EU-Pläne: Aus für Freiwillige Feuerwehr?

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    • EU-Pläne: Aus für Freiwillige Feuerwehr?

      EU-Pläne: Aus für Freiwillige Feuerwehr?
      Kiel/Brüssel – Die Freiwilligen Feuerwehren im Norden fürchten um ihr Überleben.

      Sollte die überarbeitete Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union – so wie von der EU-Kommission in Brüssel vorgesehen – in Kraft treten, würde dies „das Ende des Systems der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland bedeuten“, sagt Peter Schütt, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes in Kiel.

      Die Richtlinie selbst ist zwar bereits über ein Jahrzehnt alt, jedoch soll sie ab 2013 erstmals konsequent für alle 27 Mitgliedsstaaten zur Anwendung gebracht werden. Unter anderem ist darin eine Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit auf 48 Stunden vorgesehen. Das Problem: Die Kommission unterscheidet nicht zwischen beruflicher und ehrenamtlicher Tätigkeit. Nach einer regulären 40-Stunden-Woche blieben demnach nur noch acht Stunden für die Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr – für Übungen, Bereitschaftszeit und Einsätze. „Viel zu wenig“, meint Schütt. „In der Konsequenz hieße das, dass ein Wehrführer einen Kameraden mitten im Einsatz nach Hause schicken müsste, weil er seine 48 Arbeitsstunden schon voll hat.“ Überdies schreibt die EU- Richtlinie auch Ruhepausen von elf Stunden zwischen zwei Arbeitsblöcken vor. Ein Arbeitnehmer, der um 17 Uhr nach Hause kommt, dürfte dann nicht um 21 Uhr an einem Löscheinsatz teilnehmen; und umgekehrt nicht wieder morgens um 9 Uhr im Büro sitzen.

      Das Argument, die Arbeit in der Freiwilligen Feuerwehr sei Freizeit, zieht nicht. Rechtlich gelten auch Freiwillige schon wegen des Versicherungsschutzes als Angestellte der Städte und Gemeinden. „Falls die Richtlinie so wie geplant in Kraft tritt, könnte der Brandschutz in seiner derzeitigen Form nur noch mit Berufsfeuerwehren aufrechterhalten werden.“ Die jetzt 1400 Freiwilligen-Wehren im Land müssten dann durch 450 Berufsfeuerwehren ersetzt werden. „Das würde für das Land Personalkosten von 1,1 Milliarden Euro bedeuten“, hat Schütt ausgerechnet.

      „Der Super-Gau“, meint auch Claudia Zempel, Feuerwehrreferentin beim Städteverband Schleswig-Holstein. Zwar sei der Ansatz der Kommission, auch ehrenamtlich tätige Feuerwehrleute den hauptamtlichen gleichzustellen, nachvollziehbar. Den Brandschutz auf Berufsfeuerwehren umzustellen, würde jedoch für viele Kommunen ein finanzielles Desaster bedeuten. Überdies wären Feuerwehren nur der Anfang. „Im Prinzip wird das ganze System Ehrenamt in Deutschland in Frage gestellt“, kritisiert Zempel. „Die Kommission setzt ohne Not bewährte und gewachsene Strukturen aufs Spiel.“

      Betroffen wäre nicht allein Deutschland, auch die Feuerwehren in Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Irland und Polen funktionieren nach ähnlichen Prinzipien. Auf höchster Ebene hatte bereits im Sommer 2011 ein Gespräch der nationalen Feuerwehrverbände mit dem zuständigen EU-Kommissar Laszlo Andor stattgefunden. In einem Brief, der den LN vorliegt, hat Andor eine Ausnahme für freiwillige Feuerwehrleute von der Richtlinie bereits abgelehnt, da es wegen ihrer zum Teil zermürbenden und gefährlichen Arbeit keinen Anlass gebe, die Ehrenamtlichen anders zu behandeln. Andor schlägt jedoch eine „besondere Bestimmung“ in der Richtlinie für Freiwillige Feuerwehren vor.

