Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 42

Mittwoch, 13. November 2019

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 42 – Borgward B 2500 A/O bzw. B 522 A/O als LF 8 von diversen Aufbauherstellern (Baujahre 1956 bis 1962)

Nahezu alle „bedeutenden“ bundesdeutschen Aufbauhersteller der 1950er Jahre haben Löschgruppenfahrzeuge auf Borgward B 2500 A/O bzw. B 522 A/O hergestellt. Der größte Teil der LF 8 wurde an Feuerwehren in Baden-Württemberg und Bayern geliefert, sicher nicht zuletzt wegen der teilweise starken Steigungen und schneereichen Winter in diesen Bundesländern.

Soweit es heute noch feststellbar ist, konnte die Firma Bachert aus Kochendorf ihre ersten Borgward-LF 8 im Jahre 1958 an die Besteller übergeben. Bekannt sind B 2500 A/O mit Heckbeladung für die Freiwilligen Feuerwehren Goldenstedt (Landkreis Vechta) und Lenzfried (seit 1972 Löschzug 3 der Stadt Kempten). Im Lenzfrieder Borgward werkelt allerdings seit 1974 ein Unimog-Motor Mercedes-Benz M 180. 2008 haben die Goldenstedter Feuerwehrleute ihren Lenzfrieder Kameraden das Fahrzeug abgekauft und es ihrem ehemaligen, aber verschollenen Löschgruppenfahrzeug angepasst. Es ist also nicht immer darin, was außen draufsteht!

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre experimentierte Bachert auch mit ersten Rolladenverschlüssen für die Geräteräume. Dabei kamen sowohl Holz- als auch Kunststofflamellen zum Einsatz. Daneben verlegte Bachert (ähnlich wie Metz) bei einer Reihe von Modellen die Festpumpe unter die mittlere Sitzbank, es entstanden die so genannten Mittelpumper-LF 8. Während auf Opel- und Hanomag-Fahrgestellen etwas mehr Fahrzeuge bekannt geworden sind, wurde auf einem Borgward B 2500 A/O offenbar nur das Löschgruppenfahrzeug für die FF Schönau im Odenwald gefertigt. Helmut Elstrodt hat uns freundlicherweise ein Foto dieser Rarität zur Verfügung gestellt.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Bachert, Baujahr 1958, geliefert an die FF Schönau im Odenwald.

Bei den im Jahr darauf ausgelieferten Fahrzeugen kehrte Bachert wieder zur traditionellen Heckbeladung zurück. Nachgewiesen ist ein LF 8 für die FF Allendorf (Lumda) im Landkreis Gießen, nicht zu verwechseln mit den mehr als einem Dutzend Orten oder Ortsteilen gleichen Namens in Deutschland. Auf der Homepage der FF finden sich aktuell zwei Bilder, die entsprechende Löschgruppenfahrzeuge zeigen. Während die sehr dunkle Farbaufnahme offenbar tatsächlich das Allendorfer LF 8 zeigt, handelt es sich beim Bachert-Werbefoto eindeutig um ein anderes Fahrzeug. Wichtigstes Indiz dafür sind die hängenden Scheibenwischer, die - soweit bekannt - von Bachert nur bis 1958 verbaut wurden. Das Farbbild zeigt dagegen eindeutig stehende Scheibenwischer. Das Werbefoto passt also eher zu den LF 8 aus Goldenstedt und Lenzfried. Leider kann man die Türbeschriftung nicht eindeutig lesen, es könnte aber „Lenzfried“ heißen. Dazu würde dann auch das Türwappen der ehemaligen Gemeinde Sankt Mang passen, zu der dieser Ort vor der Kommunalreform gehörte.

Die FF Gütenbach im Schwarzwald schmückt sich auf Ihrer Homepage ebenfalls mit fremden Federn: Anstelle eines Fotos vom im Dezember 1959 bei Bachert abgeholten LF 8 wird das Bild eines etwas jüngeren Fahrzeugs aus dem Hause Ziegler gezeigt. Aber auch dieses Foto lässt sich nicht sicher einer Feuerwehr zuordnen, da die Türbeschriftung nicht lesbar ist.

