Rettungsdienst in Hamburg

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    • Dorsk51 schrieb:

      Fehlende Ausdruck-Möglichkeit?
      Fehlendes 12-Kanal-EKG?
      Fehlende Kapnometrie?

      Nun ja, damit muss man leben, wenn man ein Produkt kauft, das vom Hersteller beworben wird mit
      Der corpuls¹ schließt die Lücke zwischen AEDs für Ersthelfer und komplexen Defibrillator-/Patientenmonitoringsystemen.
      und dem Augenmerk auf First Responder /Helfer vor Ort.
      Der Kopf ist vor allem der Behälter des Gehirns, nicht der Humus für die Haare. (Gino Cervi, Luigi Cervi, ital. Schauspieler)
    • Das Produkt wurde nicht von dem Hersteller beworben, sondern in Zusammenarbeit mit der BF Hamburg (F03, F05 und den Feuerwehrärzten) spezifisch für die BF HH entwickelt, der Hersteller sucht jetzt nur weitere Kunden.

      Auf der Contraseite steht, dass das Gerät bescheiden ist, und wirklich gar nichts richtig kann, allerdings handelt es sich dabei nur um die logische Fortführung der seit Jahrzehnten bestehenden "Blödhaltung" der normalen Rettungsassistenten auf dem RTW.
      Auf der Pro-Seite: Man überfordert die armen Kollegen nicht mit so etwas schwierigem wie Blutdruckmessen oder gar der Interpretation eines 12-Kanals :pillepalle:
      Und, man hat viel Geld in die Hand genommen, damit die HLF der BF und die First-Responder-LF der Freiwilligen jetzt nahezu identisch zum RTW ausgestattet sind - so fällt vor Ort fast gar nicht mehr auf, dass die Hilfsfrist mal wieder nicht gehalten wird 8)
    • Dorsk51 schrieb:

      Fehlende Ausdruck-Möglichkeit?

      Fehlendes 12-Kanal-EKG?

      Fehlende Kapnometrie?

      Kapnometrie auf jedem RTW? Man sollte sich immer die Frage stellen, WANN und WO ich etwas brauche und WER das einsetzt.
      Grundsätzlich setzt sowas ein Notarzt ein, daher braucht so etwas auch nur auf dem NEF vorhanden sein.
      Ein anderer, sehr wichtiger Punkt sind die Kosten. Ein Kapno-Modul - egal welcher Defi-Hersteller - ist nunmal kein ALDI-Grabbeltisch-Artikel.

      HamburgerJungchen schrieb:

      Auf der Contraseite steht, dass das Gerät bescheiden ist, und wirklich gar nichts richtig kann, allerdings handelt es sich dabei nur um die logische Fortführung der seit Jahrzehnten bestehenden "Blödhaltung" der normalen Rettungsassistenten auf dem RTW.
      Ja was kann das Gerät denn? Es ermittelt einen defibrillationsfähigen Rhytmus! Und das ist die orginäre Aufgabe dieses Gerätes. Jeder größere Defi (LP12, LP15, usw.) haben auf dem RTW eine AED-Funktion, welche genau das Gleiche macht. Alles andere ist ein nettes Gimmick dieses Gerätes, welches ich dazukaufen muss.
      Die DIN EN 1789 fordert auch nur einen "Defibrllator mit Aufzeichnung des Herzrhythmus des Patienten" sowie ein "EKG-Überwachungsgerät". Da steht nix von 12 Kanal und Ausdruck.

      HamburgerJungchen schrieb:

      Auf der Pro-Seite: Man überfordert die armen Kollegen nicht mit so etwas schwierigem wie Blutdruckmessen
      Wo ist das schwierig? Ich persönlich messe lieber mit Stethoskop und Manschette, bzw. palpatorisch. Damit bin ich oft schneller als die automatische NIBP-Messung und ich habe es schon dermaßen oft erlebt, dass wegen irgendwelcher Einflüsse da nur ne Fehlermeldung kam.

      Es mag ja schön sein, wenn ich eine vollausgerüstete Großraumintensivstation mit mir herumkutschiere, aber es ist totaler Mist (!), wenn man sich dadurch zu sehr auf die Technik verlässt und bei Ausfall dieser womöglich diagnostisch im Regen steht.
      Das hat auch nichts mit Blödhaltung zu tun, sondern einfach mit der Reduzierung auf die eigentlichen Aufgaben. Zumal in HH eine ausreichende Klinik- und NEF-Dichte herrschen sollte. Und die Kollegen, die auf dem NEF als RettAss fahren, fahren dort mit Sicherheit auch auf dem RTW und kommen ja anscheinend mit der Ausstattung zurecht.
    • Und ich füge - wenn auch vielleicht ein wenig aus dem Kontext gerissen - hinzu...
      Was nützt mir eine Ausrüstung von ca. 50.000 €, wenn ich nicht einmal in der Lage bin, auf den Patienten mit einem freundlichen "Hallo" und "was ist passiert?" zuzugehen? Viele vergessen bei der Technik sehr gerne den menschlichen Faktor in unserem Beruf... in Fachkreisen auch FACHIDIOTEN genannt!

