Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 15

Dienstag, 23. August 2016

Die Haubenfahrzeuge der Nachkriegszeit - Teil 15 - Mercedes-Benz L 3500 und L 311 (Baujahre 1949 – 1961), LF und TLF mit Bachert-Aufbauten

Bei der Produktion von Feuerwehrfahrzeugen arbeitete die Daimler-Benz AG seit den 1920er Jahren sehr eng mit der Firma Metz zusammen, ab 1933 bestand sogar ein entsprechender Kooperationsvertrag. Dort war geregelt worden, dass die Daimler-Benz AG keine eigenen Pumpen herstellte, Metz im Gegenzug für den deutschen Markt (fast) ausschließlich Mercedes-Benz-Fahrgestelle nutzen musste. Nur während der Kriegsjahre wurde diese Regelung auf Anweisung der nationalsozialistischen Führung unterbrochen, um gleich nach Kriegsende wieder in Kraft zu treten. Entsprechend schwierig war es daher für andere Aufbauhersteller, ihre Produkte auf Mercedes-Benz-Fahrgestellen anzubieten.

Eine der ersten Firmen, der dies gelang, war die Firma Bachert in Kochendorf, seit 1933 ein Stadtteil von Bad Friedrichshall. Die Ursprünge des Familienunternehmens reichen bis ins Jahr 1745 zurück, als Kaspar Bachert in Dallau im Odenwald eine Glockengießerei gründete. Die Firma begann bald zusätzlich mit dem Guss von Feuerspritzen. Weitere Nachkommen gründeten 1830 in Kochendorf eine zweite Gießerei, die neben Glocken und Pumpen später auch tragbare Leitern für Feuerwehrzwecke produzierte. 1900 wird der Dallauer Betrieb aufgegeben.

Eine dritte Gießerei wurde von der Familie in Karlsruhe gegründet. Karl und Alfred Bachert betrieben ab 1904 dort zusätzlich eine eigenständige Feuerwehrgerätefabrik. Nur ein Jahr später übernahmen sie von den Nachkommen von Carl Metz die Heidelberger Feuerwehrfabrik, führten sie unter dem alten Namen weiter und verlegten sie bis 1909 schrittweise nach Karlsruhe. Sie führten – beide kinderlos - die Firma Metz bis ins hohe Alter von 87 bzw. 81 Jahren und zogen sich erst 1961 aus dem Unternehmen zurück. Die letzten fünf Jahre waren sie bereits „nur noch“ als Geschäftsführer für den von ihnen gewünschten neuen Eigentümer, die Carl Kaelble GmbH tätig gewesen. Man kann also feststellen: Über 50 Jahre „war bei Metz eigentlich Bachert drin“.

Das Kochendorfer Unternehmen wurde gleichzeitig von ihren Brüdern Hermann (verstorben 1929) und Albert Bachert (bis 1949) fortgeführt. Bei Kriegsende war es durch Tieffliegerangriffe stark zerstört, konnte aber relativ schnell wieder aufgebaut werden. „Motor“ des Aufschwungs war Eugen Bachert, 1905 geborener Sohn von Albert Bachert und seit 1932 bereits im Unternehmen tätig. Er führt nach dem Tod seines Vaters die „Feuerwehrgeräte-Fabrik und Glockengießerei Gebrüder Bachert“ in Kochendorf bis 1983 fort. Wie bekannt, geriet die Firma danach in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste 1987 Konkurs anmelden, die Glockengießerei war vorher abgetrennt worden. Damit ging die Ära Bachert im Feuerwehrbereich zu Ende.

Eugens Bruder Alfred Bachert hatte – unterstützt vom Vater – nach Kriegsende eine weitere Glockengießerei in Heilbronn gegründet, die er an seinen Sohn Albert vererbte. Ab 1988 gelang es diesem, die Betriebe in Heilbronn und Kochendorf wieder zusammenzuführen, seit 2003 gehört auch die Karlsruher Glockenproduktion wieder zum inzwischen 270 Jahre alten Familienunternehmen.

Eugen Bachert wollte sich nach Kriegsende nicht damit begnügen, weiterhin nur Pumpen, Tragkraftspritzen, Anhänger dafür sowie Feuerwehrzubehör zu produzieren. Vielmehr wollte sich die Firma am wieder auflebenden Fahrzeugmarkt beteiligen. Allerdings war die Daimler-Benz AG offenbar zunächst nicht bereit, dem Neffen ihrer Kooperationspartner spezielle Feuerwehrfahrgestelle zu liefern. Die ersten Bachert-Fahrzeuge wurden daher noch auf reinen Lkw-Fahrgestellen Mercedes-Benz L 3500 aufgebaut, die über den örtlichen Handel bezogen wurden.

Eugen Bachert und seine Mitarbeiter entschieden sich zunächst (eventuell wegen der fehlenden Fahrgestellauslegung für ein Feuerwehrfahrzeug) für Vorbaupumpen. Das schaffte nebenbei Platz im Aufbau für eine TS und andere Geräte. Dem Mitbewerber Metz, also seinen beiden Onkeln technisch weit voraus war Bachert mit der konsequenten Anwendung des Ganzstahlaufbaus. Wie bereits geschildert, ging Metz erst 1958 endgültig dazu über.