Aus dem Jahr 1960 ist kein Bachert-LF 8 bekannt, erst 1961 wurden wieder mindestens zwei Exemplare ausgeliefert. Gemeinsam war ihnen, dass sie Seitenbeladung aufwiesen. Das Löschgruppenfahrzeug der FF Nieder-Ohmen im Vogelsbergkreis gehört heute zum Bestand eines Oldtimervereins. Der Borgward aus Rimbach im Odenwald (Kreis Bergstraße) scheint ebenfalls noch zu existieren.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Bachert, Baujahr 1961, geliefert an die FF Rimbach im Odenwald, dort bis in die 1990er Jahre im Einsatzdienst.

Das letzte von Bachert aufgebaute LF 8 auf Borgward B 522 A/O scheint das der FF Leonberg zu sein. An dem 1962 in Dienst gestellten Fahrzeug fällt auf, dass es deutlich länger als die anderen ist und seitlich über drei Türen verfügt. Eine derartige Bauweise ist sonst nur von Ziegler bekannt (s.u.)

Schließlich existierte noch ein Fahrzeug, das wie ein LF 8 mit Heckbeladung aussah, eventuell aber nie eines gewesen ist. Besser bekannt geworden ist der 1962 fertiggestellte B 522 A/O aus Ludwigshafen als Gerätewagen-Wasserrettung der Hauptfeuerwache und zuletzt als Fernmeldebauwagen bei der damaligen FF Ludwigshafen-Süd.

In der Literatur wird (vor allem von einem Autor) geschrieben, dass es sich um ein ehemaliges LF 8 handele, bisher sind aber weder Fotos als LF 8 noch Hinweise zum ehemaligen Standort aufgetaucht. Möglicherweise hat allein die Öffnung für eine Pumpenwelle in der Kühlermaske dafür gesorgt, dass eine Vergangenheit als Löschgruppenfahrzeug (mit Vorbaupumpe) konstruiert wurde. Derartig vorbereitete „Tunnel“ in Kühlergrill und Kühlermaske waren bei Fahrzeugauslieferungen durchaus üblich, um später eine Vorbaupumpe nachrüsten zu können. Die Stoßstange zeigt aber ansonsten keinerlei Hinweise, dass dort einmal etwas montiert gewesen ist. Vielleicht lässt sich dieses Rätsel irgendwann einmal lösen.


Fernmeldebauwagen (FMBW), Borgward B 522 A/O, Bachert, Baujahr 1962, geliefert an die BF Ludwigshafen, hier bei der FF Ludwigshafen-Süd. Ob es sich um ein ehemaliges LF 8 handelt, ist unklar. Nachgewiesen ist dagegen ein Einsatz als GW-W bzw. GW-Atemschutz bei der BF Ludwigshafen.


Die Firma Heines hat 1960 ein LF 8 auf Borgward B 522 A/O an die FF Halzenberg (heute eine Löschgruppe der FF Wermelskirchen) geliefert. Ein Bild kann leider nicht gezeigt werden.


In alphabetischer Reihenfolge müsste jetzt Magirus folgen. Bisher gibt es aber keine Hinweise, dass diese Firma jemals ein LF 8 auf einem Borgward-Allradfahrgestell gebaut hat. Also bleibt nur die Fehlmeldung übrig.


Nachdem Metz bereits ab 1953 Löschgruppenfahrzeuge auf dem Straßenfahrgestell Borgward B 2000 bzw. B 2500 gebaut hatte, stieg die Firma ab 1956 auch in die Produktion von Aufbauten auf Allradfahrzeugen ein. Wieder wurde die so genannte Omnibusbauform konzipiert. Die Planer konnten aber nicht einfach die Zeichnungen der Straßenfahrgestelle übernehmen. Zum einen war das Fahrgestell wegen des Allradantriebs höher, außerdem ragte der Motor ein Stück weit in die Fahrerkabine hinein. Dadurch verkürzte sich theoretisch der vordere Rampenwinkel, tatsächlich machte die Vorbaupumpe das aber wieder weitgehend zunichte.

