Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 20

Donnerstag, 2. März 2017

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 20 - Mercedes-Benz L 3500 und L 311 (Baujahre 1950 – 1960), mechanische Drehleitern mit 25 und 26 m Länge

In den 1930er Jahren hatte das Reichsluftfahrtministerium (RLM) die Kraftfahr-Drehleiter mit 26 Meter Auszugslänge, kurz KL 26, auf Fahrgestellen mit 3.750 kg Tragkraft entwickelt und als Fahrzeug des Einheitslöschzuges, bestehend aus Kraftfahrspritze KS 25 und KL 26, propagiert. Nicht nur über das RLM wurden zahlreiche KL 26 beschafft, auch viele kommunale Feuerwehren orderten die ab 1943 DL 26 genannten Fahrzeuge. Nach Kriegsende waren diese 26m-Leitern die am stärksten verbreitete Variante in den Fuhrparks größerer Feuerwehren

Dennoch setzten die beiden Drehleiterproduzenten Magirus und Metz diese Produktlinie nicht fort. Stattdessen entwickelten beide in den ersten Nachkriegsjahren neu konstruierte Leiterparks für DL 25, die leichtere und stabilere Profile nutzten als zehn Jahre zuvor. Fast zeitgleich präsentierten Metz und Magirus 1951 ihre ersten Exemplare. Magirus nutzte das hauseigene Fahrgestell S 3500, Metz aufgrund des schon mehrfach erwähnten Kooperationsvertrages den Mercedes-Benz LF 3500 mit 4200 mm Radstand. Beide Drehleiterversionen entwickelten sich schnell zu einem großen Verkaufserfolg, denn der Bedarf an Drehleitern war stark. Viele der überlebenden Fahrzeuge aus der Vorkriegs- und Kriegsproduktion waren nach harten Einsatzjahren völlig abgewirtschaftet und nicht mehr zuverlässig einsetzbar.

Die erste DL 25 auf Mercedes-Benz LF 3500 für eine deutsche Feuerwehr ging 1951 an die WF der Steinkohlebergwerk Friedrich Heinrich AG in Kamp-Lintfort.

Wieder war es die BF Berlin, die Drehleitern mit Truppkabine orderte. Nach den zwei in Teil 19 erwähnten DL 22 von 1950 wurden 1952 zwei DL 25 angeschafft. Wie schon bei den kleineren Schwestern nutzte Metz auch hier selbst gefertigte Truppkabinen mit geteilter Frontscheibe, da die serienmäßige Stahlkabine zu hoch war. Ansonsten entsprachen sie den Staffeldrehleitern.

Eine der DL 25 wurde nach ihrer Dienstzeit in Berlin um 1967 von der damals noch selbständigen Stadt Vorsfelde (heute ein Stadtteil von Wolfsburg) erworben und bis 1977 weiter genutzt. Danach blieb sie als Oldtimer erhalten und steht momentan im (immer noch im Aufbau befindlichen) Feuerwehrmuseum in Hattingen.


DL 25, Mercedes-Benz LF 3500/42, Metz, Baujahr 1952, zusammen mit einem Schwesterfahrzeug geliefert an die Berliner Feuerwehr, später von der FF Vorsfelde (heute Ortsfeuerwehr der FF Wolfsburg) erworben. Aktueller Standort ist das Westfälische Feuerwehrmuseum in Hattingen.

Die DL 25 mit Staffelbesatzung unterschieden sich von den zeitgleich gebauten DL 22 äußerlich nur durch den längeren Leiterpark, der ein Strebensegment mehr aufwies als bei den kleinen Schwestern. Genau wie diese machten auch die DL 25 die Veränderungen mit, die fast alle Metz-Fahrzeuge während der ersten Hälfte der 1950er Jahre erfuhren. Keine Drehleiter dieser Länge gab es mit der 1950/51 produzierten sehr schmalen Einfassung der Frontscheiben. Bereits die 1951 nach Kamp-Lintfort gelieferte DL 25 besaß breite Gummieinfassungen in Schwarz, dazu auf dem Führerhaus aufgesetzte Warnlampen. Ähnlich sahen die 1952 nach Hof und Bielefeld gelieferten Drehleitern aus.


DL 25, Mercedes-Benz LF 3500/42, Metz, Baujahr 1952, geliefert an die BF Bielefeld, 1971 verkauft an die FF Schlitz im hessischen Vogelsbergkreis. Gut zu sehen sind die breiten Gummieinfassungen der Frontscheiben. Im Laufe der Dienstzeit wurden die ehemaligen Warnlampen über der Frontscheibe durch Blaulichter ersetzt. Auch die Trittbrettkästen entsprechen nicht mehr dem Original. 1992 wurde die Drehleiter ausgemustert, aber nicht verschrottet.


