Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 41

Montag, 26. August 2019

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 41 – Borgward B 2500 A/O bzw. B 522 A/O als LF 8 von niedersächsischen Aufbauherstellern (Baujahre 1956 bis 1961)

Was für Tanklöschfahrzeuge mit Allradfahrgestellen galt, traf selbstverständlich auch auf Löschgruppenfahrzeuge zu: In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre war für geländegängige LF 8 in Deutschland ein Borgward-Fahrgestell die erste Wahl. Zu wichtig war den Feuerwehren neben einer angemessenen Nutzlast und einem günstigen Preis die Nutzung eines Benzinmotors.

So einen Motor konnte in der Kombination mit einem Allradfahrgestell nur der Borgward B 2500 A/O bieten. Es war der Sechszylinder-Benzinmotor 6 M 2,4 aus dem PKW „Hansa 2400“, der für die LKW auf 82 PS bei 4.500 U/min gedrosselt worden war. 1958 wurde das Fahrgestell dann in B 522 A/O umbenannt, es änderte sich sonst zunächst nichts. Ab 1960 wurde der für den PKW „P 1000“ entwickelte neue Motor 6 M 2,3 II verwendet, die wieder auf 82 PS gedrosselte Leistung wurde jetzt aus 2.244cm³ gewonnen. Das wurde bereits im vorangegangenen Artikel dieser Serie ausführlich dargelegt.

Der Vorteil für die Freiwilligen Feuerwehren, diese allradgetriebenen Löschgruppenfahrzeuge mit dem PKW-Führerschein bewegen zu dürfen, war wieder ein entscheidendes Argument gegenüber den größeren Fahrgestellen von Mercedes-Benz oder Magirus.

Während sich die TLF 8 auf Borgward-Fahrgestellen vor allem in Niedersachsen konzentrierten, sah das bei den Löschgruppenfahrzeugen ganz anders aus. Bayern und Baden-Württemberg stellten mehr als die Hälfte der Stationierungsorte, erst dann folgte mit weitem Abstand Niedersachsen. Das hing vermutlich auch mit der Topografie in Süddeutschland zusammen. Berge und Schnee verlangen geländegängigere Fahrzeuge.

Es wurden übrigens erheblich mehr LF 8 als Tanklöschfahrzeuge produziert. Während knapp über 40 TLF 8 nachweisbar sind, liegt die Zahl der bekannten Borgward-Löschgruppenfahrzeuge bei etwa 70 Exemplaren. Ungefähr ein Drittel davon haben Aufbauten der Firma Ziegler, etwa 15 stammen von Metz, noch etwas weniger von Bachert. Die Produkte dieser „süddeutschen“ Hersteller werden erst in der nächsten Folge vorgestellt. Im vorliegenden Artikel soll es dagegen um die so genannten kleineren Aufbaufirmen gehen, die fast ausschließlich in Niedersachsen ansässig waren.

Ganz vorne in der alphabetischen Liste steht wieder die Firma Arve aus Springe. Die Zahl der produzierten LF 8 ist überschaubar, erneut kamen die Abnehmer aus Ostfriesland. Bekannt sind ein 1959 geliefertes Fahrzeug an die FF Bunde sowie das hier gezeigte LF 8 der FF Ditzum. Bei diesem stammte die Vorbaupumpe von Magirus, was vermutlich auf ausdrücklichen Wunsch der Ortsfeuerwehr geschah. Über die Pumpe des Bunder Fahrzeugs ist nichts bekannt, sie war in den 1980er Jahren bereits demontiert. Das Fahrzeug stand irgendwo abgemeldet herum und wartete auf bessere Zeiten, die vermutlich nie kamen. Ansonsten waren die Fahrzeuge vom Aussehen her weitgehend baugleich und hatten – wie in Niedersachsen fast immer der Fall – Heckbeladung.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Arve, Bauj. 1960, im Einsatz bei der FF Ditzum

Einige Rätsel gibt ein Bild aus der Literatur auf. Es zeigt ein LF 8, noch ohne Vorbaupumpe, aber schon mit dem Loch für die Antriebswelle. Das Fahrzeug steht eindeutig vor der Produktionshalle von Arve, wie die Aufschrift am Gebäude zeigt. Von der Linienführung her passt es aber überhaupt nicht zu den beiden anderen Fahrzeuge. Die große, gewölbte Frontscheibe, die glatten Seitenwände, der Radausschnitt am Hinterrad, das alles sieht sehr nach einem Graaff-Aufbau aus dem Jahre 1961 aus. Nicht auszuschließen ist, dass Arve hier eine Auftragsarbeit für den Elzer Mitbewerber ausgeführt hat, denn zu dieser Zeit zog sich Graaff bereits zunehmend aus dem Bau von Feuerlöschfahrzeugen zurück, wollte aber offenbar noch Kunden bedienen. Dazu weiter unten mehr.