      Wie die aussehen könnte, ist offen. Die Feuerwehrverbände haben bis September 2012 Zeit, einen Vorschlag vorzulegen. Ulrike Rodust, SPD-Abgeordnete im Europäischen Parlament für Schleswig- Holstein, warnt vor „Alarmismus. Die Entscheidung über solche Fragen liegt immer noch beim Parlament. Und sollte die Kommission das Ende der Freiwilligen Feuerwehren beschließen wollen, werden wir das abschmettern.“


      ln-online.de/lokales/luebeck/3374799

      Das dürfte dann auch uns von den Bereitschaften des MHD, BRK/DRK, ASB, JUH und dem THW betreffen.
    • Wird so nicht kommen. Würde man das durchsetzen müssten wir überall Berufsfeuerwehren einführen und dann auch THW und KatS überwiegend hauptamtlich besetzen. Das kann Deutschland unmöglich finanzieren (gäbe aber echt traumhafte Arbeitsplätze).

      Ich denke man wird "Ehrenamt" einfach so definieren, dass die freiwiillige Feuerwehr darein passt. Den Versicherungsschutz kann man schließlich umformulieren. Ich bin auch in Vereinen unterwegs in denen ich bei der Tätigkeit versichert bin ohne gleichzeitig Angestellter zu sein. Also ich denke da wird man sich anpassen.
      Ansonsten... naja... wer kontrolliert es? Also wenn ich mir die Arbeitszeiten ansehe... im Rettungsdienst darf ich auch nur 48 Stunden pro Woche arbeiten.. Die Maximalarbeitszeit beträgt 10 Stunden am Tag (mit behördlicher Genehmigung sind es 12).
      Welcher Arbeitgeber hält das denn ein auch wenn es entsprechende gesetze/Urteile gibt?
    • Schulsani schrieb:

      Wird so nicht kommen. Würde man das durchsetzen müssten wir überall Berufsfeuerwehren einführen und dann auch THW und KatS überwiegend hauptamtlich besetzen. Das kann Deutschland unmöglich finanzieren (gäbe aber echt traumhafte Arbeitsplätze).

      Na ja ... in anderen Ländern funktioniert das ja auch. In Schweden beispielsweise gibt
      es sogenannte Teilzeitwachen, bei denen die Kollegen bezahlt werden und dennoch im
      Berufsleben stehen, ich denke dazu wird Hilmar mehr zu schreiben können.

      Schulsani schrieb:

      Ich denke man wird "Ehrenamt" einfach so definieren, dass die freiwiillige Feuerwehr darein passt. Den Versicherungsschutz kann man schließlich umformulieren. Ich bin auch in Vereinen unterwegs in denen ich bei der Tätigkeit versichert bin ohne gleichzeitig Angestellter zu sein. Also ich denke da wird man sich anpassen.
      Ich bezweifel, dass es wirklich gut ist, sich das immer zurecht zubiegen, denn wenn dann
      mal etwas passieren sollte, dann steht der Arbeitnehmer ganz alleine da und keine Stadt
      oder Gemeinde wird ihn unterstützen. Beispiel gefällig?

      Nachteinsatz von Feuerwehr oder KatS und der Arbeitnehmer geht danach arbeiten und
      baut (weil übermüdet) einen Unfall. BG des Arbeitgebers wird sich rausreden, dass er die
      Arbeitszeit überschritten hat und für die Folgen nicht gerade stehen ... und dann?

      Schulsani schrieb:

      Ansonsten... naja... wer kontrolliert es? Also wenn ich mir die Arbeitszeiten ansehe... im Rettungsdienst darf ich auch nur 48 Stunden pro Woche arbeiten.. Die Maximalarbeitszeit beträgt 10 Stunden am Tag (mit behördlicher Genehmigung sind es 12).
      Welcher Arbeitgeber hält das denn ein auch wenn es entsprechende gesetze/Urteile gibt?
      Warum werden denn die Kommunen reihenweise verurteilt und müssen massiv die ange-
      fallenen Überstunden nachzahlen und stellen die Arbeitszeitmodelle um? Wenn ich mir das
      alles so anschau, dann werden die entsprechenden Berufe (RD, FW, KatS) eifach nicht ge-
      nug gewürdigt ... und solange einen Dummkopf gibt, der bereit ist, sich nicht an geltende
      Gesetze zu halten, wird sich auch nichts ändern. Manchmal sind die Lernphasen halt teuer
      und schmerzhaft.

