Das Wechselladersystem der Feuerwehr Hamburg - Teil 1

Mittwoch, 6. Januar 2021

Die Wechselladerfahrzeuge und Abrollbehälter der Feuerwehr Hamburg - Teil 1

Die Indienststellung von sechs Wechselladerfahrzeugen auf Scania-Fahrgestell im vergangenen Jahr und den 35. Geburtstag der Technik- und Umweltschutzwache, F 32, am 06. Januar 2021 wollen wir zum Anlass nehmen, uns mit den Wechselladerfahrzeugen und Abrollbehältern der Feuerwehr Hamburg zu beschäftigen und einen Rückblick auf die Vergangenheit sowie die Entwicklung zu geben. Im ersten Teil betrachten wir zunächst die Beschaffungen bis zum Jahr 1990.

Das erste Wechselladerfahrzeug (WLF) bei der Feuerwehr Hamburg wurde im Jahr 1977 beschafft. Das System war für die Feuerwehr der Hansestadt neu, besaßen doch zuvor alle ihre Sonderfahrzeuge feste Aufbauten.

Dieses erste Einzelstück wurde von der Firma Meiller aus München auf einem Mercedes-Benz Kurzhauber-Allradfahrgestell, Modell LAF 1113 B, aufgebaut und war in RAL 3000 „Feuerrot“ lackiert. Als Sondersignaleinrichtung verfügte das Fahrzeug über zwei Rundumkennleuchten der Firma Bosch RKLE 130 H und epochentypische Starktonhörner. Dieses Fahrzeug war bis 1987 an der Feuerwache Berliner Tor stationiert und wurde dann ausgemustert.

Die ersten, 1977 nach Hamburg ausgelieferten Abrollbehälter (AB) in Hamburg waren ein AB-Sandsack, ein AB-Boot, ein AB-Rüstmaterial und ein AB-KFZ-Versorgung sowie eine einfache Mulde. Bis auf die Mulde die bei der Firma Bock Behälterbau entstand, stammten alle anderen AB von Roland-Container aus Bremen.

Zwei Jahre nach dem ersten WLF folgte 1979 schon das zweite, nun aber auf einem Mercedes-Benz Frontlenkerfahrgestell vom Typ 1619 KO/45. Die Wechselladereinrichtung RK 8005 lieferte ein weiteres Mal Meiller.

Das WLF wurde von einem wassergekühltem Sechs-Zylinder-Dieselmotor mit einer Motorleistung von 141 kW / 192 PS angetrieben, das zulässige Gesamtgewicht betrug 16.000 kg. Gemeinsam mit dem WLF erhielt die Feuerwehr Hamburg auch noch einen von Karosseriebau Hermann aufgebauten AB-Atemschutz. Dieser wurde fest mit dem WLF "verheiratet" und das als Atemschutzgerätewagen (ASGW) 22 bezeichnete Gespann an der Feuerwache Berliner Tor stationiert. Das WLF wurde 1983 zusammen mit dem AB-Atemschutz zur Feuerwache Veddel, F 33, umgesetzt, so dass sich der Funkrufname in ASGW 33 änderte.

Neben dem AB-Atemschutz wurden 1979 noch drei weitere Abrollbehälter bei der Firma Schölch beschafft. Ein AB-Aufenthalt, ein AB-Befehlsstelle und ein AB-Besprechungsraum.

Diese Abrollbehälter wurden zunächst bei dem über mehrere Monate laufenden Einsatz bei der Firma Stoltzenberg verwendet. Auf dem Gelände der ehemaligen "Chemische Fabrik Stoltzenberg" in der Schnackenburgallee in Eidelstedt wurden über 75 Tonnen giftige Stoffe, u.a. Phosgen und Chlor, gefunden und mussten über mehrere Monate von der Bundeswehr und Spezialfirmen geborgen sowie das Gelände aufwendig saniert werden.

Im Jahr 1980 lieferte Meiller einen AB-Pritsche mit Ladebordwand nach Hamburg aus.

In den Jahren 1981 (2 Fahrzeuge), 1982 (1 Fahrzeug) und 1983 (1 Fahrzeug) erhielt die Feuerwehr Hamburg vier baugleiche WLF. Zwei gingen an die damalige Feuerwache Wilhelmsburg, F 32 (die heutige Technik- und Umweltwache wurde erst 1986 eingerichtet), eins an die Feuer- und Rettungswache Osdorf, F 14, und eins an die Feuerwache Altona, F 12.

Diese vier WLF waren, wie das 1979 gelieferte Fahrzeug, auf Frontlenker-Fahrgestellen Mercedes-Benz 1619 KO / 45, aufgebaut. Erneut wurden Meiller RK 8005 als Wechselladereinrichtung verwendet. Das 1979 ausgelieferte sowie auch die vier folgenden WLF wurden in RAL 3024 "Tagesleuchtrot" lackiert und waren mit zwei Rundumkennleuchten Bosch RKLE 150 und einem Presslufthorn von Max Martin ausgestattet.

Das Fahrzeug an der Feuerwache Altona war fest mit einem 1984 von Herrmann gelieferten AB-Atemschutz beladen und lief als ASGW 12.

An Abrollbehältern wurden 1981 ein Abrollbehälter mit Überfässern von der Firma Bock Behälterbau und ein AB-Pritsche von der Roland Container geliefert.