Ungefähr ab Mitte 1953 wurden auch bei den Drehleitern silbernen Einfassungen der Frontscheiben verwendet, die Warnlampen wurden in die Führerhausoberkante integriert. In den folgenden Jahren wurden sehr viele DL 25 an deutsche Feuerwehren verkauft, z. B. 1953 nach Ettlingen, Fellbach, Hamm und Ravensburg. Eine von Ihnen ist vermutlich das Fahrzeug, das in den 1980er Jahren bei der niedersächsischen Ortfeuerwehr Lemförde im Dienst war.

Im Jahr darauf erhielten die Feuerwehren Bruchsal, Düren, Eschweiler, Memmingen, Neunkirchen (Saar), Rastatt und Überlingen Mercedes-Benz DL 25.


DL 25, Mercedes-Benz LF 3500/42, Metz, Baujahr 1954, FF Memmingen, heute gepflegt von der Interessengemeinschaft alter Memminger Feuerwehrfahrzeuge e.V.

Der Verkauf einer Drehleiter auf Mercedes-Benz-Fahrgestell in das 1954 noch nicht wieder zu Deutschland gehörende Saarland muss als kleine Sensation angesehen werden. Üblicherweise wurden in dieser Zeit nämlich französische Fahrgestelle beschafft. Für diese gewährte die damalige Regierung des Saarlandes großzügige Zuschüsse, während für deutsche Fahrzeuge hohe Zölle erhoben wurden. Bei Aufbauherstellern galten offenbar weniger harte Auflagen, so daß Metz zwei DL 25 auf Berliet-Chassis liefern konnte.


DL 25, Mercedes-Benz LF 3500/42, Metz, Baujahr 1954, geliefert an die FF Neunkirchen (Saar), dort 1982 ausgemustert. Nach mehreren nicht bekannten Zwischenstationen gehört sie heute einem Sammler aus Hannover, der sie auf der Interschutz 2015 stolz präsentierte.

Soweit bekannt, war die Bruchsaler DL 25 das einzige Exemplar dieser Serie bei deutschen Feuerwehren, das mit einer Vorbaupumpe versehen war.


DL 25, Mercedes-Benz LF 3500/42, Metz, Baujahr 1954. Bis 1979 war die DL im Dienst bei der FF Bruchsal, danach wurde sie von den Oldtimerfreunden Villingen-Schwenningen übernommen. 2004 kehrte sie zum 150jährigen Jubiläum der FF Bruchsal an ihre alte Einsatzstätte zurück und wird heute von der Oldtimergruppe der Abteilung Bruchsal unterhalten.

Wesentlich zum Verkaufserfolg der DL 25 dürfte beigetragen haben, dass sie im Gegensatz zur DL 22 in die in der Vorbereitungsphase befindliche Norm aufgenommen werden sollte und es bei der Verabschiedung der Vornorm im Jahre 1957 auch so kam. Die ebenfalls dort aufgeführte DL 30 ließ sich auf einem 3,5 t- Fahrgestell nicht realisieren, selbst der für 4,5 t Nutzlast zugelassene L 312 war dafür nicht ausreichend. Neben der fehlenden Nutzlast war hier vor allem der mit 4.200 mm zu kurze Radstand ein Problem. Man hätte also auf schwere und teurere Fahrgestelle ausweichen müssen. So blieb als Kompromiss die DL 25 übrig.

Irgendwann zwischen 1954 und 1956 entfielen die oberhalb der Frontscheiben angeordneten blauen Warnlampen zugunsten blauer Rundumkennleuchten auf dem Führerhausdach, allerdings wurden offenbar beide Versionen eine Zeit lang parallel gebaut. Die Motorleistung war allmählich gesteigert worden, der Dieselmotor OM 312 mit 90 und später 100 PS war jetzt im Normalfall vom aufgeladenen OM 312A mit 115 PS ersetzt worden. Im Laufe des Jahres 1955 erfolgte schließlich der Wechsel vom Mercedes-Benz LF 3500/42 zum LF 311/42, äußerlich änderte sich nichts. Ohne Kenntnis der Typenschilder oder Originalpapiere kann man nicht sagen, welche der 1955 produzierten DL 25 für die FF Brühl, FF Lünen und BF Oldenburg bereits ein LF 311/42 war.