      Nur mal so als kleiner Zwischenruf... also lasst bitte mal die Kirche im Dorf!
      Grüße aus dem Frankenland :winktz:

      Patrik *Kalli* Kalinowski
      Administrator
      BOS-Fahrzeuge.info



      Warum denn immer gleich sachlich werden, wenn es auch persönlich geht?!
      - André Heller -
    • Calimero schrieb:

      Ja was kann das Gerät denn? Es ermittelt einen defibrillationsfähigen Rhytmus! Und das ist die orginäre Aufgabe dieses Gerätes. Jeder größere Defi (LP12, LP15, usw.) haben auf dem RTW eine AED-Funktion, welche genau das Gleiche macht. Alles andere ist ein nettes Gimmick dieses Gerätes, welches ich dazukaufen muss.
      Die DIN EN 1789 fordert auch nur einen "Defibrllator mit Aufzeichnung des Herzrhythmus des Patienten" sowie ein "EKG-Überwachungsgerät". Da steht nix von 12 Kanal und Ausdruck.


      Gut, dann macht also die BF Hamburg genau das richtig, was alle anderen Rettungsdienste in Deutschland falsch machen?
      Ein EKG-Ausdruck, gerade vom Anfang des Einsatzes ist in der Diagnostik Gold wert und kann wohl kaum durch einen Screenshot ersetzt werden, zumal ich, wenn ich diesen betrachte, ja den aktuellen Rhythmus nicht sehen kann.

      Die originäre Aufgabe eines Corpuls C3 oder ähnlichem ist sicher nicht die Defibrillation, wenn es darauf ankäme hätten wir alle wie in Berlin nur einen AED auf dem Auto.

      Calimero schrieb:

      Wo ist das schwierig? Ich persönlich messe lieber mit Stethoskop und Manschette, bzw. palpatorisch. Damit bin ich oft schneller als die automatische NIBP-Messung und ich habe es schon dermaßen oft erlebt, dass wegen irgendwelcher Einflüsse da nur ne Fehlermeldung kam.

      Es mag ja schön sein, wenn ich eine vollausgerüstete Großraumintensivstation mit mir herumkutschiere, aber es ist totaler Mist (!), wenn man sich dadurch zu sehr auf die Technik verlässt und bei Ausfall dieser womöglich diagnostisch im Regen steht.
      Das hat auch nichts mit Blödhaltung zu tun, sondern einfach mit der Reduzierung auf die eigentlichen Aufgaben. Zumal in HH eine ausreichende Klinik- und NEF-Dichte herrschen sollte. Und die Kollegen, die auf dem NEF als RettAss fahren, fahren dort mit Sicherheit auch auf dem RTW und kommen ja anscheinend mit der Ausstattung zurecht.


      Mit der manuellen Messung erhalte ich einen Wert, dass der Blutdruck sich durchaus dynamisch entwickelt und bei vielen Notfallbildern eine Aktualisierung alle 5 Minuten sinnvoll ist, steht ja wohl kaum zur Debatte, oder?
      Und bitte wer misst alle 5 Minuten von Hand nach? Dass man es trotzdem können muss steht auf einem ganz anderen Blatt.
      Das mit dem "schwierig" war ironisch gemeint, dadurch, dass diese Funktion einfach gänzlich fehlt kommen die Kollegen einfach gar nicht in die Verlegenheit, auf einen Blutdruckabfall reagieren zu müssen.

      Und doch, es ist eine Blödhaltung! Der Feuerwehrarzt stellt sich offen hin und beschafft ein 6-Kanal EKG, weil die Kollegen ein 12er eh nicht interpretieren können. Ebenso ist es beim Pacer, beim Ausdruck etc.
      Ebenso ist es bei den Medikamenten, es gibt immerhin 5 im RTW!

      Und dass der Rettungsassistent per Dienstanweisung aussteigen muss und das NEF hinterher fährt, dafür der Assistent des Notarztes zusteigt, sagt doch schon alles darüber aus, was man in HH den RTW-Besatzungen so zutraut.
      Und auch in HH ist nicht immer ein NEF greifbar, und nicht immer eine Klinik um die Ecke.