      Noch einmal zu den Kosten ...

      Ich denke, wenn man das ganze offen und neutral angehen würde und sich dabei nicht von
      den ganzen verbandspolitischen Aussagen beeinflussen lässt, dann würde man sicherlich zu
      einer praktikablen, finanzierbaren und vorallem auch umsetzbaren Lösung kommen.
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    • Zu den Arbeitszeitmodellen: Erlaubt ist so gesehen immer nur ein 3-Schichtsystem. Find ich prinzipiell super... allerdings müsste man dafür dann die Löhne entsprechend erhöhen und mehr Personal einstellen. Find ich toll... aber wann das kommt...

      Ich sehe das mit dem Ehrenamt nicht als hinbiegen an. Wer ehrenamtlich in einer SEG ist... der macht das schon jetzt als Freizeit.. .eine Anstellung bei der Kommune erfolgt nicht. Die Versicherung wird soweit ich weiß nur über den Verein abgewickelt. Wieso das beim Feuerwehrmann anders sein soll verstehe ich nicht. Das ist dann doch bloß eine rein formelle Sache - und die freiwilligen Feuererwehren sind nunmal Freizeitbeschäftigung.

      Was das schwedische System angeht... finde ich auch recht schön. Würde auch dem Mitgleiderschwund entgegen wirken, Nur ist es spätestens dann Arbeitszeit und mit den 48 Stunden kommt man dann gar nicht mehr hin.
    • Schulsani schrieb:

      Ich sehe das mit dem Ehrenamt nicht als hinbiegen an. Wer ehrenamtlich in einer SEG ist... der macht das schon jetzt als Freizeit.. .eine Anstellung bei der Kommune erfolgt nicht. Die Versicherung wird soweit ich weiß nur über den Verein abgewickelt. Wieso das beim Feuerwehrmann anders sein soll verstehe ich nicht. Das ist dann doch bloß eine rein formelle Sache - und die freiwilligen Feuererwehren sind nunmal Freizeitbeschäftigung.
      Ich sehe das (mittlerweile) etwas differenzierter. Feuerwehren, bzw. der Brandschutz, sind in
      Deutschland eine Aufgabe der Kommunen, daher ist sowas eher dem öffentlichen Dienst als
      dem Ehrenamt zuzuordnen. Insofern muss zumindest das Konstrukt Feuerwehr sinnvoll und
      ohne Vorurteile überdacht werden.

      Mittel- oder wohl eher langfristig wird es gerade auf dem Land eh nicht mehr genug Personal
      geben, so dass man sich alleine in diesem Kontext schon Gedanken machen muss.

      Und was die SEG angeht ... zumindest in Schleswig-Holstein stehen die im Rettungsdienstge-
      setz als Pflicht für jeden Kreis (oder Stadt) drin, so dass die Krankenkassen die teilweise mit
      bezahlen müssen. Insofern könnte man da sicherlich auch eine Lösung finden, wobei SEG'en
      deutlich seltener im Einsatz sind, als die ganzen FF's.

      Ich kann die Position der Verbände gut nachvollziehen ... ich sehe aber mittlerweile auch die
      Seite der Arbeitgeber und vorallem der Helfer. Du kannst schlicht nicht permanent Dauer-
      leistung abgeben, bei zu vielen Einsätzen lässt Du zwangsläufig irgendwann in Deinem rich-
      tigen Beruf nach. Sarkastisch gesprochen ... nach der verhaltensbedingten Kündigung hast
      Du zumindest genug Zeit für Dein ehrenamtliches Engagement.

      :)

      Versteht mich bitte nicht falsch ... ich habe fast 20 Jahre in den verschienen Hilfsorganisatio-
      nen aktiv mitgearbeitet und habe mich in der Zeit auch selten um irgendwelche Arbeitszeit-
      vorgaben geschert ... aber ich habe des öfteren festgestellt, dass das so nicht weitergehen
      konnte, letztlich habe ich daraus meine Konsequenzen gezogen.

