Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 26

Mittwoch, 16. August 2017

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 26 - Mercedes-Benz LA 3500 und LA 312 (Baujahre 1951-1961) des dänischen Zivilschutzes

Die bundesdeutsche Zivilschutzorganisation der 1950er und 1960er Jahre, der Luftschutzhilfsdienst LSHD, hatte keine Mercedes-Benz-Langhauber in seinem Fuhrpark, man bevorzugte Borgward und Magirus. Ganz anders sah das bei unseren nördlichen Nachbarn aus. Beim dänischen „Civilforsvaret“ prangte der dreizackige Stern auf etwa jedem dritten LKW. Allerdings war das eher einem Zufall zu verdanken.

Die Geschichte des dänischen Zivilschutzes beginnt 1938 mit der Verabschiedung des Gesetzes über die Luftverteidigung („Luftværnslov“) durch „Folketing“ und „Landsting“, die beiden damaligen Kammern des dänischen Parlamentes. Zum 1. Januar 1939 wurde „Statens Civile Luftværn“ eingerichtet, wörtlich übersetzt die „staatliche zivile Luftwehr“. Sie sollte die Bevölkerung bei Luftangriffen schützen.

Am 9. April 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht Dänemark im Handstreich. Offiziell diente diese Okkupation nur dem „Schutz des Königtums Dänemark“ und seiner Neutralität, tatsächlich aber wollten die nationalsozialistischen Machthaber sich die Verbindungswege ins zeitgleich besetzte Norwegen offenhalten und von der dänischen Wirtschaftsleistung profitieren. Die „territoriale Integrität“ des dänischen Staates wurde angeblich nicht angetastet, dennoch mussten sich in der Folgezeit das dänische Parlament und die Regierung häufig dem Willen der deutschen Besatzer beugen.

Als aktive Komponente von „Statens Civile Luftværn“ stellte das dänische Innenministerium im Jahre 1941 neun „Civilbeskyttelsestjenestens Udrykningskolonner“ (CBU) auf und verteilte sie über ganz Dänemark. Diese meist nur „CBU-Kolonner“ genannten Einheiten waren die Ausrückekolonnen des Zivilschutzdienstes, wie ihr Name übersetzt hieß. Sie bestanden jeweils aus drei Brandschutzzügen, einem Räum- und Gasspürzug, einem Sanitätszug und einigen Führungsfahrzeugen.

Erste Fahrzeuge waren schon ab 1940 entstanden, die Aufbauten waren sehr spartanisch hergestellte Holzkonstruktionen mit halboffenem Mannschaftsraum und anschließendem Materialteil. An Fahrgestellen wurde überwiegend genutzt, was altbrauchbar im Lande vorhanden war und sich entsprechend umbauen ließ. In einigen Fällen wurden auch fabrikneue Chassis verwendet. Dabei war es sicher kein Zufall, dass sie überwiegend aus der Produktion der deutschen Besatzungsmacht stammten, wie Beispiele von Opel-Blitz und Ford-Köln belegen. Insgesamt wurden die Kolonnen aber nur sehr unvollständig ausgerüstet.

Im Laufe des Krieges änderte sich das Verhältnis zwischen Besetzten und Besatzern deutlich zum Schlechteren. Je stärker die nationalsozialistische deutsche Reichsführung unter Druck kam und mit Zwangsmaßnahmen reagierte, umso stärker wuchs der dänische Widerstand; im Gegenzug nahmen wiederum die Repressalien der Besatzer zu. Glücklicherweise blieb Dänemark – mit Ausnahme der Insel Bornholm – weitgehend von Bombenangriffen der Alliierten verschont. Am 5. Mai 1945 kapitulierten die deutschen Truppen in Dänemark, das Land war befreit.