Die ab 1951 produzierten LF 8 (zunächst von Bachert der Vorbaupumpe wegen „LF V 8“ genannt) und LF 15 („LF V 15“) unterschieden sich äußerlich nur durch die verschieden dimensionierten Pumpen. Insgesamt wirkten sie sehr gedrungen, ihr zulässiges Gesamtgewicht lag trotz des Stahlgerippes unter 7,49 t. Momentan können wir nur ein einziges dieser Fahrzeuge in unserer Galerie vermelden. Weitere LF 8 existieren aber mindestens noch in Lauf und Eschwege sowie ein LF 15 in seiner „Geburtsstadt“ Bad Friedrichshall. Die letzten Exemplare dieser Bauart verließen 1956 die Fabrikationshallen.

LF 15 („LF V 15“), Mercedes-Benz L 3500/36, Bachert, Baujahr 1951, geliefert an die Freiwillige Feuerwehr Amt Schmallenberg, bis 1966 eingesetzt in Schmallenberg, danach bis 1983 bei der Löschgruppe Grafschaft, danach in Privatbesitz. Das Fahrzeug gilt als ältestes Bachert- Löschfahrzeug und damit als ältestes deutsches Löschgruppenfahrzeug mit Ganzstahlaufbau.

Bei den ersten Fahrzeugen baute Bachert eine durchgehende Frontscheibe ein, etwa 1954 erfolgte jedoch ein Wechsel zur geteilten Scheibe. Vermutlich war die Steifigkeit der Aufbauten noch nicht ausreichend gewesen und es hatte Schäden durch Verwindungen gegeben.

Nach einiger Zeit lieferte die Daimler-Benz AG dann doch spezielle Feuerwehrfahrgestelle an Bachert und andere Aufbauhersteller, man wollte in Stuttgart verhindern, dass die Kunden zu stark auf Magirus-, MAN, Henschel- oder Krupp-Produkte auswichen. Außerdem verbot der Kooperationsvertrag es nicht direkt. Vielleicht war auch der Druck durch die größeren Feuerwehren zu hoch, die ganz bestimmte Vorstellungen für ihre Ausrüstung hatten.

Die BF Hamburg orderte bei Bachert zwei TLF 15 auf dem Fahrgestell L 3500/42, die noch 1951 ausgeliefert wurden. Ob es sich –wie in der Literatur häufig angegeben wird – tatsächlich schon um LF 3500/42 handelte, ist momentan nicht feststellbar. Der Aufbau mit seinen vielen Türen und Klappen wirkte etwas zusammengestückelt, war aber insgesamt als formschön zu bezeichnen. Mindestens ein weiteres Fahrzeug ging 1952 an die FF Löwenstein, von der es zur BtF Westfalia Separator in Herdecke gelangte.

TLF 15, Mercedes-Benz L 3500/42, Bachert, Baujahr 1951, BF Hamburg.

TLF 15, Mercedes-Benz L 3500/42, Bachert, Baujahr 1952, geliefert an die FF Löwenstein, später im Dienst bei der BtF Westfalia Separator in Herdecke, heute von einem Sammler erhalten.

Für einige Jahre wurden jetzt keine weiteren TLF 15 auf Mercedes-Benz-Fahrgestellen bei Bachert hergestellt. Bei den LF 15 bleibt es bis 1956 bei der Version mit Vorbaupumpe. Erst nach dem Erlass der Vornormen 1955 und der Modellumbenennung bei Mercedes-Benz auf L 311 wurde Bachert wieder aktiv, jetzt auch in größeren Stückzahlen. Dennoch erreichet die Produktion auf diesem Hauberfahrgestell zu keiner Zeit ähnliche Größenordnungen wie bei Metz. Bei anderen Fahrgestellen, z.B. dem so genannten Pullman, sah das ganz anders aus.

Verglichen mit den bereits vorgestellten zahlreichen Unterbauarten bei Metz baute Bachert in der 2. Hälfte der 1950er Jahre sehr konsequent Fahrzeuge mit einem einheitlichen Erscheinungsbild. Natürlich unterscheiden sich LF 16 und TLF 16 durch die verschieden großen Mannschaftskabinen, aber TLF 16 hatten immer den Radstand von 3.600 mm, LF 16 immer 4.200 mm.

Bei dem einzigen bekannten Allrad-LF 16 der FF Ennepetal war nur die Bauhöhe des Fahrgestells anders als bei der Straßenversion. Leider gibt es noch kein Bild des Ennepetaler Fahrzeugs in unserer Galerie, so dass wir auf die Darstellung verzichten müssen. LF 16-TS von Bachert auf diesem Fahrgestell sind nicht bekannt geworden.