      Ich kann nur hoffen, dass es hier endlich irgenwann einmal zu einer sinnvollen Diskussion
      kommt, die wirklich ohne das übliche Gejammer der Hilfsorganisationen und Kommunen
      auskommt.

      Denn, dass ein hauptberufliches System funktionieren kann, das zeigen ja diverse andere
      Länder in Europa.
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    • Auf die 48 Stunden Thematik bezogen sehe ich das ganz einfach: Wer kein Geld bekommt macht das rein ehrenamtlich und ist somit Freizeitbeschäftigung.

      Anders würde es aussehen wenn man in Zukunft eine Aufwandsentschädigung (das wäre möglich) zahlen würde.
      Was die Arbeitsbelastung angeht sehe ich das nicht so tragisch. Jeder muss selbst wissen wie er die Prioritäten setzt. Das gilt für jeden Verein oder auch Hobbys. Für seine Freizeit ist man selbst verantwortlich. Daher empfinde ich auch die 48h Regelung dafür unzutreffend. Es ist eine Freizeitveranstaltung ohne Anwesenheitspflicht.

      Desweiteren... wie will man die Arbeitsbelastung bei der Feuerwehr messen? Man weiß ja nie im voraus wieviele Stunden für die Feuerwehr draufgehen.
    • Schulsani schrieb:

      Auf die 48 Stunden Thematik bezogen sehe ich das ganz einfach: Wer kein Geld bekommt macht das rein ehrenamtlich und ist somit Freizeitbeschäftigung.
      Das wäre auch mein ersten Gedanke ... nur scheint die EU das ja anders zu sehen.
      Und ein Feuerwehr-Kommandant bekommt ja auch kein Geld, ist aber zum Beispiel
      ein Ehrenbeamter der Kommune ... und damit wird diese Argumentation schon ein
      wenig mutig.

      Schulsani schrieb:

      Für seine Freizeit ist man selbst verantwortlich. Daher empfinde ich auch die 48h Regelung dafür unzutreffend. Es ist eine Freizeitveranstaltung ohne Anwesenheitspflicht.
      Ähm, nö. Die Feuerwehr ist eben keine Freizeitveranstaltung ohne Anwesenheitspflicht.
      Bin ich bei einem Feuerwehreinsatz, da kann ich schlecht sagen "Du Chef, ich will jetzt
      nach Hause" ... obwohl, sagen kann ich das schon, aber die Frage ist halt, ob ich eine
      zweite Chance bekomme, dieses zu sagen.

      Einsätze von Feuerwehren und HiOrgs sind, obwohl sie in der Freizeit stattfinden, eben
      nicht so anzusehen, wie zum Beispiel ein Fußballspiel oder das Fotogarfieren als Hobby.
      Es gibt dort keine freie Wahl, ob ich den Einsatz mitmache oder für wie lange ich dabei
      bin.

      Schulsani schrieb:

      Desweiteren... wie will man die Arbeitsbelastung bei der Feuerwehr messen? Man weiß ja nie im voraus wieviele Stunden für die Feuerwehr draufgehen.
      Stimmt, und genau deswegen will die EU ja das ganze entsprechend regeln. Eben weil es
      nicht sauber messbar ist, wird man sicherlich einen Lösungsweg finden, und der könnte
      zum Beispiel darin liegen, dass man die 48 Stunden auf beispielsweise 12 Wochen hoch-
      rechnet und man daraus dann einen Durchschnitt zieht. Wobei eines schon deutlich sein
      sollte, "Dienste" ohne Einsatz-Character (Übungsabende, Lehrgänge, etc) müssen nicht
      unbedingt da mit eingerechnet werden, denn die sind ja lange im Voraus planbar.
      Und wenn man "nur" noch die reine Einsatzzeit nimmt, dann wird das ganze auch wieder
      deutlich einfacher und besser planbar und die 48 Stunden sollten im Normalfall einhaltbar
      sein.
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    • Es herrscht eben doch Freizeitcharakter. Also ich weiß nicht wie das bei euch ist.... aber hier tauchen nie alle Wehtmitglieder auf. Es sind immer recht viele die in dem Moment für sich entscheiden "das lohnt sich nicht" oder einfach keine Lust haben. Sicher im Einsatz kann man sich schlecht umentscheiden... aber man geht auch nicht während des Fußballspiels heim. Ist doch ganz einfach.. man hat sich dafür entscheiden das als Hobby zu machen... wenn es wem zu blöd/viel wird nimmt man sich zurück oder lässt es eben sein.