Letztendlich entstand eine den Löschgruppenfahrzeugen mit Straßenantrieb sehr ähnliche Aufbauform, die die grundsätzliche Aufteilung beibehielt, aber dennoch den Allradfahrzeugen ein bulligeres Aussehen verlieh. Eines der ersten LF 8 dieser Bauart wurde 1956 an die FF Gefrees im Landkreis Bayreuth ausgeliefert. Im Jahre 1957 folgten B 2500 A/O für die Feuerwehren Börnau (Lk. Tirschenreuth), Neustadt an der Donau und Bodenmais (Lk. Regen). Das zuletzt genannte LF 8 wurde später an die FF Pfeffenhausen (Lk. Landshut) verkauft, bis es 1993 von der Ortsfeuerwehr Neuenburg der FF Zetel erworben wurde und als „Ersatzoldtimer“ für ein nicht mehr existierendes Buschmann-Fahrzeug genutzt wird.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Metz, Baujahr 1957, ursprünglich geliefert an die FF Bodenmais. Nach einer Zwischenstation bei der FF Pfeffenhausen nutzt es die Ortsfeuerwehr Neuenburg seit 1993 als Oldtimerfahrzeug.

Aus dem Jahr 1958 ist lediglich die Lieferung eines B 2500 A/O an die FF Regenstauf bekannt, 1959 folgten Indienststellungen der als B 522 A/O bezeichneten LF 8 bei den Feuerwehren Garmisch-Partenkirchen, Lollar (Lk. Gießen) und Lörrach. Äußerliche Unterschiede zu den zuvor gebauten Modellen mit den zwei seitlichen Doppeltüren vor den Geräteräumen und der Klappe für die B-Schlauch-Haspel sind nicht festzustellen.

Diese Anordnung behielten auch die 1960 an die Feuerwehren Heuchelheim (Lk. Gießen), St. Oswald (Lk. Freyung-Grafenau), Bad Herrenalb (Lk. Calw) und Hornberg (Ortenaukreis) übergebenen Fahrzeuge bei. Neu waren allerdings die jetzt verwendete durchgehende Frontscheibe und die darunter angebrachten Scheibenwischer.

Betrachtet man die Motorhauben der Borgward-Feuerwehrfahrzeuge in der 2,5 t-Klasse, fällt die unterschiedliche Anzahl der seitlichen Lüftungsschlitze auf. Ganz grob kann man sagen, dass die älteren Fahrzeuge nur einen Schlitz pro Seite hatten, ab etwa 1959 erhöhte sich die Zahl der besseren Entlüftung wegen auf zwei. Eine ähnliche Systematik lässt sich bei den seitlichen Zierleisten an der Motorhaube jedoch nicht erkennen, mal saßen sie alleine oberhalb der Schlitze, mal zu zweit, meistens fehlten sie aber. Nur bei den ganz frühen Fahrzeugen war gelegentlich der Schriftzug "Borgward" zusätzlich in silbernen Lettern montiert.

Die FF Heuchelheim hatte bereits 1953 ein LF 8 mit Straßenantrieb als "Wagen 1" in Dienst gestellt. Jetzt folgte wie gesagt 1960 ein Allradfahrzeug als "Wagen 2". Diese Tatsache war bisher weitgehend unbekannt, dank des uns von Peter Pichl freundlicherweise zur Verfügung gestellten Fotos können wir es sogar zeigen.
 

LF 8, Borgward B 522 A/O, Metz, Baujahr 1960, FF Heuchelheim, als "Wagen 2" zusätzlich zum bereits vorhandenen Borgward-LF 8 mit Straßenantrieb in Dienst gestellt.

Etwa 1985 wurde das Hornberger LF 8 an die Werkfeuerwehr der ortsansässigen Firma Duravit übergeben, in deren Diensten es von Helmut Elstrodt fotografiert werden konnte.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Metz, Baujahr 1960, beschafft durch die FF Hornberg, ab etwa 1985 zeitweilig bei der WF Duravit in Hornberg im Einsatz, inzwischen Museumsfahrzeug.

In dieser Bauart sind aus dem Jahre 1961 schließlich noch die Löschgruppenfahrzeuge der FF Kirchzarten und der WF Kieper in Rockenhausen (KIB) bekannt. Danach ändert sich das Aussehen der Metz-LF 8 deutlich.