      Und nein, die Kollegen die NEF fahren sind ein erlesener Kreis, und fahren im Regelfall keinen bis kaum RTW. Umgekehrt fährt der gemeine BFler zwar RTW, aber nie NEF.



      Patrik Kalinowski schrieb:

      Und ich füge - wenn auch vielleicht ein wenig aus dem Kontext gerissen - hinzu...
      Was nützt mir eine Ausrüstung von ca. 50.000 €, wenn ich nicht einmal in der Lage bin, auf den Patienten mit einem freundlichen "Hallo" und "was ist passiert?" zuzugehen? Viele vergessen bei der Technik sehr gerne den menschlichen Faktor in unserem Beruf... in Fachkreisen auch FACHIDIOTEN genannt!

      Nur mal so als kleiner Zwischenruf... also lasst bitte mal die Kirche im Dorf!


      Da schließt sich der Kreis.
      Wer schlecht ausgebildet wird, keine Ausstattung und Befugnisse an die Hand bekommt und von vorneherein als blöd abgestempelt wird, der arbeitet auch entsprechend, zumal man von einer inkompetenten Leitstelle auch zu jedem Husten geschickt wird. Noch dazu hat quasi kein Rettungsassistent der BF HH in den letzten Jahren irgendeine Fortbildung besuchen können.

      Dass vielen auch die Motivation und menschliche sowie fachliche Eignung für den RD fehlt stimmt sicher auch, deshalb werden ja alle auf den kleinsten gemeinsamsten Nenner gebracht.
    • @ HamburgerJungchen

      Bevor ich loslege...

      • Wem dichtest Du nun die vermeintlich schlechte Ausbildung an?
      • Meinst Du denn, dass es nur in Hamburg so ist, dass Rettungsmittel zu Husten/Schnupfen/Heiserkeit geschickt werden?
      • Die qualitative Entwicklung des deutschen Rettungsdienstes in den letzten Jahren hast Du sicherlich verfolgt, oder?
      • Das man in diesem Kontext den wirtschaftlichen Aspekt nicht ganz herausrechnen kann, bzw. in seine Überlegungen mit einfließen lassen sollte, ist Dir aber auch klar, oder?
      Grundsätzlich lese ich aus deinem Beitrag heraus, dass Du von BF-geführten Rettungsdiensten nicht viel zu halten scheinst, zumindest liest es sich so.
      Was sind also deine Lösungsansätze... da bin ich wahrlich gespannt!
      Grüße aus dem Frankenland :winktz:

      Patrik *Kalli* Kalinowski
      Administrator
      BOS-Fahrzeuge.info



      Warum denn immer gleich sachlich werden, wenn es auch persönlich geht?!
      - André Heller -
    • HamburgerJungchen schrieb:

      Und bitte wer misst alle 5 Minuten von Hand nach?
      Ich hoffe doch, dass das jeder halbwegsgute RettSan und RettAss macht, wen er eben keine automatische Blutdruckmessung im Auto und die Vermutung hat, dass sich am Blutdruck etwas signifikantes ändern könnte.

      Es gibt sicherlich noch viele Kollegen, die sich auch an die Zeiten erinnern konnten, wo es grundsätzlich nur ein 3-Kanal-EKG gegeben hat und wo eine automatische Blutdruckmessung einer Intensivstation oder in Ausnahmefällen einmal einem NAW vorbehalten war ...
      - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
      http://www.einsatzfahrzeug-archiv.de
      facebook.com/voss.tobias
      - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    • Patrik Kalinowski schrieb:

      Bevor ich loslege...

      • Wem dichtest Du nun die vermeintlich schlechte Ausbildung an?
      • Meinst Du denn, dass es nur in Hamburg so ist, dass Rettungsmittel zu Husten/Schnupfen/Heiserkeit geschickt werden?
      • Die qualitative Entwicklung des deutschen Rettungsdienstes in den letzten Jahren hast Du sicherlich verfolgt, oder?
      • Das man in diesem Kontext den wirtschaftlichen Aspekt nicht ganz herausrechnen kann, bzw. in seine Überlegungen mit einfließen lassen sollte, ist Dir aber auch klar, oder?
      Grundsätzlich lese ich aus deinem Beitrag heraus, dass Du von BF-geführten Rettungsdiensten nicht viel zu halten scheinst, zumindest liest es sich so.
      Was sind also deine Lösungsansätze... da bin ich wahrlich gespannt!