      Eine Unterteilung was jetzt Arbeitszeit ist und was nicht wird noch schwerer. Wenn das eine als Arbeit zählt und das andere wieder nicht, durchblickt das irgendwann niemand mehr.

      Ich dneke mit entsprechenden Anreizen wird sich die Feuerwehr auch weiterhin betreiben lassen - auch weiterhin großteils freiwillig. Alleridngs nicht mit einer 48h Regelung.
    • Tobias Voss schrieb:

      Na ja ... in anderen Ländern funktioniert das ja auch. In Schweden beispielsweise gibt
      es sogenannte Teilzeitwachen, bei denen die Kollegen bezahlt werden und dennoch im
      Berufsleben stehen, ich denke dazu wird Hilmar mehr zu schreiben können.


      In Schweden ist Brandschutz Aufgabe der Kommunen. Es gibt dort drei Formen der Bereitschaft sogenannte heltid-Wachen (Vollzeit), deltid (Teilzeit) und frivilliga/Räddningsvärn (Freiwillige). Die einzigste Kommune die ausschließlich heltid-Wachen hat (also ausschließlich BF) ist Stockholm. Alle anderne haben in der Regel Mischformen also z.B. heltid- und deltid. Freiwillige Einheiten gibt es meistens nur in kleineren Dörfern bzw Ortsteilen.

      Die Vollzeitwachen sind im Schichtdienst rund um die Uhr besetzt und rücken beim Alarm in der Regel nach ca. 90 Sek. aus. Die Mitarbeiter sind Angestellte der Kommunen, Beamte wie hier gibt es dort in dieser Form nicht.

      Bei Teilzeitwachen schließen die Angehörige der Einheit mit der Kommune einen Vertrag über diese Form ab. Sie werden dann für alles was mit der Feuerwehr zu tun hat, also z.B. Übungen und Einsätze bezahlt. Dafür gibt es einen bestimmten Stundenlohn (die aktuelle Höhe weiß ich nicht). Allerdings müssen diese Mitarbeiter dann in einem bestimmten Umkreis um der Wache herum wohnen bzw gegebenfalls arbeiten um innerhalb einer bestimmten Zeit ausrücken zu können. Diese Zeiten varieren von Kommune zu Kommune, das können z.B. 5 Minuten sein. Allerdings gibt es nei diesem Modell nur eine bestimmte Anzahl von Angehörigen (das legt die Kommune fest). In der Regel gibt es bei einer Einheit drei oder vier Schichten mit einer bestimmten Anzahl von Personen. Eine Schicht hat in der Regel eine Woche Dienst, dann ist die nächste Schicht dran, u.s.w. Die Schicht die in der betreffenden Woche Dienst hat darf sich dann nur in einem bestimmten Umkreis der Wache aufhalten um in der vorgegebenen Zeit ausrücken zu können.

      Bei den Freiwilligen Feuerwehren handelt es sich wie der Name schon sagt um Freiwillige. Im Gegensatz zu den anderen beiden Formen heltid und deltid haben diese keine Schichten, vorgegebenen Ausrückezeiten und werden dafür auch nicht bezahlt.

      Bei heltid- und deltid-Wachen weiß man bei der Alarmierung daher natürlich wieviel Personal bei der Einsatzstelle erscheint. Allerdings muss man berücksichtigen das dort in der Regel die Wachbesetzungen bzw Schichten meistens kleiner sind als hier in Deutschland. Das bedeutet das bei größeren Einsätzen auch entsprechende Anzahl von Feuerwehren alarmiert werden muss. In Schweden gibt es natürlich nicht so viele große Städte wie in Deutschland, allerdings sind die Flächen meistens größer, die größte Kommune nach der Fläche ist z.B. Kiruna mit ca. 20.000 km², allerdings ist das meiste Gebiet dort unbewohnt, also viel Landschaft, wenig Einwohner. Der Süden ist stärker besiedelt als der Norden, daher gibt es im Süden natürlich auch mehr Feuerwehren als im Norden.

      mfG

      Hilmar
    • Hi,

      FeuerHamburg schrieb:


      Sollte die überarbeitete Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union – so wie von der EU-Kommission in Brüssel vorgesehen – in Kraft treten, würde dies „das Ende des Systems der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland bedeuten“, sagt Peter Schütt, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes in Kiel.