Die FF Offenburg erhielt 1956 eine DL 25, noch ausgestattet mit den Warnlampen oberhalb der Frontscheibe. Sie wurde später an die WF Bosch in Darmstadt verkauft. Von den im gleichen Jahr für die Feuerwehren Backnang und Lüdenscheid produzierten DL 25 sind momentan keine Bilder bekannt, daher können auch keine Äußerungen zu ihrem Aussehen gemacht werden.

Spätestens aber 1957 änderte sich die Aufbauform. Das Leiterpodium erhielt jetzt größere Staukästen vor und hinter der Hinterachse, die Schlauchkästen rückten etwas nach innen und bekamen das auch bei LF 16 und TLF 16 übliche Trittbrett. Die Kabine blieb dagegen zunächst unverändert. Diese Übergangsbauart findet sich nur bei sehr wenigen Drehleitern, und zwar den DL 25 der FF Schleswig (Baujahr 1957) und FF Viersen (1958, im Jahre 1975 an den Löschzug Süchteln abgegeben und dort bis 1995 genutzt). Weitere Fahrzeuge dieser Übergangsbauart sind momentan nicht bekannt.


DL 25, Mercedes-Benz LF 311/42, Metz, Baujahr 1957, geliefert an die FF Schleswig. Das weitere Schicksal konnte nicht geklärt werden.

Etwa ab Mitte 1958 ändert sich endlich auch die Kabinenform der DL 25. Bei LF 16 und TLF 16 wurde diese Bauart als Gemischtbauweise bezeichnet, bei Drehleitern ist dieser Begriff nicht üblich. Dennoch wäre er hier auch anzuwenden. Der Aufbau mit den größeren Gerätekästen wurde ja bereits seit 1957 in Ganzstahlbauweise produziert, die Kabine noch in der alten Bauweise aus einem Hartholzgerippe mit Stahlbeplankung.

Auch in der ab Mitte 1958 produzierten Version waren die Kabinen weiterhin aus blechbeplankten Hartholzleisten gefertigt. Jetzt nutzte man aber eine einteilige, an den Außenseiten nach unten gebogene Frontscheibe, so wie auch bei den LF 16 und TLF 16 üblich. Das Kabinendach stand dabei an der Scheibenoberkante etwas vor. Das war vermutlich der geringeren Bauhöhe von Drehleiterkabinen geschuldet und aus statischen Gründen notwendig. Am hinteren Ende waren die Kabinen kaum noch abgerundet, ursprünglich eine Maßnahme, um den Leiterpark 360o drehen zu können. Die neuen Kabinen müssen also insgesamt kürzer als ihre Vorgänger gewesen sein, denn der Leiterstuhl war nicht verändert worden.

Aus dem Jahr 1958 sind DL 25 für die Feuerwehren Bingen, Friedberg, Hannover und Pinneberg bekannt, 1959 wurde ein weiteres Fahrzeug an die FF Schwäbisch Gmünd geliefert.


DL 25, Mercedes-Benz LF 311/42, Metz, Baujahr 1958, FF Bingen am Rhein, im Dienst bis 1977, weiterhin in Bingen als Museumsfahrzeug erhalten. Die Drehleiter entspricht der Normalausführung mit nur einer Zierleiste an der Tür.



DL 25, Mercedes-Benz LF 311/42, Metz, Baujahr 1958, FF Friedberg (Hessen). Die hier gezeigte Zierleisten-Version dürfte eine „Sonderausstattung“ gewesen sein.


DL 25, Mercedes-Benz LF 311/42, Metz, Baujahr 1958, geliefert an die FF Pinneberg. Von den Zierleisten her war es die am aufwändigsten dekorierte Drehleiter dieser Serie, ganz dem Zeitgeschmack mit US-amerikanischen Einflüssen folgend. Im Jahre 1981 wurde sie durch ein Neufahrzeug ersetzt und an die WF Doornkaat in Norden verkauft. Dort ersetze sie die in der Folge 19 gezeigte DL 22 mit Vorbaupumpe. Danach verliert sich ihre Spur.


DL 25, Mercedes-Benz LF 311/42, Metz, Baujahr 1959, FF Schwäbisch Gmünd, bis 1987 im Einsatz, als Oldtimer erhalten.

Die letzte Bauart der mechanischen DL 25 auf Mercedes-Benz LF 311/42 repräsentieren die an die Hessische Landesfeuerwehrschule in Kassel und die FF Uetersen gelieferten Fahrzeuge. Sie verfügten bereits über eine Ganzstahlkabine, erkennbar an den silbernen Einfassungen der Seitenfenster. Interessanterweise wurde sie erst zu einem Zeitpunkt geordert, als schon die ersten hydraulischen Leitern auf dem gleichen Fahrgestell ausgeliefert worden waren.