Bei ihrem Abmarsch in britische Gefangenschaft hinterließen die deutschen Soldaten die von ihnen genutzten Liegenschaften, hauptsächlich Kasernen und Lager aus Holzbaracken, den so genannten Feldhäusern. In den größten Teil der Barackenlager wurden umgehend die seit Januar 1945 aus Ostpreußen und Pommern über die Ostsee nach Dänemark evakuierten deutschen Flüchtlinge eingewiesen. Aufgrund ihrer großen Zahl von etwa 250.000 Menschen waren die Lager hoffnungslos überfüllt, wegen der Holzbauweise darüber hinaus stark feuergefährdet. Die CBU-Kolonnen sorgten jetzt dort für den Brandschutz. Gleichzeitig übernahmen sie einen Teil der von den Besatzern zurückgelassenen Feuerwehrfahrzeuge, vor allem LF 15, LF 25 sowie Schlauchtender und Fliegerkraftspritzen der Luftwaffe und füllten damit die riesigen Lücken in ihrer Ausstattung auf.

Bald nach Kriegsende nahmen die Spannungen zwischen Ost und West zu. Infolgedessen war an eine Auflösung des Zivilschutzes nicht zu denken. 1949 änderten sich die Bezeichnungen, die Dachorganisation hieß jetzt „Civilforsvarsstyrelsen“ (auf Deutsch in etwa „Zivilverteidigungslenkung“). Aus dem CBU-Korps mit seinen neun Kolonnen wurde das „Civilforsvarskorps“ (CF-Korps), also das Zivilschutzkorps, eingeteilt in wiederum neun „CF-Sektioner“ (Zivilschutzabteilungen oder -bereitschaften). Das Führungspersonal der Bereitschaften und Züge waren staatliche Angestellte, die Masse des (im Kriegsfall) ca. 10.000 Mann starken Personals bildeten Wehrpflichtige, die anstelle des Wehrdienstes im Zivilschutz ihren Dienst verrichteten.

Die Fahrzeugausstattung war nach wie vor nicht ausreichend, viele der im Krieg notdürftig zusammengestückelten Altfahrzeuge waren verschlissen oder hoffnungslos überaltert.

In einem ersten Schub wurden 242 fabrikneue LKW-Fahrgestelle in Großbritannien bestellt. Es handelte sich um Überschussproduktionen für die alliierten Streitkräfte, die bei Kriegsende nicht mehr benötigt wurden und dort in großen Lagern herumstanden. 54 von ihnen waren amerikanische FWD-Fahrgestelle, dazu unter anderem kanadische Chevrolet C30 und C60. Sie wurden in der 2. Hälfte des Jahres 1950 geliefert, erhielten in dänischen Werkstätten ihre Aufbauten und konnten im Laufe des Jahres 1951 in Dienst gestellt werden. Den größten Nachteil der z.T. sehr schweren Fahrzeuge bildeten zweifellos die durstigen Benzinmotoren.

Einheitliche Fahrzeugfarbe im „Civilforsvaret“ war jetzt ein dunkles Grau. Die Einsatzfahrzeuge führten übrigens kein Sondersignal (Blaulicht, Tonfolgehorn), stattdessen wurde im Alarmfall ein gelber Wimpel mit der Aufschrift „Udrykning“ vorne links an der Stoßstange befestigt. Das war lange Zeit die in Dänemark übliche Kennzeichnung für Alarmfahrten. Erst in den 1970er Jahren erhielten die Löschfahrzeuge Sondersignalanlagen. Einige andere Zivilschutzfahrzeuge bekamen ein Gelblicht nachgerüstet.

In diesem Artikel sollen vor allem die Mercedes-Benz-Langhauber im Vordergrund stehen. Wieder war es die politische Situation, die sich auswirkte. Die Daimler-Benz AG hatte 1950 einen größeren Auftrag an Allradfahrzeugen für den Export nach China eingefädelt und sofort mit der Produktion begonnen. Mitte 1951 war bereits eine beträchtliche Anzahl von Fahrgestellen fertiggestellt. Der im Juni 1950 ausgebrochene Koreakrieg machte dieses Vorhaben aber zunichte. In China hatte Mao Tse-tung die Macht übernommen, sein Land unterstützte massiv die kommunistischen Truppen in Korea. Die US-Regierung machte Druck auf die noch unter Besatzungsrecht stehende deutsche Bundesregierung bzw. auf die in der US-Besatzungszone ansässige Firma und verhinderte die Auslieferung der kriegstauglichen Allradfahrzeuge an „Rotchina“.