LF 16, Mercedes-Benz LF 311/42, Bachert, Baujahr 1957, BF Hamburg. Es gehört zu einer Serie von fünf LF 16, die 1956 (2 Stück) und 1957 (3 Stück) in Dienst gestellt wurden. Dieses Fahrzeug diente „im 2. Leben“ von 1972 bis 1984 als Leichtschaumlöschfahrzeug. Danach wurde es wieder weitgehend in den Ursprungszustand zurückversetzt und gehört heute dem Verein Hamburger Feuerwehr-Historiker e.V.

LF 16, Mercedes-Benz LF 311/42, Bachert, Baujahr 1959, geliefert an die Feuerwehr der damals noch selbständigen Gemeinde Horrem, heute ein Löschzug der FF Kerpen. 1980 erfolgte der Verkauf an die BtF Nattermann in Köln, die später in Rhône-Poulenc Rorer Arzneimittel GmbH umbenannt wurde. Heute wird der Oldtimer im Veteranenlöschzug Stommeln erhalten. Nur in Details unterscheidet er sich vom Hamburger Fahrzeug.

Typisch für Bachert-Löschgruppenfahrzeuge (hier das ehemalige Horremer LF 16) zwischen 1956 und dem Übergang zu Klapptüren ab 1970 waren die kleine Klappe über den B-Abgängen (dort lagerte meist ein an einen B-Schlauch gekuppelter Verteiler) und die auf beiden Heckseiten angebrachten Klapptritte für die Dachbesteigung.

LF 16, Mercedes-Benz LF 311/42, Bachert, Baujahr 1961, geliefert an die BF Kiel, die damals mehrere Löschgruppenfahrzeuge dieser Bauart im Dienst hatte. Nach der Ausmusterung kaufte es 1976 die FF Klausdorf, dann 1979 die FF Pohnsdorf (beide Kreis Plön). Letztere überholte es von Grund auf und lackierte es in RAL 3024 (Leuchtrot). 2003 wurde das LF durch ein anderes Gebrauchtfahrzeug ersetzt und an einen bayerischen Sammler verkauft.

Die Produktionszahlen der TLF 16 mit und ohne Allradantrieb hielten sich in etwa die Waage, auch wenn in unserer Galerie die Straßenversion deutlich unterrepräsentiert ist. Die beiden Ausführungen waren ebenfalls nur bei genauem Hinsehen zu unterscheiden.

TLF 16, Mercedes-Benz LF 311/36, Bachert, Baujahr 1959, geliefert an die heute zur Stadt Lage (Lippe) gehörenden FF Kachtenhausen, seit 1980 Museumsfahrzeug.

TLF 16, Mercedes-Benz LAF 311/36, Bachert, Baujahr 1958, geliefert an die FF Leonberg. Dort wurde es 1983 ausgemustert und gelangte 1991 in den Historischen Löschzug der FF Bad Friedrichshall.

Die den sehr detaillierten bayerischen Richtlinien für TLF 16 entsprechenden Fahrzeuge verfügten als äußerliche Kennzeichen über Allradantrieb, auf dem Trittbrett offen liegende Saugschläuche und einen A-Saugstützen unter der vorderen Stoßstange.

TLF 16 Typ „Bayern“, Mercedes-Benz LAF 311/36, Bachert, Baujahr 1956, im Einsatz bis 2001 bei der FF Kempten, Löschzug St. Mang. Es wird von einem Mitglied des Löschzuges erhalten.

Ab 1960 veränderte sich ein kleines Detail an einigen Bachert-Fahrzeugen, aber nicht an allen: Die seitlichen Türgriffe lagen jetzt in einer viertelkreisförmigen Mulde. Erreicht werden sollte damit ein besserer Schutz der Griffe bei Fahrten „durch den Busch“, gleichzeitig aber auch ein größerer Unfallschutz für Bedienmannschaft und Passanten.

TLF 16 Typ „Bayern“, Mercedes-Benz LAF 311/36, Bachert, Baujahr 1961, FF Weitnau.

Wegen des ohnehin vorhandenen formstabilen Schnellangriffsschlauches im TLF 16 entfiel die kleine Klappe für den angekuppelten Verteiler, auf Grund der fehlenden Haspel genügte auch ein Dachaufstieg. Das Einlassen des Hecktürgriffes hat Bachert sich ebenfalls gespart.


(wird fortgesetzt)

Text: Klausmartin Friedrich

Bilder: Klausmartin Friedrich, Siegfried Hiltensberger, Stefan Köchling, Heiner Lahmann,Carsten Michalski, Stefan Quinting, Karl Müller, Holger de Vries, Archiv Hamburger Feuerwehr-Historiker e.V..

Literatur (u.a.):
Daimler-Benz AG (Hrsg.): Brandschutz mit Stern: Die Geschichte der Mercedes-Benz Feuerwehrfahrzeuge und ihrer Vorgänger (1888-2002); Stuttgart, 2007.

Daimler-Benz AG (Hrsg.): Transport mit Traktion: Allradgetriebene Lkw seit 1945; Stuttgart, 2011.


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