenn am Wochenende die neue Fußball-Bundesligasaison beginnt, sind auch die Sanitätsdienste wieder gefordert. Der ASB Berlin zum Beispiel ist im heimischen Olympiastadion zu Hause. Immer, wenn Hertha BSC zu seinen Heimspielen antritt, ist auch der Arbeiter-Samariter-Bund Berlin gefordert. Bis zu 75.000 Menschen finden im Olympiastadion Platz.

Schon viereinhalb Stunden vor dem Anpfiff treffen sich die Einsatzkräfte des ASB Berlin in Reinickendorf, dem Standort des ASB-Regionalverbandes Berlin-Nordwest. Seit 1981 greift die „alte Dame“ Hertha BSC, wie der Bundesligist von den Berlinern genannt wird, für den Sanitätsdienst im Olympiastadion auf die Samariter zurück.

Zum Tross des ASB Berlin zählt auch ein Einsatzleitwagen. In ihm wird das dreiköpfige Führungsteam die Fäden ziehen. Das heißt, die Einsatzleitung des Sanitätsdienstes befindet sich außerhalb des Stadions. Eine Berliner Besonderheit und in modernen Fußballarenen undenkbar.

Was den Sanitätsdienst des ASB Berlin im Olympiastadion sonst noch so ungewöhnlich macht, erfahren Sie in unserem eDossier: „ASB Berlin: Sanitätsdienst im Olympiastadion“.

(Text: Bernd Burschewski, Journalist; zuletzt aktualisiert: 25.08.2016)

eDossier „ASB Berlin: Sanitätsdienst im Olympiastadion“
• Umfang: 9 Seiten
• Dateigröße: ca. 3,4 MB/PDF-Format
• Ein Beitrag aus Rettungs-Magazin 2/2015

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Schwarzwald: Bergwacht beklagt massive Unterfinanzierung

25.08.2016

Freiburg (bws) – Die Bergwacht Schwarzwald hat mit erheblichen Finanzproblemen zu kämpfen. „Wir können nicht garantieren, dass wir im nächsten Winter den Bergrettungsdienst so aufrecht erhalten können, wie es eigentlich erforderlich wäre“, warnte der Landesvorsitzende, Adrian Probst, am Dienstag (23.08.2016).

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Hintergrund der Unterfinanzierung ist laut Probst der jährlich auf 70.000 Euro gedeckelte Zuschuss des Landes Baden-Württemberg. Eigentlich sei das Land dazu verpflichtet, 90 Prozent der Investitionen der Bergwacht Schwarzwald in Fahrzeuge und Ausrüstung zu übernehmen.

„Ein Fahrzeug kostet rund 100.000 Euro. Demnach müsste das Land eigentlich 90.000 Euro übernehmen. Bei einem Zuschuss von 70.000 Euro ist es nicht möglich, die über 30 Fahrzeuge der Bergwacht im Schwarzwald zu einem wirtschaftlich sinnvollen Zeitpunkt zu ersetzen“, erläuterte Probst. Zusätzlich würden Schneemobile, Funkgeräte, Defibrillatoren und weitere Ausrüstung benötigt.

Die Folgen der finanziellen Flaute scheinen deutlich sichtbar zu sein: Die Einsatzfahrzeuge seien über 20 Jahre alt, in manchen Rettungswachen regne es rein. Eine Ortsgruppe könne zudem nicht mehr zu Rettungseinsätzen alarmiert werden, zählte der Vorsitzende auf.

„Im Notfall werden daher Bergretter der umliegenden Ortsgruppen alarmiert. Das bedeutet für Patienten im unwegsamen Gelände, dass sie länger auf eine Rettung warten müssen“, zeigte der Pressesprecher der Bergwacht Schwarzwald, David Vaulont, die Konsequenzen auf.

Damit der finanzielle Bedarf gedeckt werden kann, wird eine Soforthilfe in Höhe von zwei Millionen Euro und eine jährliche Förderung für Investitionen von rund 400.000 Euro benötigt.

Der Frust sitzt tief: „Das rettungsdienstliche Ehrenamt hat in Baden-Württemberg nichts mit Ehre zu tun. Es ist eine Zitrone, die bis zum letzten Tropfen ausgepresst wird und anschließend auch noch in die Ecke geworfen wird“, gibt Probst die derzeitige Gefühlslage der Bergretter wieder.

(24.08.2016; Symbolfoto: Raimund Wimmer)

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Absturz: Ultraleichtflugzeug geht auf Wiese nieder

25.08.2016

UltraleichtflugzeugSchramberg (ots) – Beim Absturz seines Ultraleichtflugzeugs hat sich ein Pilot am Dienstag (23.08.2016) bei Schramberg (Kreis Rottweil) schwer verletzt.

Der 49-Jährige stürzte gegen 13.30 Uhr mit seinem Leichtflieger auf dem Flugplatz des Luftsportvereins Schwarzwald in Winzeln-Schramberg ab. Wie die Polizei mitteilte, befand sich das Flugzeug im Landeanflug, als es plötzlich wieder an Höhe gewann. Die Räder des Flugzeugs hatten bereits das Flugfeld berührt.