Das zeitweise zum Bestand des Museums „Feuerpatsche Hermeskeil“ gehörende ehemalige LF 8 der FF Losheim am See (Lk. Merzig-Wadern) ist das einzige bisher bekannt gewordene Fahrzeug mit Heckbeladung, das Metz auf einem Borgward-Fahrgestell gebaut hat. Insofern ist es sehr erfreulich, dass das Fahrzeug von einem Sammler erhalten wird.


LF 8 mit Heckbeladung; Borgward B 522 A/O, Metz, Baujahr 1961, bis 1992 bei der FF Losheim am See im Einsatz, nach Zwischenstation im Feuerwehrmuseum Hermeskeil jetzt in Sammlerbesitz.

Seitenbeladung haben dagegen wieder drei weitere, ebenfalls 1961 fertiggestellte LF 8 von Metz. Die Türanordnung ist jetzt aber völlig anders gestaltet, pro Seite ist nur noch eine große Doppeltür vorhanden. Ansonsten sind die Fahrzeugformen weiterhin zeittypisch verrundet. Das wahrscheinlich zuerst gelieferte Löschgruppenfahrzeug erhielt die FF Oberharmersbach im Ortenaukreis.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Metz, Baujahr 1961, FF Oberharmersbach, bis 2011 im Einsatzdienst, seitdem als Traditionsfahrzeug innerhalb der Feuerwehr erhalten.

Es folgte ein Fahrzeug, das zumindest in den 1980er Jahren bei der WF Anton Weber in Erbach/Ts. (Landkreis Limburg-Weilburg) im Dienst stand. Ob diese Werkfeuerwehr der Erstbesitzer war, ließ sich nicht feststellen.

Der angeblich letzte bei Metz fertiggestellte Borgward soll das LF 8 der FF Bergham (Landkreis Schwandorf) gewesen sein. In Dienst gestellt wurde der B 522 A/O Ende 1961, ausgemustert 1983. Die Feuerwehr hat in den letzten Jahren versucht, den weiteren Lebensweg zu ergründen. Nach Stationen im Ost- und Oberallgäu war das Fahrzeug zuletzt bis 2011 im Kreis Düren zugelassen, danach verliert sich die Spur.

An dieser Stelle muss auf einige nach Österreich exportierte Fahrzeuge hingewiesen werden. Dort werden derartige LF 8 als Löschgruppenfahrzeuge mit Allradantrieb (LFA) bezeichnet. Ungefähr eine Handvoll Borgward B 522 A/O hat die österreichische Firma Haberkorn an Freiwillige Feuerwehren in der Steiermark ausgeliefert, z.B. 1959 an die FF Weiz (ohne Vorbaupumpe), 1960 nach Passail (mit VP) sowie 1961an die Feuerwehren Frauenburg (mit Vorbauseilwinde) und Gaisfeld (mit Vorbaupumpe).

Bekannt war Haberkorn vor allem als Importeur von Metz-Fahrzeugen, die dann nach österreichischen Richtlinien ausgerüstet und mit dem Schriftzug „Haberkorn“ (statt „Metz“) versehen den Feuerwehren übergeben wurden. Ob das bei den Borgward-LFA genauso lief, kann nicht gesagt werden. Die Linienführung der Aufbauten entspricht weitgehend dem von Metz zuletzt genutzten Muster, aber es sind auch eindeutige Unterschiede (z.B. beim Windlauf über der Frontscheibe) zu erkennen. Möglicherweise hat Haberkorn selber oder eine andere (österreichische?) Firma die Aufbauten nach Metz-Zeichnungen hergestellt. Hier ist noch weitere Forschungsarbeit erforderlich.


Die Firma Rosenbauer war nach dem 2. Weltkrieg der bekannteste österreichische Hersteller von Aufbauten für Feuerwehrfahrzeuge. Mindestens ein Dutzend LFA auf Borgward-Fahrgestellen wurden hier produziert, denn auch österreichische Wehren wussten die guten Geländeeigenschaften des B 522 A/O zu schätzen.