      Eine mögliche Auswirkung auf die Freiwilligen Feuerwehren ist nur eine Erscheinung.
      Es gibt viele Arbeitnehmer, die nach ihrem Hauptjob noch eine 400EUR-Stelle haben um ihr Gehalt aufzubessern (z.B. Aushilfe in Kneipe, Putzstelle, Babysitter - aber auch RTW/KTW am Wochenende etc.) Fällt diese Zuverdienst-Möglichkeit weg, hat das enorme Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Die Kaufkraft sinkt , Leute mit sehr niedrigem Haupteinkommen müssen ggf. HartzIV-Hilfen beantragen (Wohngeld etc.) und Unternehmen müssen sich teure festangestellte Leute suchen. Gerade in "klassischen" 400EUR-Jobs wie Tankstelle, Bar/Kneipe etc. führt sowas unweigerlich zu einer Verteuerung der Waren bzw. Dienstleistungen. Sollten - wie befürchtet - dann auch noch hauptamtliche "FF" nötig werden, verteuert das das Leben nochmal (über Abgaben/Steuern mit denen das dann finanziert werden muss).
      Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst
    • Erich Kirchmayer schrieb:

      Es gibt viele Arbeitnehmer, die nach ihrem Hauptjob noch eine 400EUR-Stelle haben um ihr Gehalt aufzubessern (z.B. Aushilfe in Kneipe, Putzstelle, Babysitter - aber auch RTW/KTW am Wochenende etc.)
      Na ja ... man sollte bei der Diskussion aber auch eines nicht vergessen, Feuerwehren und
      Rettungsdienst sind eine öffentlich-rechtliche Aufgabe, Tankstellen und der ganze genannte
      Rest ist privatwirtschaftlich.

      Auch wenn für beide Bereiche grundsätzlich die gleichen Gesetze gelten, so wird die Privat-
      wirtschaft das ganze vermutlich deutlich lockerer auslegen (sprich: Eigenverantwortung des
      Mitarbeiters), die Möglichkeit haben öffentlich-rechtliche Auftraggeber (für FW & RD) nicht
      wirklich.
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    • Hi,

      Tobias Voss schrieb:

      Erich Kirchmayer schrieb:

      Es gibt viele Arbeitnehmer, die nach ihrem Hauptjob noch eine 400EUR-Stelle haben um ihr Gehalt aufzubessern (z.B. Aushilfe in Kneipe, Putzstelle, Babysitter - aber auch RTW/KTW am Wochenende etc.)


      Auch wenn für beide Bereiche grundsätzlich die gleichen Gesetze gelten, so wird die Privat-
      wirtschaft das ganze vermutlich deutlich lockerer auslegen (sprich: Eigenverantwortung des
      Mitarbeiters), die Möglichkeit haben öffentlich-rechtliche Auftraggeber (für FW & RD) nicht
      wirklich.


      Warum nicht? Ein gewerblicher Arbeitgeber muss seinem Nebenjob-Angestellten glauben, dass dieser die Arbeitszeitregelung einhält und mit dem Nebenjob die 48 Wochenstunden nicht überschreitet, Ruhezeiten einhält usw. Ein ö-r-Arbeitgeber muss das genauso glauben, denn wie will er es - vorallem vor/bei einem Einsatz - nachprüfen?

      Es wäre sogar höchst zweifelhaft, ob z.B. die Gemeinde beim Arbeitgeber eines FF-Angehörigen nachfragen darf, wie lange dieser FF-Angehörige "normal" arbeitet oder wieviel Stunden er in dieser Woche schon gearbeitet hat, ob der FF-Angehörige nach einem 4-stündigem Einsatz am Vorabend auch wirklich am nächsten Tag nicht/später zur Arbeit erschienen ist, um seine Ruhezeiten einzuhalten etc.