Die Firma Richard Bierstedt und Sohn aus Thedinghausen hat soweit bekannt nur LF 8 gebaut. Mindestens zwei davon wurden auf Borgward B 522 A/O produziert. Das erste Fahrzeug wurde im März 1960 an die FF Esens in Ostfriesland ausgeliefert. Dort wurde es dringend gebraucht, denn es war eine Ersatzbeschaffung für ein im Jahr vorher auf einer Einsatzfahrt verunglücktes LF 15 von 1942. Bis 1982 blieb es im Dienst, dann wurde es dem Landkreis Wittmund übereignet. Nach Demontage der (defekten?) Vorbaupumpe durch die FTZ Wittmund erhielt die Feuerwehr im benachbarten Holtgast den Borgward als Zugfahrzeug für den Feldküchenanhänger. In dieser Funktion wurde er 1988 durch einen VW LT mit Doppelkabine ersetzt. Seitdem gehört er zum Bestand des Oldie-Clubs Westerholt-Nenndorf e.V.


Gerätewagen-Küche, Borgward B 522 A/O, Bierstedt. Bauj. 1960, geliefert als LF 8 an die FF Esens, 1982 durch die FTZ Wittmund umgebaut, seit 1988 als Oldtimer erhalten.

An die FF Düngstrup im Landkreis Oldenburg wurde 1961 das zweite LF 8 ausgeliefert. Damit machte dort die Fahrzeugausstattung einen gewaltigen Sprung nach vorn. Bisher hatte man nämlich (seit 1947) einen zum Mannschafts- und Gerätewagen umgebauten Dodge aus US-Militärbeständen des 2. Weltkriegs genutzt. Jetzt gab es endlich ein „richtiges Feuerwehrauto.“ Die Vorbaupumpe stammte von Balcke. Bis 1987 blieb der B 522 A/O im Einsatzdienst, der Verbleib ist nicht bekannt.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Bierstedt, Balcke-Vorbaupumpe, Bauj. 1961, bis 1987 im Einsatzdienst bei der FF Düngstrup.

Nicht weit weg von Thedinghausen liegt Hoya, bis heute Sitz der Firma Buschmann. In den 1950er und 1960er Jahren betätigte sich das Karosseriebauunternehmen stärker im Feuerwehrbereich, heute geschieht das nur noch sehr selten. Mindestens drei Löschgruppenfahrzeuge auf Borgward-Fahrgestellen sind zu melden.

Im Jahre 1959 lieferte Buschmann ein LF 8 an die gemeinsame Feuerwehr der Ortschaften Engeln, Scholen und Weseloh im Landkreis Diepholz. Bei der ersten Gemeindegebietsreform 1974 schlossen sich die kleinen Dörfer zur Gemeinde Engeln zusammen, 2011 fusionierte diese schließlich mit Bruchhausen-Vilsen zum gleichnamigen Flecken. Das Fahrzeug blieb bis 1999 im Einsatzdienst, heute zählt es vermutlich zum Bestand des Automuseums im benachbarten Asendorf.


LF 8, Borgward B 2500 A/O oder B 522 A/O, Buschmann, Ziegler-Vorbaupumpe, Bauj. 1959, bis 1999 im Einsatz bei der damaligen FF Engeln-Scholen-Weseloh, heute FF Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen, Ortsfeuerwehr Engeln.

Die FF Soltau stellte 1960 ebenfalls einen Borgward B 522 A/O mit Buschmann-Aufbau in Dienst. Im Gegensatz zu der sonst in Niedersachsen üblichen (weil durch die Landesfeuerwehrführung gewollten) Ausführung mit Heckbeladung war hier eine Seitenbeladung gewählt worden. Der mitgeführte TSA stammte von der Firma Wilhelm Menke in Soltau, heute die örtliche MAN-Vertretung.