In unserer Galerie können wir im Moment nur das Fahrzeug der FF Hartberg (Steiermark) präsentieren, gebaut im Jahre 1959 und 1960 in Dienst gestellt. Wieder ist anstelle der Vorbaupumpe eine Seilwinde montiert Es verkörpert eine typische Bauart der Rosenbauer-Produkte mit durchgehender Dachkante. Vergleichbare Fahrzeuge, mal mit Winde, mal mit Vorbaupumpe oder ohne Zusatzaggregate, waren beispielsweise bei den Feuerwehren Altenmarkt-Zauchensee und Kirchberg a. d. Raab (beide Bj. 1958) sowie bei der FF Pischelsdorf (1961) im Dienst.


LFA, Borgward B 522 A/O, Rosenbauer, Baujahr 1959, eingesetzt bei der FF Hartberg in der Steiermark, jetzt Museumsfahrzeug. Die Seilwinde hat eine Zugkraft von 50 kN.

Etwas häufiger wurde von Rosenbauer eine andere Aufbauart produziert, bei der die Geräteräume leicht nach unten abgesetzt waren. Wieder gab es die oben genannten Ausführungen mit und ohne Vorbaugeräte. Bekannt sind u.a. die Fahrzeuge der FF St. Michael im Lungau (1960) sowie die 1961 ausgelieferten LFA der Feuerwehren St. Ruprecht a. d. Raab, Neukirchen a. d. Enknach und der Betriebsfeuerwehr Tabakfabrik Fürstenfeld. Das LFA der FF Aigen im Ennstal (1961) ist bis heute erhalten geblieben und soll als Beispiel für diese Bauart dienen.


Die weitaus meisten LF 8 auf Allradfahrgestellen von Borgward hat ohne Zweifel die Firma Ziegler aufgebaut, mehr als zwei Dutzend Fahrzeuge sind bisher bekannt. Fast allen gemeinsam war, dass sie über Seitenbeladung mit je einer einfachen und einer dahinter liegenden Doppeltür verfügten.

Das einzige bekannt gewordene Allrad-LF 8 von Ziegler mit Heckbeladung auf einem Borgward-Fahrgestell wurde am 23. Januar 1958 durch die FF Neukirchen beim Heiligen Blut (Landkreis Cham) in Dienst gestellt und galt allgemein als ältestes Borgward-LF 8 dieser Firma. Auffällig an diesem Löschgruppenfahrzeug waren neben der unüblichen Beladungsweise die oberhalb der Zierleiste sitzenden Türgriffe – für klein gewachsene Feuerwehrleute eine echte Herausforderung. Bis 1983 blieb es im Einsatz, wurde 1988 verkauft und starb anschließend den „Wohnmobiltod“.

Im gleichen Jahr erhielt die FF Holenbrunn im Landkreis Wunsiedel ihren B 2500 A/O. Erstaunlicher Weise verfügte dieses – eigentlich jüngere Fahrzeug - über hängende Scheibenwischer, das etwas ältere Neukirchener Löschgruppenfahrzeug besaß stehende Wischer.

Die FF Geisa im Wartburgkreis besitzt seit 2013 ein LF 8 mit Ziegler-Aufbau, das sie inzwischen nach zweijährigen Umbauarbeiten als „Durstlöschzug“ betreibt. Während Fahrgestell- und Aufbaunummer bekannt sind. ließ sich bisher der ursprüngliche Auftraggeber nicht feststellen. Lediglich der unmittelbare Vorbesitzer, die Rhönbrauerei in Kaltennordheim ist bekannt. Wenn man die aktuellen Bilder mit Ziegler-Werkfotos vergleicht, spricht einiges dafür, dass es sich um das Holenbrunner LF 8 handelt. Es könnte aber auch ein Schwesterfahrzeug sein.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Ziegler, Baujahr 1958, Auftraggeber unbekannt. Einige Jahre lang bis 2013 war es im Eigentum der Rhönbrauerei Kaltennordheim, seit 2015 dient es der FF Geisa als „Durstlöschzug“. Glücklicherweise sind äußerlich keine gravierenden Veränderungen vorgenommen worden.

