Feuerwehr "light"

    • Feuerwehr "light"

      In der Oberpfalz (wo auch sonst) kam ein Kommandant auf die "großartige" Idee, in seiner Feuerwehr eine Light-Version einzuführen.
      Ob das nun sinnvoll ist oder nicht sei mal dahin gestellt. Wichtig ist meiner Meinung nach, das die Kräfte dieser Löschgruppe "light" mindestens eine abgeschlossene Grundausbildung aufweisen können.

      Aber hauptsächlich geht es, so wie ich das verstanden habe eigentlich darum, dass viele den Dienst in der Feuerwehr scheuen, weil sie nicht am Vereinsleben teilnehmen möchten.

      Zeitungsartikel Chamer Zeitung schrieb:

      Der Grundgedanke: Bürgern die Möglichkeit bieten, auch als Feuerwehrdienstleistende zu wirken, ohne große Verpflichtungen gegenüber dem Verein eingehen zu müssen.
      "Ich denke da an eine Löschgruppe, die sich vielleicht quartalsweise trifft, um das grundsätzliche Handwerk, das bei einem Einsatz benötigt wird, zu erlernen"
      [...]
      "Ich kenne schon jemanden, der sich ebenfalls als Retter und Helfer einbringen will, jedoch von vornherein betont hatte, er wolle nicht bei einer Fahnenweihe mitmarschieren."
      Die Frage die sich mir aufdrängt, braucht es unter diesen Vorraussetzungen überhaupt diese Light-Löschgruppe?
      Nur weil "ich" mich nicht am Vereinsleben außerhalb des Einsatzdienstes beteiligen möchte kann ich doch trotzdem im Rahmen meiner Möglichkeiten am "normalen" Ausbildungsdienst teilnehmen.
    • Das ist so ein heißes Eisen... das sollte man nicht so ohne Weiteres anfassen. Ich, selber Wehrführer/Kommandant, frage mich gerade allen Ernstes, ob ich solche Personen überhaupt in meiner Mannschaft haben möchte, die dank Abwesenheit kaum am Feuerwehrleben teilnimmt. Und das geht ja nicht unbedingt nur um die Ausbildung - das geht ja noch viel weiter. Freiwillige Feuerwehren leben ganz stark vom sozialen Miteinander, davon, dass die Kameradinnen und Kameraden sich kennen und wissen, wie der andere tickt. Kann man das sicherstellen, wenn jemand nur hin und wieder kommt? Ich sehe das mehr als kritisch und möchte dem Kameraden widersprechen.
    • richtig, schwieriges thema.
      aber in diesen Zeiten muss man eben auch mal versuchen neue wege zu gehen. bei dir, 14/44/4, ist in der wehr nahezu der Idealzustand (wie ich aus eigener Erfahrung weiß :) ). na klar gibt es auch in einer recht homogenen gruppe wie bei euch mal ärger oder Diskussionen. aber da alle meistens zumindest mit "Herzblut" am vereinsleben teilnehmen und eben nicht "nur" an der reinen feuerwehrarbeit, werden Konflikte ausgeschaltet oder gar vermieden.

      aber in Städten oder gemeinden in denen es "nur" und ausschließlich eine ff gibt, müssen die Kommandanten diesen weg gehen. versteht mich nicht falsch, ich bin absolut dafür, dass ff eben nicht nur ein "ehrenamtlicher Job" ist,sondern mit Herzblut geführt wird und meistens auch mit der Muttermilch eingesogen wurde :) so ist es in Hamburg und das ist auch sehr gut und richtig so!!
      solange genug personal über jf oder wehrwechsel nachkommt ist das in Ordnung. selbst wenn das perosnla weniger wird ist aber für den bürger immer noch die nachbarwehr oder eben die sowieso vorhandene Berufsfeuerwehr...