      Ich dichte jedem Rettungsassistenten, der an der Feuerwehrakademie Hamburg ausgebildet wurde, eine deutlich schlechtere Ausbildung an, als Rettungsdienstlern vergleichbar großer Schulen.
      Zudem hat in den letzten Jahren kein Rettungsassistent der BF Hamburg die erforderlichen 35 Stunden Fortbildung bekommen, oftmals sogar eher 0, da die Personallage so angespannt ist.

      Nein, natürlich ist das überall so, dass RTW und NEF viel Mist fahren. In Hamburg haben wir aber mittlerweile fast nur noch auswärtige, angestellte Rettungsassistenten mit mangelhafter Ausbildung in der Leitstelle (Calltaker), die ohne sichere Festanstellung und Rückendeckung ausschließlch nach SMAP abfragen und nahezu 0 selber nachdenken, aus Angst vor entsprechenden Konsequenzen.
      Und wenn SMAP Husten als Atemnot mit RTW/NEF definiert, dann ist das eben so.

      Die qualitative Entwicklung geht ganz klar nach oben, wobei in den letzten Jahren ein deutlicher Knick, insbesondere in Sachen Leitstellenarbeit und Hilfsfristen zu erkennen ist, bedingt durch den demopraphischen aber auch sozialen Wandel vieler Regionen.

      Ich habe nur mit 3 Rettungsdiensten in BF-Hand eigene Erfahrungen, Hamburg, Berlin und Kiel.
      Die Qualität und Ausstattung in Berlin ist erbärmlich, das sollte ja bundesweit bekannt sein.
      Hamburg steht dem auch nicht in viel nach... Kiel fand ich soweit okay.

      Ich fasse nochmal meine wichtigsten Kritikpunkte am System in Hamburg zusammen:

      Die Ausbildung ist mangelhaft, Fortbildung quasi nicht existent (bedingt durch die Personaldecke)
      Da spiegelt sich in Ausrüstung und Kompetenzen wieder:

      -kein 12-Kanal
      -kein Pacer
      -5 Medikamente auf dem RTW (G40, Supra, Berotec, Diazepam, Nitrolingual)
      -Einführung des revolutionären Spineboards zur Unfallrettung im Jahre 2012 (4 Stück)
      -CPAP? Was ist das?

      -normale Rettungsassistenten werden als nicht befähigt angesehen, NEF zu fahren bzw. den Umgang mit Geräten und Medikamenten zu beherrschen, daher gibt es dafür einen gesonderten Personalpool
      -der Rettungsassistent des RTW MUSS auf das NEF umsteigen, der Notarzt behandelt mit seinem, qualifizierten Assistenten

      Es wird also jegliche weiterführende medizinische Kompetenz auf das NEF geschoben, diese stehen aber so in der Fläche nicht zur Verfügung.
      Südlich der Elbe ist ein NEF stationiert, ein weiteres kann einige Bereiche vom Norden aus über die BAB erreichen, ansonsten muss schon der Hubschrauber aushelfen.

      Tobias Voss schrieb:

      HamburgerJungchen schrieb:

      Und bitte wer misst alle 5 Minuten von Hand nach?
      Ich hoffe doch, dass das jeder halbwegsgute RettSan und RettAss macht, wen er eben keine automatische Blutdruckmessung im Auto und die Vermutung hat, dass sich am Blutdruck etwas signifikantes ändern könnte.

      Es gibt sicherlich noch viele Kollegen, die sich auch an die Zeiten erinnern konnten, wo es grundsätzlich nur ein 3-Kanal-EKG gegeben hat und wo eine automatische Blutdruckmessung einer Intensivstation oder in Ausnahmefällen einmal einem NAW vorbehalten war ...


      Das will ich sehen, versuch das mal bei einer hektischen Notfallsituation oder gar auf der Fahrt. Findet so nicht statt, da muss man sich nichts vormachen. Also bringt das NEF sein Gerät mit, wenn es dann irgendwann da ist, und transportiert es ungesichert im Patientenraum.

      Jaja, früher. Da ist man mit dem Pflasterkoffer und der Blutdruckmanschette losgezogen, und auch damals sind nicht alle gestorben.
      Es gibt diese Geräte, sie sind Stand der Technik, Intensivverlegungen und intensivpflichtige Patienten nehmen zu, und von daher spricht alles für eine entsprechende Anschaffung!

      Zumal, der Corpuls C1 ist mit knapp 10.000€ für die Hamburger Version alles andere als billig und nicht so weit von einem vollwertigen Gerät entfernt.
      Der Berliner Weg mit einem AED mit 1-Kanal-Patch-Ableitung für 1000€ ist eine echte Einsparung, an Geld und Qualität