Sehr schwierig war die zeitliche Einordnung eines Allrad-LF 8, das als einziges Borgward-Fahrzeug von Ziegler seitlich nur eine Doppeltür aufwies. Wenn die vorliegenden Informationen richtig sind, hat es ursprünglich die FF Waldsassen im Landkreis Tirschenreuth beschafft. Alle bekannten Einzelbilder wurden jedoch beim zweiten Eigentümer, der WF Porzellanfabrik Waldsassen Bareuther & Co. AG aufgenommen, so auch das uns von Axel Malczyk freundlicherweise zur Verfügung gestellte Foto. Leider konnte er sich damals das Baujahr nicht notieren. Die Porzellanfabrik stellte 1993 die Produktion ein, danach verschwand der Borgward von der Bildfläche.

Neben dem relativ kurzen Aufbau fallen die (inzwischen überlackierten) blauen Blinkleuchten oberhalb der geteilten Frontscheibe auf, die später durch kleine Rundumkennleuchten ersetzt wurden. Wieder hingen die Scheibenwischer herab, genau wie beim Löschgruppenfahrzeug aus Holenbrunn bzw. Geisa. Anders aber als bei diesem LF 8 und dem der FF Neukirchen beim Heiligen Blut waren die Seitenscheiben im Mannschaftsraum recht groß. Ab 1959 fand man diese Scheibengröße bei allen Borgward-LF 8 von Ziegler. Merkwürdig ist auch die unterschiedliche Höhe der Tür- und Geräteraumgriffe, da wurde sonst darauf geachtet, sie in einer Linie anzuordnen. Als seitlich angebrachtes Firmenlogo wurde noch ein Metallschild verwendet, spätestens ab 1959 waren aber bei Ziegler die bekannten gelben, lackierten oder aufgeklebten Schriftzüge üblich.

Mindestens bis 1957 hat Ziegler einen Teil der Karosseriearbeiten bei Kässbohrer in Ulm durchführen lassen, da auf dem eigenen Firmengelände noch keine ausreichenden Hallenkapazitäten vorhanden waren. Ob bei anderen Fahrzeugen Stahlgerippe und Verblechung zum Teil in Giengen oder bei einem weiteren Zulieferer erstellt wurden, ließ sich nicht klären. Das wäre aber eine denkbare Begründung für die unterschiedliche Fenstergrößen und Griffanordnungen.

Wenn jetzt das Baujahr des Löschgruppenfahrzeugs gesichert zu bestimmen wäre, könnte man Rückschlüsse ziehen, aber genau das ist nicht zweifelsfrei möglich. Ein Autor, der bekannt dafür war, dass er mit Fahrzeugdaten recht eigenwillig umging, nannte 1959 als Baujahr. Diese Angabe hat sich dann in diversen Listen verselbständigt, ein anderer Autor (der das LF 8 persönlich nie gesehen hat) hat sie später übernommen.

Weitgehend unstrittig ist, dass das Löschgruppenfahrzeug von der FF Waldsassen stammte. Auf deren Homepage findet sich ein Gruppenbild mit einem Borgward-LF 8, in der Chronik wird der 20. Dezember 1956 als Datum der Fahrzeugweihe angegeben. Von anderer Seite wird dazu passend der 12.12.1956 als Lieferdatum genannt  Damit würde das Baujahr auf dieses Jahr vorrücken!

Mit einiger Sicherheit lässt sich also feststellen, dass es sich bei diesem LF 8 (und nicht bei dem Fahrzeug aus Neukirchen) um das erste Borgward-LF 8 aus dem Hause Ziegler handelte und es im Jahre 1956 ausgeliefert wurde.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Ziegler, Baujahr sehr wahrscheinlich 1956, Ende des Jahres durch die FF Waldsassen in Dienst gestellt, 1973 abgegeben an die WF Bareuther AG in Waldsassen, dort bis 1993 im Dienst.

Im Jahre 1959 wurde gleich eine ganze Reihe von LF 8 auf Borgward -Fahrgestellen mit Vergasermotoren ausgeliefert. Zu nennen wären zunächst die Fahrzeuge der FF Ammersricht (AM), der FF Mering (AIC) und der FF Pliezhausen (RT, später weitergegeben an die FF Zavelstein im Landkreis Calw). Bei allen dreien war die Frontscheibe noch geteilt, die Scheibenwischer waren darunter montiert. Erstmals waren bei den Türgriffen Griffmulden ins Blech gepresst.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Ziegler, Baujahr 1959, geliefert an die FF Mering. Noch ist die Frontscheibe geteilt. Herzlichen Dank an Helmut Elstrodt für das Foto.