Nach 24 Jahren Dienstzeit in Soltau wurde das Gespann an die gemeinsame Ortsfeuerwehr der inzwischen eingemeindeten Ortschaften Meinern und Mittelstendorf abgegeben, wo es noch einige Jahre in Dienst blieb. Auch hier ist der Verbleib nicht bekannt.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Buschmann, Bauj. 1960, mit TSA (Wilhelm Menke, Soltau, 1961), geliefert an die FF Soltau, 1984 abgegeben an OF Meinern-Mittelstendorf.

Die heute zu Zetel gehörende FF Neuenburg stellte 1961 ein weiteres LF 8 auf B 522 A/O mit Buschmann-Aufbau in Dienst. Leider liegen davon keine Bilder vor. Bereits 1977 wurde es ausgemustert und verkauft. Nach einigen Jahren tat das den Neuenburgern leid, und sie versuchten einen Rückkauf – allerdings vergeblich. Darum haben Sie 1993 als Ersatz das ehemalige LF 8 der FF Bodenmais erworben und restauriert. Da das Fahrzeug aber einen Metz-Aufbau hat, wird es erst in der nächsten Folge dieser Serie vorgestellt.

Die „Niedersächsische Waggonfabrik Joseph Graaff GmbH“, besser bekannt unter dem Markennamen „Graaff-Elze“, verfügte in den 1950er Jahren über ausgezeichnete Verbindungen ins niedersächsische Innenministerium und besonders zum Landesbranddirektor Fritz Heimberg. Gemeinsam hatten Heimberg und Dr. Paul Greffenius, der Schwager des Firmeninhabers Carlo Graaff, das LF 8 mit Heckbeladung entwickelt. Diese Konstruktion war kostengünstiger als Löschgruppenfahrzeuge mit Seitenbeladung, allerdings um den Preis der schlechteren Zugänglichkeit der Geräte. Niedersächsische Feuerwehren sollten dennoch möglichst diese Art der Löschgruppenfahrzeuge beschaffen, so Heimbergs Wunsch.

Wohl kein anderer Hersteller zu jener Zeit produzierte so viele LF 8 mit Heckbeladung wie Graaff, vor allem auf Opel Blitz 1,75 t. Daneben wurden auch die anderen auf dem Markt befindlichen Fahrgestelle genutzt, z.B. Hanomag L 28 und Ford FK 2000, im Falle des Allradantriebs eben Borgward B 2500 A/O bzw. ab 1959 B 522 A/O. Vom Design her waren die Aufbauten jeweils gleich, egal, um welches Fahrgestell es sich handelte.

Zunächst, etwa ab 1952, waren die Seitenwände sehr gerade. Borgward B 2500 A/O mit Graaff-Aufbauten wurden übrigens auch ab 1955 von Borgward selbst beworben. Dabei wurde auf den ab Werk montierten Spezialkühler hingewiesen, der den (nachträglichen) Einbau einer Vorbaupumpe ermöglichte. Es war also bereits der Tunnel für die Pumpenwelle vorhanden.

Der älteste bekannte B 2500 A/O mit Graaff-Aufbau stammt aus dem Jahre 1956. Als Vorbaupumpe diente ein Balcke-Produkt. Das Fahrzeug ist offensichtlich erhalten geblieben, denn vor kurzem wurde es (mal wieder) zum Kauf angeboten. Ansonsten ist das LF 8 eher selten gezeigt worden. Nur in den Jahren 1984/85 tauchte es einige Male auf Oldtimertreffen auf, damals beschriftet mit „Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein e.V.“ Es gehörte offenbar zum „Grundkapital“ des damals in der Gründungsphase befindlichen Museums. Leider hat sich aber niemand notiert, woher es kam. Nach einigen Turbulenzen wurde das Museum ein paar Jahre später in etwas anderer Form in Norderstedt gegründet, der Borgward ist dort aber soweit bekannt nicht gelandet.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Graaff, Vorbaupumpe Balcke, Bauj. 1956, geliefert an eine unbekannte Feuerwehr, ab 1984 mit der Beschriftung „Feuerwehrmuseum Schleswig-Holstein e.V.“ für einige Jahre auf Veranstaltungen anzutreffen, so wie hier 1985 beim .legendären Oldtimertreffen in Dibbersen südlich von Hamburg.