Im Jahr 1983 folgte ein AB-Schlauchmaterial von Bachert. Dieser ähnelte in seiner Ausstattung einem konventionellen Schlauchwagen (SW) 2000, nur eben auf Basis eines Abrollbehälters. Der AB war zusammen mit einem WLF einige Jahre an der Feuerwache Osdorf stationiert, bevor er 2006 an die Feuerwehr Neumünster verkauft wurde. Dort steht er nach einer Grundüberholung noch heute im Dienst.

Der eben schon erwähnte zweite AB-Atemschutz wurde 1984 an der Wache Altona in Dienst gestellt.

Im Jahr 1985 folgte ein Wechselladerfahrzeug auf Mercedes-Benz 1622. Dieses Fahrzeug war erstmals mit einer größeren Kabine ausgestattet, die Wechselladereinrichtung kam erneut aus dem Hause Meiller (RK 8005). Das Fahrzeug wurde von einem leistungsstärkeren Sechs-Zylinder-Dieselmotor mit einer Motorleistung von 159 kW / 216 PS angetrieben, das zulässige Gesamtgewicht betrug nun 17.000 kg.

Auch 1986 erhielt die Feuerwehr Hamburg ein WLF. Es war baugleich zum im Jahr davor beschafften Exemplar. Neu war, neben den beiden Bosch RKLE 150-Kennleuchten vorne auf der Kabine und dem Presslufthorn von Max Martin die einzelne Rundumkennleuchte von Hella am Heck. Nachträglich erhielten diese beiden WLF Frontblitzer vom Typ 45 von Hänsch, die aufgrund ihrer speziellen Bauform teilweise als „Blitztitten“ bezeichnet wurden. Außerdem erhielten sie eine umlaufende Bauchbinde mit weißer Reflexfolie, um die Erkennbarkeit der Fahrzeuge zu erhöhen.

Die zum 6. Januar 1986 eingerichtete Technik- und Umweltwache an der Rotenhäuser Straße erhielt im Jahr ihrer Eröffnung gleich vier neue Abrollbehälter von Bachert.

Neben zwei AB-Schaum mit jeweils 5.000 l Schaummittel waren das ein AB-Öl und ein AB-Dekontamination.

Der AB-DEKON war der erste seiner Art bei einer Feuerwehr in Deutschland und erlaubte es direkt an der Einsatzstelle Chemieschutzanzüge (CSA) fachgerecht von Verunreinigungen zu befreien, also zu dekontaminieren. Zuvor konnten die von den Feuerwehrangehörigen getragenen Chemieschutzanzüge an der Einsatzstelle nur grob durch Abspritzen gereinigt werden. Meist im Freien mussten die Feuerwehrleute dann ihre CSA ablegen und in ihre normale Einsatzkleidung wechseln. Die in Plastiksäcke verpackten CSA wurden anschließend zur gründlichen Reinigung zurück zur Dienststelle gebracht. Dieses Prozedere barg ein enormes Risiko zur gefährlichen Kontaminationsverschleppung.

Der neue AB-Dekon erlaubte es sowohl die Einsatzkraft, als auch ihren CSA noch vor Ort soweit zu reinigen, das von ihnen keine Gefahr mehr durch eine Verunreinigung ausging. Zum Reinigungsprozess gehörte auch das Auffangen des benötigten Wassers in einem eigenen Tank.

Zum AB gehörten eine Dusche im Außenbereich für die Hauptreinigung, einen Auskleideraum für den CSA-Träger mit Ablagemöglichkeit für den Pressluftatmer, eine Personendusche, eine Kleiderkammer für die Entgasung und das Trocknen der CSA sowie einen Ankleideraum. Damit setzte der AB-DEKON die heute bekannten Prinzipien der Schwarz-Weiß-Trennung um. Der AB-DEKON wurde 2004 durch einen neuen Abrollbehälter ersetzt.

Der AB-Öl ersetzte den Rüstwagen-Öl aus dem Jahr 1972. Auf dem Abrollbehälter waren u.a. zahlreiche Umfüll- und Fasspumpen, ein Flüssigkeitssauger, diverse Auffangbehälter bis zu einer Größe von 680 l und Spezialschläuche verladen. Dieser AB wurde 2003 / 2004 zum AB-GSG umgebaut und 2013 durch einen neuen Abrollbehälter endgültig ersetzt.

Im 1987 von Roland Container gebauten AB-Kran lagerte das nötige Zubehör für den Hamburger Feuerwehrkran. Zur Beladung gehörten unter anderem ein Krankorb und verschiedene Anschlagmittel.

Nach dem RW-Öl wurde 1988 auch der RW-Hafen durch einen Abrollbehälter ersetzt. Dem 1974 ausgelieferten RW ersetzte ein AB von Bachert. In ihm eingebaut war ein Stromerzeuger mit 28 kVA Leistung. Zur Beladung gehörten ein Großentlüftungsaggregat, ein Rettungskorb, Wassersauger sowie mehrere Tauchpumpen.

Im zweiten Teil unserer Serie werden wir die Beschaffung der Wechselladerfahrzeuge und Abrollbehälter zwischen den Jahren 1991 und 2000 betrachten.

Text: Heiner Lahmann

Bilder: Archiv Hamburger Feuerwehr Historiker E.V., Claus Tiedemann, Holger de Vries, Jürgen Suchorski, Jörg Uhlig, Thomas Haul, Heiner Lahmann

Quelle: Archiv Hamburger Feuerwehr Historiker E.V.


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