Bei den folgenden Löschgruppenfahrzeugen der FF Deißlingen (RV), FF Ismaning (M), FF Isny (RV), FF Nußloch und FF Bammental (beide Rhein-Neckar-Kreis) wurde bereits eine durchgehende Frontscheibe verwendet. Das zuletzt genannte Fahrzeug befindet sich bereits seit Jahrzehnten in Privatbesitz, die Türbeschriftung wurde aus Nostalgiegründen auf „Carl F. W. Borgward – Bremen“ geändert.


LF 8 Borgward B 522 A/O, Ziegler, Baujahr 1959, bis 1982 im Einsatz bei der FF Bammental, seitdem Museumsfahrzeug.

Bauartmäßig annähernd gleich sind die 1960 produzierten Löschgruppenfahrzeuge der FF Emsbühren, der FF Malsch (Rhein-Neckar-Kreis, vorher bei der FF Weinheim) und einer Freiwilligen Feuerwehr in Heidelberg. Es fällt jedoch auf, dass die Partie über der Frontscheibe beim Malscher LF 8 wuchtiger wirkt als bei etlichen anderen Fahrzeugen.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Ziegler, Baujahr 1960; geliefert an die FF Weinheim, heute im Besitz der FF Malsch. Auffällig ist im Vergleich mit anderen Fahrzeugen dieser Bauserie die Gestaltung des Dachansatzes über der Windschutzscheibe.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Ziegler, Baujahr 1960; bis 1998 bei der FF Emsbüren im Dienst, heute eines der Museumsfahrzeuge der Wehr. Die Frontscheibe geht deutlich weiter nach oben als beim LF 8 der FF Malsch.


Eine größere Anzahl von LF 8 auf Borgward B 522 A/O verließ 1961 die Werkhallen von Ziegler in Heidenheim. Die Fahrzeuge für die FF Ebern (HAS) und die FF Roßdorf bei Darmstadt sowie das LF 8 der WF Carl Freudenberg in Reichelsheim (Odenwald) entsprachen von der Linienführung her der Bauserie 1959/60.

Die anschließend produzierten LF 8 wirkten im Bereich der vorderen Türen deutlich eckiger. Sie waren im Einsatz bei den Freiwilligen Feuerwehren Amtzell (RV), Gerlingen (OE), Hahnbach (AM, später FF Süß), Höhenkirchen (M, siehe Titelbild), Ilbeshausen (VB), Peiting (WM, ab 1985 bei der Löschabteilung Birkland), Ruppertshofen (AA) und bei der WF Strohmeyer in Konstanz, die ihr Fahrzeug 1976 an die WF Maggi nach Singen verkaufte. Die Liste der genannten Standorte erhebt wie immer keinen Anspruch auf Vollständigkeit.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Baujahr 1961, bis 1987 bei der FF Höhenkirchen im Einsatzdienst, seitdem Museumsfahrzeug.

Das vermutlich letzte von Ziegler gelieferte LF 8 auf Borgward B 522 A/O wurde 1962 bei der FF Scharnhausen im Landkreis Esslingen in Dienst gestellt, die 1975 eine Löschabteilung der Stadt Ostfildern wurde. Heute wird das Fahrzeug noch für die Jugendfeuerwehr genutzt. Zum Zeitpunkt der Auslieferung nach Scharnhausen war das renommierte Bremer Werk bereits seit einem halben Jahr Geschichte.

(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Thomas Batz, Christopher Benkert, Thomas Dotzler, Helmut Elstrodt, Stefan Fleischer, Klaus Fischer, Klausmartin Friedrich, Godehard Gottwald, Karl Müller, Andreas Konietzko, Robert Oswald.

Literatur (u.a.):

Graf, Helmut: Bremer Spezialitäten. In: Last & Kraft, Sonderedition 1/2006 Historische Feuerwehr-Fahrzeuge. Stuttgart, 2006.

Michels, Peter: Borgward Lastwagen & Omnibusse 1945-1961. Brilon, 2007.


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