Die Daimler-Benz AG saß jetzt auf einer größeren Menge von halbfertigen Fahrgestellen, die bereits erhebliche Kosten verursacht hatten, und sie war bestrebt, diese zügig zu verkaufen. Dafür boten sich Preisnachlässe an.

In Kopenhagen hatte Christian Bohnstedt-Petersen im Jahre 1911 einen Motorrad- und KFZ-Handel gegründet, der seit 1934 als Generalimporteur und Montagefabrik für PKW von Daimler-Benz fungierte. Während des Krieges war ein Import so gut wie unmöglich gewesen, ab 1949 belebte Bohnstedt-Petersen aber seine alten Verbindungen erneut und importierte jetzt auch erste LKW.

Ein Mercedes-Benz LA 3500 wurde auf Werbetour durch Dänemark geschickt und bewährte sich so gut, dass die Verantwortlichen des Zivilschutzes Interesse bekamen. Aufgrund des von der Daimler-Benz AG gewährten Preisnachlasses für die „chinesischen“ Fahrzeuge wurde man sich handelseinig. Am 24. Juli 1953 unterzeichneten beide Seiten den Vertrag, 131 bereits vorgefertigte Fahrgestelle wurden nach Dänemark geliefert. Abgewickelt wurde der Import über die Firma Bohnstedt-Petersen A/S.

In welchem Zustand die Fahrzeuge nach Dänemark kamen, ist momentan unklar. Üblich war es nämlich, den endgültigen Zusammenbau erst in Dänemark vorzunehmen, da das aufgrund der dänischen Zollbestimmungen sehr viel günstiger war. Wegen der zu geringen Kapazitäten in Kopenhagen hatte Bohnstedt-Petersen inzwischen in Hillerød eine zweite, direkt an der Bahn gelegene Produktionsstätte errichtet. Dort wurde 1954 der erste Mercedes-Benz-LKW zusammengebaut.

In Lübeck erwarb Bohnstedt-Petersen extra Hallen, in denen halbfertige Fahrzeuge zuvor wieder in Baugruppen zerlegt und diese dann per Bahn und Schiff nach Dänemark transportiert wurden. Das war zollmäßig immer noch billiger als ein Import vollständiger Fahrgestelle. Ob dieses Verfahren auch für die Zivilschutzfahrzeuge genutzt wurde oder ob für sie – da ohnehin vom dänischen Staat bezahlt – eine Ausnahmegenehmigung des Zolls vorlag, war nicht festzustellen.

Geliefert wurden sowohl Fahrgestelle mit 3.600 mm Radstand als auch solche mit 4.200 mm. Ein Teil von ihnen besaß nur Motor, Lenkung, Armaturenbrett und Motorhaube, der Fahrer musste sich erstmal eine Kiste auf den Dieseltank stellen, damit er das Fahrgestell bewegen konnte. In gleicher Art und Weise wurden übrigens auch die Fahrgestelle ausgeliefert, die in Deutschland zu Löschgruppenfahrzeugen usw. aufgebaut wurden.

In Dänemark wurden aus 18 dieser Fahrgestelle Autospritzen, was auf Dänisch Autosprøjte heißt. Neun von ihnen erhielten einen Aufbau des Typs „Svendborg“. Hinter der Typbezeichnung verbirgt sich wahrscheinlich nur, dass sie in einer Karosseriefabrik in Svendborg auf Seeland ihre Aufbauten erhielten. Als Modelljahr wird in der Literatur zum Teil 1952 angegeben, was Fragen aufwirft. Evtl. ist es das Jahr der Zeichnungserstellung.

Wie alle Löschfahrzeuge des damaligen „Civilforsvaret“ besaßen sie keinen Wassertank. Eingebaut war eine Aster-Heckpumpe mit einer Leistung von 2.000 l/min. Mitgeführt wurden 150 m A-Schlauch, 360 m B-Schlauch, 210m C-Schlauch, passende Kupplungs- und Verteilerstücke sowie je vier B- und C- Strahlrohre. Mit dieser Ausrüstung unterschieden sie sich von den oben erwähnten FWD-Autospritzen, die stärkere Pumpen, deutlich mehr A-Schläuche, aber weniger B- und C- Schläuche an Bord hatten. Die Besatzung bestand bei allen Autospritzen aus neun Mann – auch hier hatte die deutsche Polizeidienstvorschrift Nr. 23 (erläutert im legendären Heimberg/Fuchs) Wirkung gezeigt.