      auf dem land oder in Städten ohne bf kommt eben ausser der ansässigen ff keiner, gerade tagsüber... und das wird sich natürlich auf die (tages)Alarmbereitschaft auswirken... und wenn ich kein personal "mit vereinsleben" bekomme muss ich eben die "ohne vereinsleben" nehmen... ob es mir gefällt oder nicht... immer noch besser als eine pflichtfeuerwehr...

      das Problem betrifft ja nicht nur die ff sondern in den Städten wie hamburg auch die bf...nicht umsonst wurde der "werkfeuerwehrmann" eingeführt und nun können sich auch bankkaufleute bewerben und müssen als "handwerklichen nachweis" nen reifen wechseln oder whatever... auch das halte ich für fragwürdig.. aber auch die bf muss sich den neuen gegebenheiten anpassen ob sie wollen oder nicht. trotz massiven personalmangel will eben nicht jeder berufsfeuerwehrmann werden.... die "mit Herzblut" werden nämlich auch bei uns weniger.... da werden noch viele Ideen gesammelt werden müssen....

      @14/44/4: du hast einen intakten laden unter dir und das scheint was ich so weiß wirklich ein goßer Glücksfall zu sein :tanzennde:
    • Ich halte davon gar nichts, bei einem viertljährlichen Training sind die Einsatzmöglichkeiten doch arg begrenzt. Aufbau der Wasserversorgung, Verkehrssicherungsmaßnahmen, Einsatz der Leiter. Viel mehr fällt mir da spontan nicht ein. Aber an was mangelt es denn den meisten Wehren tagsüber: AGT und GF. Am "gemeinen Löschknecht" mangelt es, zumindestens uns, in der Regel nicht.

      Stattdessen kann man doch einfach akzeptieren, dass viele helfen wollen, aber keine Lust auf die Vereinsmeierei haben. Die gerne jede oder alle zwei Wochen zum Übungsdienst kommen, dann aber auch nach Hause wollen und nicht noch eine Stunde zusammen sitzen wollen, da neben Beruf, anderen Hobbys/Ehrenamt auch die Familie wartet oder sie einfach mal Zeit für sich haben wollen.

      Ein Punkt in die Richtung sind ja die inzwischen möglichen Doppelmitgliedschaften.
    • Feuerwehr "light"

      14/44/4 schrieb:

      Das ist so ein heißes Eisen... das sollte man nicht so ohne Weiteres anfassen.
      Da stimme ich Dir zu, vorallem, weil in meinen Augen der gewählte Weg absolut der falsche ist. Wenn ich bei der Feuerwehr "mitspielen" möchte, dann muss ich die dazu nötigen Ausbildungsgänge vorweisen können. Habe ich diese nicht, kann und darf ich nicht eingesetzt werden. Ich wüsste aber nicht, warum die Teilnahme an rein kameradschaftlichen Veranstaltungen entscheidend sein könnte ...

      14/44/4 schrieb:

      Ich (...) frage mich gerade allen Ernstes, ob ich solche Personen überhaupt in meiner Mannschaft haben möchte, die dank Abwesenheit kaum am Feuerwehrleben teilnimmt.
      In meinen Augen muss man hier eine ganz deutliche Grenze ziehen zwischen Ausbildungsveranstaltungen und anderen Veranstaltungen. Ich denke, die regelmäßige Teilnahme sollte selbstverständlich und auch unstrittig sein. Aber warum muss ich jemanden auch bei dem anschließenden gemütlichen Zusammensein, irgendwelchen Grillveranstaltungen oder gemeinsamen Partynächten verpflichtend dabei haben? Wenn ich soetwas nicht mag, dann muss das genauso toleriert werden, wie wenn jemand darin seine einzige Begründung der Mitgliedschaft bei der Feuerwehr sieht.