Etwa 50 Meter weiter stürzte das Flugzeug auf eine Wiese. Der schwerverletzte Pilot befreite sich selbstständig aus der beschädigten Maschine. Der Rettungsdienst übernahm die Erstversorgung. Anschließend brachte ein Rettungshubschrauber den Patienten in ein Krankenhaus.

(25.08.2016; Symbolfoto: pit24/fotolia.com)

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Pseudokrupp und Epiglottitis

24.08.2016

Pseudokrupp und Epiglottitis_580Bremen (rd_de) – Zwei für Kinder typische Gründe, dass sie eine akute Atemnot entwickeln, sind Pseudokrupp und Epiglottitis. Bei der Epiglottitis (Haemophilus influenzae) handelt es sich um eine Erkrankung des Kehlkopfes. Auslöser ist vielfach eine bakterielle Infektion, durch die sich der Kehldeckel entzündet. Für Pseudokrupp sind hingegen eine leise, klosige Stimme ohne Heiserkeit sowie der so genannte Krupphusten charakteristisch.

Die Epiglottitis ist als potentiell vital bedrohlich anzusehen. Die Letalität beträgt bis zu 20 Prozent. Erreger der Infektionskrankheit ist in der Regel das Bakterium Haemophilus influenzae Typ B, gegen den es seit vielen Jahren einen sehr wirksamen Impfstoff gibt.

Diese Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) dringend empfohlen. Sie wird in der Regel im Rahmen der Sechsfach-Impfung im Säuglings- und Kleinkindesalter gegeben und ist im Impfpass meist als HIB abgekürzt.

Der Erkrankungsgipfel liegt bei einer Epiglottitis zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr. Seit Einführung der Impfung ist die Zahl der an dieser Erkrankung verstorbenen Kinder deutlich zurückgegangen. Dieser Infekt verursacht ein schweres Krankheitsbild, für das hohes Fieber, schmerzhaftes Schlucken, kloßige Sprache und schwere Atemnot sowie vermehrter Speichelfluss charakteristisch sind. Besonders typisch ist der inspiratorische Stridor, häufig kombiniert mit einem exspiratorischen „Schnarchen“.

Besteht bei einem Kind auch nur der geringste Verdacht auf eine solche Erkrankung, ist der schnellstmögliche Transport in ein Krankenhaus erforderlich. Um einen Rückgang der Schwellung zu erreichen, sollte frühzeitig Kortison verabreicht werden. Ergänzt werden sollte die Behandlung durch Inhalationen mit Adrenalin über einen Vernebler.

Insgesamt ist es ratsam, möglichst wenige Maßnahmen an dem Kind durchzuführen. So werden zusätzliche Stressfaktoren vermieden. Insbesondere sollte die Inspektion vom Rachenraum zum Beispiel mit einem Spatel unbedingt unterlassen werden. Die Gefahr, dass es durch die Manipulation zu einer Zunahme der bedrohlichen Schwellung oder gar zu einem Laryngospasmus kommt, ist enorm hoch.

Eine Intubation sollte nach Möglichkeit – insbesondere in der präklinischen Situation – tunlichst vermieden werden. Bei der Epiglottitis muss immer mit besonders erschwerten Bedingungen gerechnet werden. In jedem Fall ist der Transport in eine Klinik indiziiert.

Kinder mit Pseudokrupp

Deutlich weniger dramatisch ist hingegen Pseudokrupp. Durch die Ähnlichkeit der Beschwerden wird Pseudokrupp oftmals mit einer Kehldeckelentzündung verwechselt. Beim Pseudokrupp handelt es sich um eine stenosierende subglottische Laryngitis. Diese Erkrankung der oberen Atemwege verläuft meist harmlos. Von der virusbedingten Infektion sind in der Regel Kinder zwischen einem und drei Jahren betroffen.

Die Kinder, die unter den Folgen der Schleimhautschwellung unterhalb der Stimmlippen leiden, haben im Vergleich zur Epiglotittis bei weitem kein so gravierendes Krankheitsbild. Das Fieber ist beim Pseudokrupp nicht so hoch, und auch die Halsschmerzen beim Schlucken fehlen meist.

Charakteristisch ist neben Heiserkeit und dem pfeifenden, inspiratorischen Stridor der typische, trockene bellende Husten (Krupphusten). Bei schwereren Verläufen lassen sich zum Teil als Zeichen der Atemnot Einziehungen der Zwischenrippenräume und der Jugularregion feststellen. Meist tritt die Atemnot bei eigentlich bis dato gesunden Kindern mitten in der Nacht plötzlich und unerwartet auf. Die Eltern verständigen dann aus Sorge den Kinderarzt oder einen anderen erreichbaren Arzt bzw. den Rettungsdienst. Manchmal besteht beim Pseudokrupp schon ein Infekt der Atemwege im Vorfeld. Typisch ist auch der Erkrankungsgipfel, der im Herbst und Winter auftritt.