Autosprøjte type Svendborg (Löschgruppenfahrzeug), Mercedes-Benz LA 3500/42, Fahrgestell-Baujahr 1951, Aufbau verm. Baujahr 1955, eingesetzt beim dänischen Zivilschutz bis ca. 1981, seitdem Museumsfahrzeug. Gut zu erkennen ist das Tarnlicht auf der Stoßstange.

Neun weitere Autospritzen wurden im jütländischen Silkeborg bei der Firma Dansk Automobil Byggeri (DAB) aufgebaut. DAB, 1912 gegründet, war 1955 schon ein renommierter Karosseriebetrieb, landesweit bekannt wurde die Fabrik ab den 1960er Jahren mit dem Bau von Linienbussen unter Verwendung von Leyland-Komponenten. Die Autospritzen wurden als Model 55, Typ Silkeborg bezeichnet. Bis auf kleine Karosseriedetails im Frontscheibenbereich, die nur bei genauerem Hinsehen auffallen, unterschieden sie sich nicht vom Typ Svendborg. Aus technischen Gründen kann leider kein Foto gezeigt werden.

Jede der neun Bereitschaften (“sektioner“) verfügte über mindestens eine, vermutlich zwei dieser Autospritzen, ausgemustert wurden sie Anfang der 1980er Jahre.

Weitere 18 Fahrgestelle ohne geliefertes Führerhaus wurden zu „Brandudrykningsvogn“ hergestellt. Hinter „Ausrückewagen“ verbergen sich in Dänemark Brandschutzfahrzeuge, die Personal und Material befördern, aber keine (fest eingebaute) Pumpe an Bord haben. Im vorliegenden Fall sahen sie so aus wie die eben beschriebenen Autospritzen, nur eben ohne Einbaupumpe. Sie führten einen offenen Einachsanhänger mit, auf dem eine Motorpumpe mit Zubehör verlastet waren. Die Besatzung betrug wieder neun Mann.

Dazu kamen neun „Slangetender type 2“ (Schlauchwagen mit TSA), die vermutlich auch den Autospritzen ähnelten. Sie wurden bereits in den 1960er Jahren zu „Redningsvogn“ (in etwa älteren Rüstwagen vergleichbar) umgebaut. Fotos sind absolute Mangelware, offenbar selbst in Dänemark.

Für Bergungsaufgaben entwickelte man einen „Rydningsvogn, model 1955“. Von diesem „Räumungswagen“ wurden wieder 18 Stück produziert, sie müssten auch den eben beschriebenen Aufbauten entsprochen haben. Da sie bereits in den 1960er Jahren zu normalen LKW (mit Pritsche und Plane) umgebaut wurden, gibt es hier ebenfalls keine Bilder.

Die bisherigen Stückzahlen lassen sich immer durch neun teilen, was kein Zufall ist, denn stets sollten alle neun „Sektioner“ (Bereitschaften) mit einem oder mehreren der Fahrzeuge ausgerüstet werden.

Auf die Dauer waren die Spezialaufbauten zu teuer und unflexibel. Außerdem sollte im Krieg die Masse der CF-Angehörigen ohnehin aus dem Zivilleben zusätzlich requirierte LKW nutzen, deren Ausrüstung eingelagert worden war. Für die Ausbildung der Wehrpflichtigen in Friedenszeiten und für die Ausstattung von Basiseinheiten wählte man daher einen anderen Weg.

Bei den meisten Fahrzeugen aus der ersten Serie handelte es sich um Fahrgestelle mit Führerhaus. In die Kabinen wurde (meistens) eine Luftbeobachtungsluke geschnitten, die Pritschenaufbauten wurden von verschiedenen dänischen Herstellern aufgesetzt. Diese Pritschen-LKW wurden jetzt für den Zivilschutz entsprechend ausgebaut.