      14/44/4 schrieb:

      Freiwillige Feuerwehren leben ganz stark vom sozialen Miteinander, davon, dass die Kameradinnen und Kameraden sich kennen und wissen, wie der andere tickt. Kann man das sicherstellen, wenn jemand nur hin und wieder kommt?
      Um es einmal ganz plakativ zu sagen ... mir ist es vollkommen egal, wie mein Kamerad privat tickt und ob er Fan von Bayern München, Borussia Dortmund oder Schalke 04 ist. Genausowenig interessiert es mich auch, was er sonst noch für Hobbies hat, oder mit wem er in seiner Freizeit zusammenhängt. Wichtig für mich ist alleine, dass ich mich fachlich auf ihn verlassen kann und das kann ich nur dadurch sicherstellen, dass er auch regelmäßig an den Ausbildungsterminen teilnimmt. Alles was danach kommt, hat damit in meinen Augen erst einmal nicht viel zu tun. Ich gebe Dir Recht, dass es hilfreich sein könnte zu wissen, ob er gerade private oder dienstliche Probleme hat, aber bekomme ich sowas wirklich mit, wenn man sich neben den Ausbildungstreffen auch noch irgendwo kameradschaftlich zusammensetzt?

      Um wirklich zu wissen, wie jemand "tickt", brauche ich schon deutlich mehr, als nur die gemeinsame Teilnahme an Veranstaltungen ... meiner Ansicht nach brauche ich dazu auch eine richtige Freundschaft, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es in jeder Feuerwehr-Einheit auch Mitglieder gibt, die sich nicht "riechen" können und trotzdem in der Lage sind, einen Einsatz sauber abzuarbeiten.

      14/44/4 schrieb:

      Ich sehe das mehr als kritisch und möchte dem Kameraden widersprechen.
      Grundsätzlich halte ich den Entschluss Kameraden von den reinen Vereinsveranstaltungen zu entpflichten nicht zwingend für den falschen Weg. Ich halte es aber für den falschen Weg, dass diese "Feuerwehrleute light" dann auch nicht an den reinen Übungsdiensten teilnehmen müssen und so letztlich nur als reine "Ersthelfer" eingesetzt werden können, damit sind sie in meinen Augen genauso hilfreich, wie wenn es sie gar nicht gäbe. Wer Interesse an dem System Feuerwehr hat, der soll zumindest an den Ausbildungsterminen teilnehmen, über eine Teilnahme an darüberhinaus gehenden, und nicht für die Ausbildung notwendigen, Veranstaltungen kann man gut und gerne reden.

      Mein Fazit ist daher, dass der Ansatz definitiv der falsche ist und dafür sorgen wird, dass wir das eigentlich sehr gute System Feuerwehr langfristig eher kaputt machen werden und dann noch weniger htige Feuerwehrleute einsatzbereit haben.

      Letztlich zeigt mir dieser Zeitungsartikel aber auch, dass wir in Deutschland auf ein grundsätzliches strukturelles Problem hinsteuern, welches in meinen Augen zur Zeit noch geflissentlich ignoriert wird. Schauen wir mal, wann die entsprechend hohen Führungskräfte auf Landes- und Bundesebene wach werden ... Oft hilft ein Blick über die Landes- und Bundesgrenzen um zu sehen, wie in anderen Ländern mit solchen Problemen umgegangen wird.
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      http://www.einsatzfahrzeug-archiv.de
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    • Die Sache ist halt diese in der neueren moderneren Generation ist sowas eher Quatsch. Ich denke es geht eher drum das ganze beim Thema Feuerwehr zu belassen und diesen Vereinskram weg zulassen. Wenn die dann halt keine Weihnachtsfeier, Grillfeste, Ausflüge machen oder selbst wenn sie auf das "Ortsleben" mit sowas wie Fahnenweihe o.ä. verzichten. Es darf aber halt keine Light-Einheit sein heißt für mich auch AGT, GF-Lehrgänge müssen besucht werden. Solang man sich drauf verlassen muss und diese dann bei dem wöchentlichen Übungsabend anwesend sind why not?

      Beim Thema BF frankdrabbin würde ich sagen das viel Unwissenheit (wobei das auch bei der FF so ist - in der Stadt aber extremer) und auch der allgemeine Wandel in der Bevölkerung nicht sonderlich hilfreich ist.
      Frohe Ostern