Die Drehleiter der LFS Kassel wurde 1978 an die FF Nidda verkauft, bei der sie bis 1990 im Einsatz blieb. Nach der politischen Wende in der DDR nahm Nidda eine Partnerschaft mit der Gemeinde Bad Kösen in Thüringen auf und spendete der dortigen Feuerwehr die DL 25. Weitere elf Jahre wurde sie in Bad Kösen noch genutzt, so dass sie auf eine Gesamtdienstzeit von 41 Jahren kam. Derartige Lebensläufe sind für diese recht teuren Spezialfahrzeuge nicht unüblich gewesen.


DL 25, Mercedes-Benz LF 311/42, Metz, Baujahr 1960, geliefert an die FF Uetersen, verkauft 1978 an die FF Soltau, dort im Einsatz bis 1988. Heute soll sie angeblich im Museum des Erlebnisparks Ziegenhagen stehen.

„Refurbishment“, wie neuerdings die Generalüberholung gebrauchter Fahrzeuge genannt wird, war in der Nachkriegszeit noch sehr viel verbreiteter als heutet. Zahlreiche Feuerwehren ließen ihre Vorkriegs-Drehleitern bei Metz oder Magirus aufarbeiten, um sie noch viele Jahre nutzen zu können. Waren die Fahrgestelle aber zu stark verschlissen, konnte man die wertvollen Leiterparks noch auf neue Unterbauten setzen. Auch das wurde häufig gemacht.

So ließ allein die BF Dortmund vier Leiterparks von DL 26 auf neue Fahrgestelle setzen. Drei davon waren Magirus-Erzeugnisse und bekamen Rundhauber als fahrbaren Untersatz. Der einzige Metz-Leiterpark wurde irgendwann in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre auf einen Mercedes-Benz LF 311/42 umgesetzt. Dabei wurde die serienmäßige Stahlblechkabine verwendet, dahinter wurde eine Sitzbank im Freien montiert. Der übrige Teil des Podiums entsprach ansonsten der ab 1957 üblichen Bauart mit Gerätefächern vor und hinter den Hinterrädern.

Vom Fahrgestell her älter war der einzige Nachkriegs-Neubau einer DL 26 durch Metz. Die Werkfeuerwehr der Stahlwerke Salzgitter AG erhielt 1954 eine solches Fahrzeug auf Mercedes-Benz LF 3500/42. Auch hier wurde eine serienmäßige Truppkabine verwendet, allerdings ohne die Sitzbank dahinter. Das Podium ähnelt ansonsten denen der DL 22 und DL 25 aus jener Zeit. Der Leiter selbst sah man den zusätzlichen Meter Auszugslänge am vorderen Strebensegment an, es war deutlich länger als bei den DL 25. Bereits 1964 trennte sich die Werkfeuerwehr von der mechanischen Drehleiter zu Gunsten einer hydraulischen, deutlich größeren und schwereren DL 37 auf einem sehr wuchtigen Mercedes-Benz-Kurzhauberfahrgestell.

Die DL 26 wurde an die FF Burgdorf verkauft, wo sie bis 1982 genutzt wurde. Dann übernahm sie ein Sammler aus der Nähe von Neustadt am Rübenberge. Er beschriftete sie mit „Freiwillige Feuerwehr Niedernstöcken“, was im hannoverschen Umland sicherlich Eindruck machte. Schließlich hatte der Ort nur knapp 600 Einwohner und als einziges Löschfahrzeug ein TSF. Die Drehleiter sah man in den folgenden Jahren einige Male auf Oldtimertreffen, was danach mit ihr geschehen ist, ist momentan nicht bekannt.,


DL 26, Mercedes-Benz LF 311/42, Metz, Baujahr 1954, in Dienst gestellt bei der WF der Salzgitter AG, 1964 an die FF Burgdorf verkauft und dort bis 1982 im Einsatz. Anschließend von einem Oldtimerliebhaber übernommen und mit „Freiwillige Feuerwehr Niedernstöcken“ beschriftet. Seit mindestens 20 Jahren wurde die Drehleiter nicht mehr auf Oldtimertreffen gezeigt.

(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Christopher Benkert, Klausmartin Friedrich, Florian Graf, Simon Herzog, Frank-Hartmut Jäger, Stephan Kutsch, Kai Mertsch, Jürgen Suchorski.

Literatur (u.a.):
Hasemann, Dieter: Drehleitern deutscher Feuerwehren; Brilon, 2000.


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