Es entstanden für den Brandschutzdienst „Brandgruppevogn“ (Ausstattung für eine Löschgruppe, mit oder ohne Anhängespritze) und „Slangegruppevogn“ (Schlauchgruppenwagen mit zwei TS auf einem Einachsanhänger), für den Bergungsdienst „Delingsdepotvogn“ (Zugdepotwagen mit leichtem Bergungsgerät) und „Hjælpedepotvogn“ (Hilfsdepotwagen mit schwerem Bergungsgerät) sowie „Sanitetsmaterialvogn“ und als Versorgungsfahrzeuge „Køkkenvogn“ (Küchenwagen) und normale Transport-LKW.

Das Gerät wurde dazu in Holzkisten verstaut, die dann auf der Pritsche montiert wurden. Sie dienten gleichzeitig als Sitzbänke für die Mannschaft. Ein Vorteil dieses Systems war fraglos, dass man bei Ausfall eines Fahrzeuges innerhalb kurzer Zeit die Ausrüstung auf ein anderes umladen konnte.


Slangegruppevogn (Schlauchgruppenwagen), Mercedes-Benz LA 3500/42, Fahrgestellbaujahr 1951, Aufbau etwa 1954/55 in Dänemark aufgesetzt, zunächst genutzt im CF-Korps, zum Aufnahmezeitpunkt bereits im Dienst beim kommunalen Zivilschutz in Ringkøbing.
Vorgesehen waren an Personal 9 Mann. Die Ausrüstung bestand u.a. aus 1.575 m A-Schlauch in 21 Kästen, 105 m B-Schlauch in Körben, 3 B-Strahlrohren, einem Faltbehälter mit 10 m³ Inhalt, 10 Schlauchbrücken, div. Armaturen, 2 Steckleiterteilen und Beleuchtungsmaterial. Die beiden auf einem Anhänger mitgeführten Tragkraftspritzen leisteten je 1.000 l/min.


Køkkenvogn (KüKW), Mercedes-Benz LA 3500/36, Baujahr des Fahrgestells 1951, Aufbau ab 1954 in Dänemark aufgesetzt, anschließend bei einer „CF-Sektion“ im Einsatz, hier schon stationiert beim kommunalen Zivilschutz in Ringkøbing (siehe auch das Titelbild dieses Artikels).

Nachdem zwischendrin immer mal wieder Fahrzeuge aus britischer Produktion geordert worden waren, bestelle der dänische Zivilschutz im Jahre 1957 eine weitere Serie bei der Daimler-Benz AG, dieses Mal jedoch nur 16 Fahrzeuge. Es handelte sich ausnahmslos um Mercedes-Benz LA 312/36, also Fahrzeuge mit 4,5 t Nutzlast und kurzem Radstand. Wieder erhielten sie in Dänemark ihre Pritschenaufbauten und wurden für die oben genannten Zwecke verwendet.


Brandgruppevogn (LF ohne Einbaupumpe), Mercedes-Benz LA 312/36, Baujahr 1957, geliefert an den staatlichen Zivilschutz, zum Fotozeitpunkt bereits stationiert beim kommunalen Zivilschutz in Ringkøbing. Die Fahrzeuge aus der zweiten bis vierten Lieferserie (1957, 1959 und 1961) lassen sich u.a. an den unterhalb der Frontscheibe montierten Scheibenwischern und den fehlenden Schutzringen um die Scheinwerfer identifizieren.
Auf der Stoßstange ist (wie bei den meisten hier gezeigten Fahrzeugen) noch die Halterung für das vordere Tarnlicht zu erkennen, das Gelblicht wurde nachgerüstet.

Eine dritte Serie beschaffte der Zivilschutz zwei Jahre später. Von den insgesamt 24 Viereinhalbtonnern LA 312 besaßen 12 das kurze Fahrgestell mit 3.600 mm Radstand, die andere Hälfte verfügte über den längeren Radstand (4.200 mm).

Diese Aufteilung blieb auch bei der letzten Serie von 1961 bestehen, sechs kurze und sechs lange Fahrgestelle bildeten den Abschluss der Langhauber-Beschaffungen des „Civilforsvaret“. Danach wechselte man auf die Kurzhauber mit dem Stern am Kühler.