Für seine LF 8 nutzte Graaff teilweise Vorbaupumpen der AMAG-Hilpert AG. Diese gab es jedoch nicht in der Leistungsklasse 8/8, also mit einer Nennleistung von 800 l/min bei 8 bar. Stattdessen wurden Vorbaupumpen mit 1.200 l/min Leistung verbaut, was offenbar keine Probleme bei einer finanziellen Förderung durch die Länder verursachte.

AMAG-Hilpert war auch „Hauslieferant“ des Feuerwehrausrüsters Paul Ludwig in Bindlach (Landkreis Bayreuth). Dadurch kam ein recht enger Kontakt zwischen Graaff und Ludwig zustande, der 1958 in einen Kooperationsvertrag mündete. Im Ergebnis konnte Graaff über Ludwig dadurch bis 1963 ein TLF 16 und zehn LF 8 an bayerische Feuerwehren verkaufen. Mindestens sechs davon hatten Borgward-Fahrgestelle. Der Karosseriebau erfolgte bei Graaff, die komplette Ausrüstung einschließlich der TS wurde von Ludwig beigesteuert. Auch die (ohnehin als Fremdprodukt beschaffte) Vorbaupumpe wurde erst in Bindlach montiert.

Bekannt ist die Auslieferung eines LF 8 an die FF Grubweg im Jahre 1958, die Indienststellung erfolgte 1959. Äußerlich unterschied sich das Fahrzeug nicht vom oben vorgestellten LF 8, nur die Pumpe stammte allem Anschein nach von einem anderen Hersteller. Offenbar war man sehr zufrieden mit dem Einsatzfahrzeug, denn die FF stellte (wie in Teil 39 dieser Artikelserie berichtet) 1961 einen weiterer Borgward als Gerätewagen in Dienst. Gegen den ausdrücklichen Willen der Bürger wurde die (inzwischen finanziell gut gestellte) Gemeinde Grubweg 1972 in die Stadt Passau eingemeindet, selbst eine Klage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof war erfolglos. Damit wurde die FF Grubweg eine Löschabteilung der Stadt Passau. In den 1980er Jahren stand das LF 8 unter einer Plane abgestellt auf dem städtischen Bauhof, das weitere Schicksal ist nicht bekannt.

Ab Mitte 1958 änderte sich das Aussehen der Graaff-LF 8 aller Fahrgestellhersteller. Der untere Teil der Seitenwände war jetzt deutlich gewölbt, in der Mitte hatte die Karosserie einen „Kniff“. Ob rein optische Gründe für diese Veränderung ausschlaggebend waren oder so die Stabilität der Seitenwände erhöht wurde, kann nicht gesagt werden.

Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat inzwischen der 1958 von der FF Steinbach im Saarland beschaffte B 2500 A/O erlangt. Eingeschlagen auf dem Graaff-Typenschild ist die Fabriknummer 3177. Das mit einer Balcke-Vorbaupumpe (Nennleistung 1.500 l/min !) versehene LF 8 war bis 2011 im Dienst, also noch lange nachdem Steinbach ein Ortsteil von Ottweiler wurde. Seitdem ist es im Besitz eines Borgward-Sammlers aus Lemwerder und wird gerne auf Oldtimertreffen gezeigt.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Aufbau Graaff, VP 15/8 Balcke, Bauj. 1958, bis 2011 im Einsatz bei der FF (Ottweiler-) Steinbach, seitdem Museumsfahrzeug.

Über Ludwig wurde in dieser Bauart 1958 ein LF 8 auf B2500 A/O mit Hoenig-Pumpe an die Feuerwehren Rehau (Landkreis Hof) geliefert. In der von Ludwig ausgestellten Rechnung vom 8. November 1958 heißt es über den Lieferumfang u.a.: „Feuerwehrtechnischer Graaff-Geländeaufbau in moderner, formschöner Ganzstahlbauweise nach Norm (neue Ausführung mit seitlicher Einschnürung) mit Fahrer- und Mannschaftsraum für Gruppenbesatzung 1 + 8 Mann, Fahrer- und Mannschaftsraumtüren in Ganzstahlbauweise, sowie Geräteraum für die genormte hintere Beladeweise mit Behältern, Fächern und Halterungen für die Beladung gemäß Beladeplan.“ Als Leistung der als „Flüssigkeitsringpumpe“ beschriebenen Vorbaupumpe werden 1.200 Liter angegeben, es fehlt aber jeder Hinweis auf den Hersteller. Am Ende summiert sich die Rechnung für das komplette Fahrzeug einschließlich Sondersignalanlage, Überführung und aller erforderlichen Abnahmen auf 29.202 DM. Erfreulicherweise konnte uns Helmut Elstrodt ein Foto des LF 8 zur Verfügung stellen, dafür herzlichen Dank.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Graaff, Bauj. 1958, VP 12/8 Hoenig (1956), im Einsatz bei der FF Rehau, später in Privatbesitz.