      Die EU-Arbeitszeitregelung macht so keinen Sinn. Nützlich ist sie nur (und vermutlich auch dafür gedacht), damit ein(!) Arbeitgeber seine Angestellten nicht dauerhaft bis zum Umfallen buckeln lassen kann. Es muss und wird aber eine ganze Reihe von Ausnahmen geben, denn in manchen Bereichen lassen sich 48 Wochenstunden nicht umsetzen. Dazu gehören auch saisonale Tätigkeiten (z.B. Ernte), wo eben für wenige Wochen "Vollgas" gegeben werden muss und während dieser Zeit 8Std.-Tage für die Beschäftigten nur ein Traum sind.

      Ähnliches gilt dann auch für Freiwillige Feuerwehren etc. - es ist ja nicht die Regel, dass ein FM (SB) das ganze Jahr durch seine FW-Tätigkeit mehr als 48 Std./Woche arbeitet, er ist auch nicht von dieser Arbeit abhängig (Lohn/Lebensunterhalt).

      Was die 400EUR-Jobber betrifft - wie schon gesagt - es gibt sehr viele Leute, die sich mit Nebenjobs ihre Kasse aufbessern bzw. nur damit über die Runden kommen. Fällt diese Möglichkeit weg, hat das einschneidende Folgen für die gesamte Wirtschaft.

      Ich übertreibe es ja gerne, aber meine angepeilten 4800EUR/Jahr (Minijob-Grenze) die ich nebenbei verdiene, gehen komplett für Konsumzeug drauf, das ich mir sonst nicht leisten könnte oder würde. Mein komplettes Fotozeugs wurde z.B. nur damit finanziert... Ich kenne einige Leute, die das ganz ähnlich sehen bzw. machen. Normaler Job, normales Geld und "nebenbei" verdient man eben die Kohle für Hobby, "Spleen", "Luxus" etc. Der Wirtschaft fehlen viele Millionen (Milliarden?), wenn es solche Nebenjobs aufgrund einer Arbeitszeitregelung nicht mehr geben sollte und der Staat darf dann - trotz dem daraus resultierendem Steuerausfall - tief in die Tasche greifen um Unterstützungsleistungen (Wohngeldzuschuss etc.) zu bezahlen.
      Ich weiss, was ich sage. Ich weiss nicht, was du verstehst

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Erich Kirchmayer ()

    • Die Freiwillige Feuerwehr ist genauso Pflichtdienst, der Name ist eben nur, das man freiwillig eintritt und freiwillig austreten kann. In der Zeit dazwischen hat man die Pflicht an Ausbildung, Schulung und Einsätzen teilzunehmen. Ich lese das hier so, als mißverstehen einige den Namen Freiwillig. Aber um auf das Thema zurück zu kommen, es betrifft dann jede BF mit 24h-Dienst, jede Rettungshubschrauber-Besatzung, die von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einsatzbereit ist und man denke an die ganzen Ärzte. Man könnte den Notarztdienst, wo der Arzt aus der Klinik, Praxis oder von zuhause geholt wird genauso abschreiben. Ich sehe das noch nicht so in trocken Tüchern.
    • Nun ja... bei solchen Jobs wie Lehrern lässt sich die Zeit schlecht messen. DIe Zeit in der Schule liegt deutlich unter 48h und alles drüber kann nunmal keiner protokollieren. Gilt genauso für alle Freiberufler. Da wird einfach alles weiterlaufen wie bisher.
      Die Festangestellten müssten dann ihre Dienstpläne umstellen. 24h Schichten wären dann nicht mehr möglich... aber woanders hat man deren Abschaffung doch auch gut hinbekommen. Wie sich Bereitschaftsdienste rechnen ist dann auch so eine Frage. Im Rettungsdienst wäre dann wiederum eine Lohnerhöhung (zumindest bei uns notwendig) - die erlaubte Arbeitszeit würde sinken. Für etwaige Überstunden müsste man sich schließlich auch ein Polster freihalten.