Lastvogn (LKW), Mercedes-Benz LA 312/36, Baujahr 1959 oder 1961, nach dem Dienst im staatlichen Zivilschutz jetzt eingesetzt beim kommunalen Zivilschutz in Frederiksværk auf Seeland. Die runde, auch in Deutschland übliche Dachluke über dem Beifahrersitz gab es – soweit bekannt – nur bei den letzten beiden Bauserien.

Neben den Pritschenwagen entstand noch eine Reihe weiterer Spezialfahrzeuge. So wurden drei LA 3500/36 mit einem Bilstein-Kran ausgerüstet. Das bewährte sich offenbar überhaupt nicht, vermutlich war das Fahrgestell einfach zu leicht. Noch in der 2. Hälfte der 1950er Jahre wurden die Kräne wieder abmontiert und auf größere FWD-Chassis umgesetzt. Die drei Mercedes-Benz wurden zu normalen LKW mit Pritsche und Plane umgebaut.

Erfolgreicher war die Nutzung der (zunächst) drei schweren Werkstattwagen auf Fahrgestellen vom Typ LA 3500/42. Die als „Værkstedsvogn (tung), model 1955“ bezeichneten Fahrzeuge erhielten gebraucht gekaufte kanadische Funkkoffer aus dem 2. Weltkrieg, die entsprechend umgerüstet wurden. Aus der 1957er Serie mit kürzerem Radstand entstand ein weiterer Werkstattwagen. Alle vier Fahrzeuge wurden erst 1997 ausgemustert.

In nur einem Exemplar existierte – auf einem LA 312/42 von 1959 – ein Fernmeldewerkstattwagen. Für den „Signalværkstedsvogn, model 1959“ wurde erneut ein gebrauchter Funkkoffer kanadischer Herkunft verwendet. Das Fahrzeug blieb bis 1990 im Dienst

Mindestens 10 Langhauber wurden als „Ambulance“ ausgerüstet. Nachgewiesen sind sieben Fahrgestelle LA 3500/36 von 1951, zwei LA 312/36 aus der 1957er-Lieferung und ein Fahrzeug von 1959, ebenfalls auf Mercedes-Benz LA 312/36. Die Wagenkästen stammten aus dem Jahr 1942, wiederum aus Kanada oder den USA. Baugleiche Aufbauten wurden auch auf den oben genannten Chevrolet verwendet. Die Sanitätskoffer wurden im Laufe ihres Dienstes mehrfach auf andere Fahrgestelle umgesetzt, was die historische Zuordnung nicht leichter macht.

Schließlich sind noch die schweren Einsatzleitwagen zu erwähnen, im CF-Sprachgebrauch als „Radiocentralvogn (tung), model 1955“ bezeichnet. Wieder gibt es Unterlagen zu mindestens 10 Fahrzeugen, sieben mit Fahrgestellen von 1951 auf LA 3500/42, die anderen drei auf LA 312/42 von 1959. Die Kofferaufbauten stammten wie üblich aus ehemaligen Militärbeständen der Alliierten. Ähnlich wie die Werkstattwagen konnten die Einsatzleitwagen auf eine sehr lange Dienstzeit zurückblicken, die letzten ihrer Art wurden erst 1996 ausgemustert. Bis dahin waren sie längst auf die ab Ende der 1970er Jahre im „Civilforsvaret“ übliche orange Farbe mit den großen blauen Dreiecken (dem internationalen Zivilschutzzeichen) umlackiert worden – bis auf den aus Næstved, übrigens ein 1959er Baujahr. Freundlicherweise wurde uns für diesen Artikel ein Bild des dänischen Fotografen Brian Pedersen zur Verfügung gestellt. Tusind tak!

Alle hier genannten Spezialfahrzeuge hatten eine Besatzung von 2 Mann und wurden übergeordnet eingesetzt.


Radiocentralvogn (Einsatzleitwagen), Mercedes-Benz LA 3500/42, Fahrgestellbaujahr 1951, Aufbau vor 1945 für alliierte Truppen entstanden, aufgesetzt ab etwa 1954. Der ELW wurde zuletzt in der „Midtjyske CF-Kolonne“ (Mitteljütländische Zivilschutzkolonne) in Herning genutzt.