Auf dem obigen Foto ist neben dem Hinterrad das Ludwig-Emblem zu erkennen, den Schriftzug der Firma Graaff sucht man vergebens. Das hat der Ausrüster Ludwig offenbar systematisch bei allen ausgelieferten Fahrzeugen gemacht. Der Archivar der FF Rehau, Volker Bucher, hat sehr intensiv zu diesem Fahrzeug geforscht und dabei eine stattliche Anzahl an Dokumenten gefunden, die er uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Den endgültigen Beweis, dass es wirklich ein Graaff-Aufbau ist, lieferte schließlich das Protokoll einer feuerwehrtechnischen Überprüfung aus dem Jahre 1972, das hier auszugsweise gezeigt werden kann.


Protokoll der feuerwehrtechnischen Untersuchung des LF 8 der FF Rehau vom 25.07.1972. Als Lieferant wird Ludwig genannt, der Aufbau stammt eindeutig von Graaff und trägt die Fabriknummer 3178, genau eine Nummer weiter als das Fahrzeug aus Steinbach. Die Hoenig-Pumpe wird hier als VP 8/8 bezeichnet, interessant ist das Baujahr der Pumpe: 1956, also zwei Jahre vor dem Bau des Fahrzeugs!

Ein Jahr später ging ein nahezu baugleiches Fahrzeug an die FF Stammbach im gleichen Landkreis. Die Vorbaupumpe kam wieder von Hoenig, sie war bereits 1957 , also wieder zwei Jahre eher produziert worden, wie der Feuerwehr-Fahrzeugbuchautor Klaus Fischer seinerzeit feststellen konnte. Ihm verdanken wir das folgende Foto.


LF 8, Borgward B 2500 A/O, Graaff, Bauj. 1959, VP Hoenig (1957), geliefert an die FF Stammbach. Der weiß lackierte hintere Radlauf ist eventuell bei der Beseitigung von Korrosionsschäden entstanden.

Sehr selten sind Borgward-LF 8 ohne Vorbaupumpe. Eine dieser Raritäten stellte die FF der Bauernschaft Rechterfeld (Gemeinde Visbek) 1959 in Dienst. Nach der Außerdienststellung gegen Ende der 1980er Jahre wurde das Fahrzeug glücklicherweise als Museumsfahrzeug erhalten


LF 8, Borgward B 522 A/O, Graaff, Bauj. 1959, FF Rechterfeld, heute Museumsfahrzeug.

Als die FF Bindlach ein LF 8 mit Allradantrieb anschaffen wollte, entschied man sich selbstverständlich für den örtlichen Ausrüster Ludwig, und so stand ab 1959 ein Borgward B 522 A/O mit Graaff-Aufbau im Gerätehaus. Nach 20 Dienstjahren verweigerte die Vorbaupumpe ihren Dienst, und sie wurde einschließlich Pumpenrahmen entfernt. Gleichzeitig wurde das Fahrzeug an die zu Bindlach gehörende FF Deps weitergegeben, wo es fortan als TSF (mit der Beladung eines LF 8) genutzt wurde. Nicht geklärt werden konnte, ob bei dieser Gelegenheit auch der hintere Radausschnitt verändert wurde oder schon immer eckig war.

1982 musste der Motor nach einem Defekt durch einen Dieselmotor von Mercedes-Benz ersetzt werden, was ein Jahr Anpassungsarbeiten in Eigenleistung erforderte. Schließlich wurde das Fahrzeug 2010 neu lackiert, um im April 2012 endgültig außer Dienst zu gehen. Heute gehört es zum Bestand des Oberfränkischen Feuerwehrmuseums Schauenstein.


TSF, Borgward B 522 A/O, Graaff, Bauj. 1959, geliefert als LF 8 über Ludwig an die FF Bindlach, 1979 Vorbaupumpe demontiert und umgesetzt zur FF Deps, ausgemustert 2012 (siehe auch Titelbild).