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Bei schwerem Pseudokrupp kann Adrenalin über einen Vernebler angewendet werden. Foto: Brändli

Das wichtigste ist wie so oft bei einem derartigen Notfall, sowohl auf das Kind als auch die Eltern beruhigend einzuwirken. Zusätzlicher Stress würde Symptome wie Atemnot nur noch verstärken.

Als Erste-Hilfe-Maßnahme wird oft das Inhalieren feuchter Luft empfohlen. Gerade bei sehr kalter Außentemperatur bietet es sich an, das Kind warm eingepackt ins Bad mitzunehmen, das Fenster zu öffnen und heißes Wasser in der Badewanne laufen zu lassen. Der so erzeugte Dampf wird dann vom Kind automatisch eingeatmet. Allein die kalte Winterluft bewirkt oft schon eine Besserung.

Es gibt zwar Studien, die keinen Nutzen dieser Maßnahme beim Pseudokrupp nachweisen konnten; die Erfahrung aus dem Alltag zeigt aber, dass an dieser altbekannten Methode zur Selbsthilfe doch etwas dran sein muss.

Therapie der Wahl mit wissenschaftlich erwiesener Wirksamkeit ist die Gabe von Glukokortikoiden. Eltern haben häufiger in der häuslichen Notfallapotheke Kortisonzäpfchen vorrätig. Eine gängige Substanz wäre zum Beispiel Rectodelt 100 mg. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Kortisonsäfte in Abhängigkeit vom Gewicht des Kindes zu verabreichen. Sie stellt nach aktueller Studienlage die am ehesten empfohlene Variante dar. Diese beiden Applikationsformen sind insbesondere bei kleinen Kindern der vom Arzt durchgeführten intravenösen Gabe – wenn möglich – vorzuziehen.

Lautet die Diagnose „schwererer Pseudokrupp“, kann auch hier die zusätzliche Inhalation von Adrenalin über einen Vernebler angewandt werden. Ob eine Klinikeinweisung erforderlich ist, muss der Arzt bzw. Notarzt im Einzelfall entscheiden. Neben den rein objektivierbaren Kriterien des Patientenzustandes spielen auch individuelle Fähigkeiten und Erfahrungen der Eltern eine Rolle.

(Dr. Philipp Prause, Facharzt für Allgemeinmedizin, Notfallmedizin und Chirotherapie; Symbolfotos: Markus Brändli; 24.08.2016)

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NRW: Engagierte Ersthelfer retten Leben

24.08.2016

Goch/Mülheim an der Ruhr (ots) – Nach zwei Unfällen kümmerten sich am Dienstag (23.08.2016) in Nordrhein-Westfalen mehrere Ersthelfer vorbildlich um die Verunglückten.

Gegen 20.45 Uhr bemerkte eine Autofahrerin in Goch (Kreis Kleve), dass eine Radfahrerin bewusstlos am Boden lag. Nachdem sie keine Atmung bei der Frau feststellen konnte, begann die Autofahrerin mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Die Ersthelferin beauftragte zudem ein Ehepaar, den Rettungsdienst zu verständigen. Die 65-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Auch in Mülheim an der Ruhr lobten Polizei und Feuerwehr das entschlossene Verhalten der Ersthelfer. Kurz nach Mitternacht war es im Stadtteil Saarn zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen. Ein Pkw war von der Straße abgekommen und mit einem Verteilerkasten kollidiert.

Mehrere Zeugen kippten nach Angaben der Polizei den stark beschädigten Wagen mit vereinten Kräften zurück auf die Räder. Danach befreiten sie den Schwerverletzten aus dem Fahrzeug und brachten ihn in die stabile Seitenlage.

Ein Rettungswagen transportierte den Patienten in ein Krankenhaus.

(24.08.2016; Symbolfoto: ASB)

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Saalekreis: Rettungsdienst muss neu vergeben werden

23.08.2016

Merseburg (rd_de) – Das Verwaltungsgericht in Halle gab am Montag (22.08.2016) bekannt, dass das Vergabeverfahren des Rettungsdienstes im südöstlichen Saalekreis fehlerhaft verlaufen ist.

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Mit dem Urteil gab das Gericht der Klage des privaten Rettungsdienstes „Ambulance Merseburg“ Recht. Der Dienstleister hatte den Rechtsweg gewählt, um die Vergabeentscheidung des Landkreises für die Bereiche Merseburg und Bad Dürrenberg zugunsten des DRK und ASB anzufechten.

Der private Rettungsdienst zog gegen die Vergabeentscheidung bereits 2014 vor Gericht – verlor jedoch gegen den Richterspruch des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg (wir berichteten).

Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, ordnete das Verwaltungsgericht nun an, dass das Verfahren zur Vergabe des Rettungsdienstes neu gestartet werden muss. Allerdings sei das Urteil noch nicht rechtskräftig. Der Landkreis hat jetzt wiederum die Möglichkeit, Beschwerde einzulegen.

„Ambulance Merseburg“ will dem Kreis bis zum Abschluss des Rechtsstreits eine Übergangslösung vorschlagen. Ob Schadenersatzforderungen gestellt werden, ist noch unklar.

(23.08.2016; Symbolfoto: Lukas Gojda/fotolia.com)

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