Die Fahrzeuge bewährten sich so gut, dass die Daimler-Benz AG endgültig für Jahrzehnte zum bevorzugten Hersteller im dänischen Zivilschutz wurde. Durch die Langlebigkeit von Motoren und Fahrgestellen sowie den deutlich geringeren Verbrauch übertrafen sie an Einsatzjahren die Fahrzeuge aus amerikanischer, kanadischer und britischer Produktion deutlich. In der Regel wurden die reinen Lastkraftwagen nach ihrer Ausmusterung im staatlichen Zivilschutz noch (mit oder ohne Beladung) an die Kommunen weitergegeben, die sie häufig für dieselben Zwecke nutzten.


Lastkraftwagen, Mercedes-Benz LA 3500/42, Baujahr 1951, nach mehreren Jahren im staatlichen Zivilschutz jetzt in oranger Farbgebung in Diensten des kommunalen Zivilschutzes der Gemeinde Maribo auf Lolland. Das große blaue Dreieck ist bei kommunalen Fahrzeugen nicht üblich.

Die Städte und Gemeinden gliederten die Fahrzeuge häufig in ihren eigenen Zivilschutz ein, der neben oder anstelle der kommunalen Feuerwehr bzw. dem Feuerwehrdienstleister Falck bestand. Sie rüsteten die Fahrzeuge teilweise auch für andere Zwecke um, so z.B. als Waldbrandlöschfahrzeug („Skov-Vogn“) mit einem großen Wassertank und einer TS auf der Pritsche. Ähnliche Versuche hatte es in den 1970er Jahren auch im staatlichen Zivilschutz gegeben.


Skov-Vogn (Waldbrandlöschfahrzeug), Mercedes-Benz LA 3500/36, Baujahr des Fahrgestells 1951, Pritschenaufbau von 1955, ca. 25 Jahren Dienst im staatlichen Zivilschutz, dann abgegeben an den kommunalen Zivilschutz der Stadt Ringkøbing.


Lastkraftwagen, Mercedes-Benz LA 312/36, Baujahr 1959 oder 1961, zunächst verwendet im staatlichen Zivilschutz, 1989 bereits als Einsatzfahrzeug des kommunalen Zivilschutzes der Gemeinde Maribo.

Ein früheres Fahrzeug des dänischen „Civilforsfaret“ hat es inzwischen auch nach Deutschland verschlagen. Zur ehemaligen Alga-Sammlung in Sittensen gehörte ein Mercedes-Benz LA 3500/36, der zuletzt beim kommunalen Zivilschutz der Gemeinde Brande in Mitteljütland eingesetzt wurde. Seit 2015 befindet er sich im Museum „PS-Speicher“ in Einbeck.


Lastkraftwagen, Mercedes-Benz LA 3500/36, Baujahr 1951, Aufbau 1954/55, zunächst im staatlichen dänischen Zivilschutz eingesetzt, dann als Zivilschutzfahrzeug der jütländischen Gemeinde Brande.
Das Bild entstand im September 2015, als das (mit Dekoration verunstaltete) Fahrzeug in einer langen Oldtimerkolonne vom Alga-Museum in Sittensen zum „PS-Speicher“ nach Einbeck überführt wurde. Die orangefarbene Plane dürfte noch in Brande als Ersatzteil aufgezogen worden sein. Ob die schwarze Stoßstange und die silbernen Felgen aber dänischen Ursprungs sind, ist fraglich.


(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Klausmartin Friedrich, Brian Pedersen, Claus Tiedemann,

Literatur (u.a.):

Christensen, Rune: Beredskabsstyrelsens køretøjer. http://www.beredskabsstyrelsens-biler.dk/ , abgerufen am 30.06.2017

Bohnstedt-Petersen A/S (Hrsg.), Helme, Jørgen (Text): 50 år med Mercedes-Benz i Danmark. Hillerød, 1984

Lind Arpe, Jesper: Beredskabskorpset køretøjer, del 1, del 2, del 3. http://www.brandkoretojer.dk/category/historisk/ , abgerufen am 28.06.2017

Tiedemann, Claus: Auftrag aus China. In: Blaulicht, Heft 1/2008. Willich, 2008.

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