Die wenigen ab 1960 von Graaff gebauten LF 8 auf Borgward-Fahrgestellen unterscheiden sich deutlich von den älteren Modellen, vor allem von der Serie von Mitte 1958 bis Ende 1959. So wurde jetzt eine einteilige Frontscheibe verwendet, die Seitenwände waren vollkommen glatt, die seitliche Zierleiste verdeckte keinen „Kniff“ mehr. Der Radausschnitt war an der Oberseite gerade ausgeführt und reichte nicht so weit nach oben. Ob Graaff die Fahrzeuge selbst erstellt oder sich der Hilfe anderer Karosseriebaubetriebe bedient hat, ist nicht ganz klar. Auf jeden Fall zog sich Graaff etwa zu dieser Zeit wegen des großen Aufwandes (besonders vor Auftragserteilung) aus dem Bau von Komplettfahrzeugen für die Feuerwehr zurück, stattdessen wurden u.a. größere Aufbauserien für die Bundeswehr und den Luftschutzhilfsdienst produziert.

Die FF Ebern im unterfränkischen Landkreis Haßberge erhielt 1961 über Ludwig ein LF 8 mit Graaff-Aufbau, so zumindest die offizielle Version. Bei einem Vergleich mit dem oben erwähnten, nicht zuzuordnenden Arve-Fahrzeug fallen zahlreiche Übereinstimmungen auf. Es könnte – mit aller Vorsicht gesagt – sich um dasselbe Fahrzeug handeln. An der Seite prangt wie üblich ein Firmenschild von Ludwig, aber kein Hinweis auf Graaff oder Arve. Zu allem Überfluss zeigt das Bild auf der Homepage der Feuerwehr auch noch ein gänzlich anderes Fahrzeug mit Ziegler-Aufbau! Freundlicherweise wurde uns jetzt durch Helmut Elstrodt eine Seitenansicht von dem LF 8 zur Verfügung gestellt, dafür herzlichen Dank.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Graaff, Baujahr 1961, im Jahre 1986 bei der FF Ebern aufgenommen. Das Trittbrett hat noch den engen Abstand zur Karosserie wie bei den Vorgängerfahrzeugen, aber die Seitenwände sind glatt.

Der letzte, 1961 von Graaff an Ludwig gelieferte B 522 A/O wurde schließlich 1962 bei der Feuerwehr Hacklberg in Dienst gestellt. Seit 1972 gehört die Wehr zur Stadt Passau. Damit war Passau vermutlich die einzige Stadt bzw. Gemeinde, in der zeitgleich zwei Borgward-LF 8 mit Graaff-Aufbauten im Einsatz waren. Nicht festzustellen war, wann genau das Fahrzeug an die FF Passau-Patriching (ursprünglich eine Ortsteilwehr von Hacklberg) weitergegeben wurde. Heute befindet sich der gut gepflegte Oldtimer in Privatbesitz. Wieder verdanken wir das Foto Klaus Fischer.


LF 8, Borgward B 522 A/O, Graaff, Bauj. 1961, Indienststellung 1962, geliefert an die FF Hacklberg, zuletzt im Einsatz bei der FF Passau, LA Patriching. Das Firmenlogo des Lieferanten und Ausrüsters Ludwig ist nicht zu übersehen, dafür fehlen wieder äußerliche Hinweise auf die Firma Graaff. Der Aufbau ähnelt bis auf die Zierleiste vor der Fahrertür dem aus Ebern, die Trittstufen und die Dachreling sind aber völlig anders konstruiert.

Wenn man von niedersächsischen Feuerwehrfirmen spricht, darf selbstverständlich die Firma Schlingmann aus Dissen nicht fehlen. Hier kann sie allerdings nur als Negativmeldung auftauchen: Schlingmann hat offenbar keine LF 8 auf Borgward-Fahrgestellen produziert.


(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Helmut Elstrodt, Klaus Fischer, Klausmartin Friedrich, Nicklas Homann, Rainer Schäfer

Literatur (u.a.):

Graf, Helmut: Bremer Spezialitäten. In: Last & Kraft, Sonderedition 1/2006 Historische Feuerwehr-Fahrzeuge. Stuttgart, 2006.

Michels, Peter: Borgward Lastwagen & Omnibusse 1945-1961. Brilon, 2007.


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